Retro-Starportrait: Francesco Rosis Leidenschaft | FILMREPORTER.de
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Francesco Rosi

Francesco Rosi

Rosis Werke aus den 1960er und 70er Jahren haben stets gesellschaftsrelevante Themen: Korruption, organisiertes Verbrechen, die Diskrepanz zwischen dem armen Süden und dem reichem Norden. Nachdem er mit Sophia Loren und Omar Sharif die romantische Komödie "Die schöne Isabella" beendet, widmet er sich 1970 nach einer dreijährigen Schaffenspause dem schonungslosen Antikriegsfilm "Bataillon der Verlorenen". Hauptdarsteller und Landsmann Gian Maria Volonté ist noch in weiteren zwei Werken Rosis zu sehen: "Der Fall Mattei" und "Lucky Luciano". Mit diesen beiden Filmen kehrt Rosi erneut zu seinen Ursprüngen wie "Hände über der Stadt", zurück. Allerdings deckt er nicht nur die Verbindung zwischen Verbrechen, Wirtschaft und Politik auf nationaler Ebene in seinen Filmen auf. "Ich glaube, mein Interesse an diesen Dingen leitet sich von der Tatsache her, dass wir in Italien die Demokratie ziemlich spät entdeckt haben, dass diese Eroberung im Grunde noch andauert und somit jeder von uns an dieser Eroberung im täglichen Leben teilnimmt. Das heißt, ich muss diese Filme einfach deshalb machen, um teilzunehmen an der Entwicklung der Gesellschaft, in der ich lebe", so Rosi in einem Interview.

Gian Maria Volonté in "Der Fall Mattei"

Gian Maria Volonté in "Der Fall Mattei"

Während der Regisseur in seinen frühen Filmen vor allem Korruption, Machtmissbrauch und Verbrechen thematisiert, ist in seinen späteren Werken eine zunehmende Ohnmacht spürbar, angesichts der bleiernen Zeit in Italien der 1970er Jahre. Ende der 1970er Jahre schafft Rosi zwei Meisterwerke. In "Christus kam nur bis Eboli" ist erneut Gian Maria Volonté zu sehen, während "Drei Brüder" (1981) vor allem durch das geniale Zusammenspiel von Philippe Noiret, Michele Placido und Vittorio Mezzogiorno lebt. In beiden Filmen, die zur Zeit der Zersplitterung der linken Opposition entstehen, spielt die Symbolik eine tragende Rolle: Drei Brüder (stehen für die zersplitterte linke Opposition) treffen sich am Grab ihrer Mutter (Italiens Tod) nach vielen Jahren wieder und müssen sich mit ihrer verdrängten Vergangenheit auseinandersetzen. Mit diesen Werken setzt Francesco Rosi seinem Schaffen die Krone auf. Obwohl weitere Arbeiten folgen, kommt keines an die Ausdrucksstärke seiner früheren Schaffensphase heran. Dies betrifft sowohl die Verfilmung von Georges Bizets Oper "Carmen" oder die erfolglose Gabriel García Márquez' Verfilmung "Chronik eines angekündigten Todes".
Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de - 8. November 2017

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