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RETRO Feature

Die Schöne und das Biest
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Ich bin kein Filmemacher

Jean Cocteau: Hinter dem Spiegel
Als Regisseur hat sich Jean Cocteau nie verstanden. Das Universaltalent dilettierte in beinahe allen künstlerischen Ausdrucksformen. In seinen Filmen etwa nahm Cocteau wechselweise die Rolle des Regisseurs, des Drehbuchautors und des Schauspielers ein. Daneben entwarf er Kostüme, malte und betätigte sich als Choreograf an der Oper. Eigentlich sah er sich selbst als Schriftsteller auf Abwegen. 'Ich bin kein Filmemacher', sagt er einmal, 'ich bin ein Dichter, der die Kamera als Vehikel benutzt, das es allen ermöglicht, gemeinsam ein und denselben Traum zu träumen.'
Von  André Weikard/Filmreporter.de,  9. Mai 2019
Eine Szene aus "Die Schöne und das Biest"
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Eine Szene aus "Die Schöne und das Biest"

Träumer Cocteau und das Schicksal

Der Träumer Cocteau kommt aus wohlhabendem Elternhaus. Der Vater, ein erfolgreicher Anwalt, begeht Selbstmord, als Cocteau gerade zehn Jahre alt ist. Zu diesem Zeitpunkt beginnt er bereits zu schreiben. Der Zusammenhang von Kunst und Kummer mag im Nachhinein konstruiert wirken, in Cocteaus Lebenslauf taucht er immer wieder auf. Der schwierige Teenager lebt bei seinem Onkel, läuft mit 16 weg, nachdem er wegen schlechter Leistungen von der Schule geworfen wird. Die Polizei findet den Ausreißer schließlich in Marseille, wo er sich unter falschem Namen in einem zwielichtigen Viertel eingemietet hat.

In wenigen Jahren wird aus dem schwererziehbaren Jugendlichen eine Schlüsselfigur der Pariser Bohème. Es geht Schlag auf Schlag: Seine ersten Gedichte veröffentlicht Cocteau mit 17, seinen ersten Lyrikband, "La Lampe d'Aladin", zwei Jahre später. 1917 wird zudem sein Ballett "Parade" in Paris aufgeführt. Das Bühnenbild und die Kostüme stammen von Pablo Picasso, die Musik von Erik Satie, das Libretto schreibt Cocteau. Ein gemeinsames Projekt mit Igor Strawinsky an dessen Opernoratorium "Oedipus-Rex" folgt.


Jean Cocteaus "Die Schöne und das Biest"
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Jean Cocteaus "Die Schöne und das Biest"

Filmdebüt als 41-Jähriger

Cocteau beeinflusst die Komponistengruppe "Les six", ist befreundet mit Guillaume Apollinaire, mit Marcel Proust und André Gide steht er in Verbindung. Die Kostüme für Cocteaus Antigone-Adaption von 1922 stammen von Coco Chanel. Der Mann, der mit seinem Stück "Orpheus" eine wichtige Rolle für die Erneuerung des Theater spielt, macht immer noch keine Anstalten, sich dem Film zuzuwenden.

Der frühe Tod Raymond Radiguets erschüttert Cocteau tief. Er hat sich dem jungen Schriftsteller angenommen und verfällt nach dem schweren Verlust der Opiumsucht, die ihn 1929 zwingt, sich ins Krankenhaus einliefern zu lassen. Erst jetzt, als 41-jähriger, macht sich Coucteau an seinen ersten Film: "Das Blut eines Dichters". Das knapp einstündige Drama schuf eine eigene Mythologie. Im gleichen Jahr wie Luis Buñuels "Das goldene Zeitalter" entstanden, ist das Werk ein weiterer surrealistischer Film mit der charakteristischen Darstellung von Rausch und Traumzuständen und der anarchischen Infragestellung des Rationalen. Der Film beschreibt die Visionen und Ängste eines Schriftstellers, dessen Tod das Publikum schließlich beklatscht. Klassische Motive des Symbolismus, wie der Spiegel als Tor zu einer anderen Welt, finden hier Anwendung. Cocteau gibt sich mit dieser Exkursion in die Welt des Films vorläufig zufrieden.


Das Biest beugt sich über die Schöne
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Das Biest beugt sich über die Schöne

Die Schöne und die Bestie

Nach dem Krieg nimmt er seine Filmarbeit wieder auf. Mit "Es war einmal - Die Schöne und die Bestie" (1946) und "Orphée" (1950) erscheinen seine größten filmischen Werke. Nachdem schon das Theaterstück "La machine infernale" auf dem antiken Legendenstoff um König Ödipus basiert, greift "Orphée" ein weiteres mythisches Drama auf, um es radikal zu modernisieren. Todesboten in Lederkluft fahren auf Motorrädern, während der Engel des Todes sich in den schönen Orpheus verliebt. Der wird von Jean Marais gespielt, der Cocteau Muse und Lebensgefährte zugleich war. So ist er auch der Hauptdarsteller in allen späteren Werken Cocteaus.


Die Schöne und das Biest
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Die Schöne und das Biest

Rückzug aus Öffentlichkeit

Der Regisseur zieht sich wegen seinem schlechten gesundheitlichen Zustand ab 1953 zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück, bleibt aber weiter kreativ. Er lässt sich das Gesicht liften und fällt durch das Tragen von Lederhosen und Umhängen, wie man sie von Stierkämpfern kennt, auf. Der entrückte Künstler wird 1955 in die Akademie der Künste Frankreichs gewählt. Sein letzter Film, "Das Testament des Orpheus" hat den Untertitel: "Ne me demandez pas pourquoi!" - Sie dürfen mich nicht nach dem Grund fragen.

Das unzugängliche Vermächtnis weist Cameo-Auftritte von so unterschjiedlichen Berühmtheiten wie Pablo Picasso, Yul Brynner und Jean-Pierre Léaud auf. Cocteau malt und schreibt bis zu seinem Tod. Seine letzte Arbeit ist ein Radiobericht über Edith Piaf. Als Cocteau von ihrem Tod erfährt, soll er gesagt haben: "Ah, die Piaf ist tot, jetzt kann ich sterben." Er stirbt tatsächlich noch am gleichen Tag, dem 11. Oktober 1963 an einem Herzinfarkt. Er hat einmal gesagt: "Der Film wird erst dann zu einer Kunst werden, wenn seine Materialien so billig geworden sind, wie Bleistift und Papier." Heute ist es dank Digitalkamera und PC fast soweit. Der Film hat sich als Kunstform längst etabliert. Und das verdankt er auch einem seiner Pioniere, Jean Cocteau.
Von  André Weikard/Filmreporter.de,  9. Mai 2019

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Universalgenie Jean Cocteau versteht sich in erster Linie als Schriftsteller. Als er seinen ersten Langfilm dreht, ist er bereits 41 Jahre alt. Nichts desto trotz ist Jean Cocteaus Beitrag zum surrealistischen Film bedeutend. Gemeinsam mit weiter


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