Retro-Starportrait: Rebell, Denker und Philosoph | FILMREPORTER.de
Filmreporter-RSS

RETRO Feature

Luis Buñuel
Luis Buñuels christlicher Atheismus

Rebell, Denker und Philosoph

Der gebürtige Spanier Luis Buñuel ist zugleich Denker, Philosoph, Filmemacher und Revoluzzer. Der eingebürgerte Mexikaner gilt als einer der wichtigsten Regisseure der Filmgeschichte. Seine mit surrealistischen Elementen durchsetzten Werke lassen sich stets durch ihre Kritik an der vorherrschenden Bourgeoisie und dem Christentum erkennen. Gemeinsam mit den großen Literaten und Künstlern seiner Zeit, widersetzt sich Buñuel oft und gerne den Regeln der Gesellschaft. Viele seiner Filme wurden verboten, zensiert oder waren Auslöser großer Skandale und Aufstände.

Karge Landschaft in einer kargen Gesellschaft: "Die Vergessenen"

Karge Landschaft in einer kargen Gesellschaft: "Die Vergessenen"

Erster Welterfolg mit Salvador Dalí
Gleich sein erster Film, "Ein andalusischer Hund", wird ein Welterfolg. Die Idee dazu hat Luis Buñuel nicht allein. Er entwickelt das Drehbuch zusammen mit seinem Freund Salvador Dalí. Der Regisseur lernt den surrealistischen Maler noch während seiner Studentenzeit in den 1920er Jahren in Madrid kennen, wo er anfangs Ingenieurswesen studiert, dann aber rasch zu Literatur, Geschichte und Philosophie wechselt.

Neben Dalí gehört auch der Dichter und Literat Federico García Lorca zu Buñuels Freunden. In seiner wilden Jugendzeit beschäftigt er sich erstmals mit der Psychoanalyse von Sigmund Freud. Vor allem die beiden surrealen Elemente Traum und Alptraum faszinieren Buñuel. "Ein andalusischer Hund" ist ein Meisterwerk des surrealen Kinos. Aneinandergereihte absurde Szenen und Bilder sollen weder rationale noch psychologische Erklärungen liefern. Mit diesem Werk katapultiert sich der Regisseur in den Kreis um André Breton.

Eine Szene aus "Er", dem Lieblingsfilm von Luis Buñuel

Eine Szene aus "Er", dem Lieblingsfilm von Luis Buñuel

Von den Jesuiten verwiesen...
Buñuels Kinoleidenschaft und sein rebellisches Verhalten entstehen schon früh. Im Jahr 1900 als ältestes von sieben Kindern in der spanischen Region Aragón geboren, wächst er in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Im Alter von acht Jahren kommt Luis Buñuel erstmals mit dem Medium Film in Kontakt. Mit 14 besitzt er seine erste Waffe, mit 15 wird er von der Jesuitenschule hinausgeworfen. Seine Familie beobachtet diese Entwicklung mit Argwohn, denn sein Verhalten widerspricht ihrer tiefen religiösen Grundhaltung.

Doch schon als Kind kämpft der gefeierte Regisseur gegen innere Dämonen und für seine geistige Freiheit. Später geht ihm dies über alles, dafür nimmt er sogar den Bruch mit Freunden in Kauf. Denn als das erfolgreiche Duo Buñuel/Dalí gemeinsam den Film "Das goldene Zeitalter" im Jahr 1930 auf die Leinwand bringen soll, führen gegensätzliche Ideen zur Trennung. Das Werk wird schließlich von Buñuel alleine verwirklicht und zu einem großen Erfolg - zumindest im Kreis seiner Freunde. Rechtsgerichtete Gruppen beginnen jedoch, Plakate und surrealistische Bilder zu zerstören. Um weitere Aufstände zu verhindern, wird das Werk kurzerhand verboten.

Szene aus "Susanna  - Tochter des Lasters"

Szene aus "Susanna - Tochter des Lasters"

Schaffenspause und Zerwürfnis mit Dalí
Danach beginnt eine künstlerische Schaffenspause des Regisseurs. 1930 geht er nach Amerika, um für Metro-Goldwyn-Mayer zu arbeiten. Zwar knüpft er dort zahlreiche Kontakte - unter anderem lernt er Charlie Chaplin kennen - doch zu großen Regiearbeiten kommt es nicht. Nur ein Jahr später kehrt Buñuel nach Spanien zurück, wird technischer Berater, arbeitet im Synchronstudio und als Produzent. Schließlich geht er nach Genf und Paris, um kleinere Arbeiten zu übernehmen. Hinzu kommen die Wirren des spanischen Bürgerkrieges und der zweite Weltkrieg, welche eine Arbeit als Regisseur nahezu unmöglich machten.

Als Buñuel schließlich 1940 im New Yorker Museum of Modern Art (MOMA) eine Anstellung findet, sorgt Salvador Dalí zwei Jahre später für dessen Entlassung. Grund dafür war die Erscheinung eines Buches, in dem ihn der Künstler als Kommunist und Atheist beschimpfte. Das Zerwürfnis der einstigen Freunde beschäftigt Dalí lange.

Seite: 1 Seite vor >>

Zum Thema

Porträt zu Luis Buñuel

Luis Buñuel

Schnitt, Darsteller, Regisseur, Drehbuch, Produzent, Musik
Luis Buñuel war das Enfant Terrible des französisch-spanischen Kunstfilms. Sein Erstlingswerk, "Ein andalusischer Hund",... weiter
Die Schöne und das Biest

Weitere Retrofeatures: Jean Cocteau: Hinter dem Spiegel

Als Regisseur hat sich Jean Cocteau nie verstanden. Das Universaltalent dilettierte in... weiter
Joachim Fuchsberger

Mein Name ist 'Blacky' Fuchsberger

Anfang der 1960er Jahre ist Joachim 'Blacky' Fuchsberger in Deutschland bereits... weiter
Karlheinz Böhm synchronisiert Pixars "Oben"

Ewiger Kaiser Karlheinz Böhm

Eine Rolle macht den Sohn eines berühmten Dirigenten schlagartig weltberühmt. Als... weiter
© 2019 Filmreporter.de