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RETRO Feature

Grace Kelly

Filmrevue

Fürstin und Hollywood-Ikone

Grace Kellys zerrissenes Dasein

Grace Kelly verbindet Schönheit, Grazie und Stil in einer Person. Der Hollywood-Ikone der 1950er Jahre werden aber auch die Attribute Kälte, Distanziertheit und Gleichgültigkeit zugesprochen. Wie war Grace Patricia Kelly wirklich? Warum löste sie bei Sir Alfred Hitchcock Wutausbrüche aus und verdrehte dem monegassischen Fürsten Rainier III. den Kopf? Eines ist klar. Ihr unerwarteter Tod im Jahr 1982 erschüttert nicht nur das kleine Fürstentum Monaco. Auch Hollywood trauert um eine seiner großen Darstellerinnen und beschäftigt sich bis heute mit dem ungeklärten Autounfall auf der Route de La Turbie.

Grace Kelly und Clark Gable.

Filmrevue

Aus vermögendem Haus

Noch bevor Grace Kelly am 12. November 1929 in Pennsylvania geboren wird, hat es ihr Vater, der erfolgreiche Bauunternehmer John Brendon Kelly, zu einem beachtlichen Vermögen gebracht. Bei seinen vier Kindern zeigt er ebenfalls großen Ehrgeiz und macht aus seinem Sohn John Brendon Jr. und seinen Töchtern Peggy und Lizanne Vorzeigesportler. Nur die leicht schwächelnde Grace interessiert sich nicht fürs Schwimmen, statt dessen spricht sie dem Theater und der Kunst zu.

Dank Mutter Margaret darf Grace Ballettunterricht nehmen und wird Teil einer Laien-Schauspielgruppe. Obwohl die Kunst und das Schauspiel im Blut der Familie liegt - ein Onkel ist erfolgreicher Bühnendarsteller, ein anderer gar Pulitzer-Preisträger - stellt sich ihr Vater gegen den Beruf seiner Tochter. Doch diese setzt sich durch und besucht die American Academy of Dramatic Arts in New York.


Grace Kelly und Cary Grant genießen den Strand in Nizza.

Filmrevue

Fotomodell, Fernsehdarstellerin, Alfred Hitchcock

Um nicht in die väterliche finanzielle Abhängigkeit zu geraten, jobbt die hübsche Grace Kelly neben ihrem zweijährigen Studium als Fotomodell. Sie ist auf Werbeplakaten zu sehen und übernimmt kleinere Rollen in Fernsehproduktionen. Zwei Jahre nach ihrem Studienabschluss beginnt ihr kometenhafter Aufstieg mit einem Auftritt in Henry Hathaways "Vierzehn Stunden". Bei MGM unter Vertrag, wird sie von ihrem Studio für Sagenumwobene 60.000 US-Dollar pro Film an andere Majors verliehen.

1952 folgt der Edel-Western "12 Uhr Mittags". An der Seite von Gary Cooper steigt Kelly über Nacht zu einer der begehrtesten Hollywood-Darstellerinnen auf. Fortan liegen ihr die Fans zu Füßen. Auch anerkannte Regisseure haben es ihr angetan. Natürlich bleibt auch dem Thriller-Experten Sir Alfred Hitchcock das Talent der damals gerade 23-Jährigen nicht verborgen. Ihre Leidenschaft, die Sehnsucht in ihren Augen und das gleichzeitig kühle Äußere haben es dem Meisterregisseur angetan. Gemeinsam dreht das Duo drei Filme, die sich im Laufe der Jahre zu Klassikern entwickeln werden. Doch weder für "Bei Anruf Mord" (1954), noch für "Das Fenster zum Hof" (1954) oder "Über den Dächern von Nizza" (1955) wird Grace mit einer Oscarnominierung belohnt.


Grace Kelly und Fürst Rainier

Revue

Von der Côte d'Azur angetan

Doch der kleine, beschauliche Fürstenstaat an der Côte d'Azur hat es der mittlerweile zur Hollywoodikone emporgestiegenen Kelly auch außerhalb der Dreharbeiten angetan. Im selben Jahr besucht sie die Filmfestspiele von Cannes und lernt aufgrund eines Arrangements von Paris Match Fürst Rainier III. von Monaco kennen. Der Fürst ist von der Schauspielerin sofort fasziniert und schreibt ihr regelmäßig Briefe. Grace Kellys Familie ist begeistert. Schon seit jeher versucht ihr Vater sie mit einem wohlhabenden und gesellschaftlich anerkannten Mann zu verkuppeln.

Sein Traum scheint in Erfüllung zu geben. Höchstpersönlich hält der Fürst bei ihm um die Hand der Aktrice an. John Brendon Kelly überlässt seiner Tochter eine Mitgift von zwei Millionen US-Dollar. Es kümmert ihn nicht, dass Grace zu dieser Zeit mit Oleg Cassini verlobt ist. Und es scheint auch ihr egal zu sein, denn nur einen Tag vor der offiziellen Verlobung mit dem Fürsten des Zwergstaates Monaco, löst Kelly die Verlobung mit dem Modeschöpfer.


Grace Kelly präsentiert ihren neuen Palast

Münchner Illustrierte

Ja zu Louis Henri Maxence Bertrand Rainier Grimaldi

Der 19. April 1956 verändert das Leben der Schauspielerin für immer. In der St. Nicholas Kathedrale gibt sie Louis Henri Maxence Bertrand Rainier Grimaldi das Jawort. Von nun an ist sie nicht mehr Leinwandgöttin Grace Kelly, sondern Fürstin Gracia Patricia. Ihre Hollywoodkarriere hängt sie zugunsten von Mann und Fürstentum an den Nagel. Wie gerne die gefeierte Künstlerin ihren Beruf weiter ausgeübt hätte, lässt ein privates Gespräch mit ihrem ehemaligen Mentor Alfred Hitchcock erahnen. Er versucht sie zu überreden, die Hauptrolle in "Marnie" zu spielen. Doch die Gefahr einer Blamage mit schlechten Kritiken ist zu groß. Eine schauspielende Fürstin, die von der internationalen Presse zerrissen wird, kann sich das Fürstentum nicht leisten.

Hitchcock zieht unverrichteter Dinge wieder ab. Und Gracia Patricia widmet sich weiter ihren alltäglichen Dingen. Sie fertigt Blumencollagen und Muster für Bettwäsche an, betätigt sich in zahlreichen Wohltätigkeitsorganisationen, gründet einen Gartenclub und spielt die perfekte Mutter - jedenfalls nach außen. Immer öfter sieht man die Fürstin jedoch einsam im Garten spazieren, das Lächeln verschwindet zunehmend aus ihrem Gesicht, sie leidet unter Depressionen und ihr Alkoholkonsum nimmt stetig zu.


Gracia Patricia und Fürst Rainier

Münchner Illustriertre

Ein Fürstentum in Trauer

Nur 22 Jahre nach der Jahrhunderthochzeit erstarrt das Fürstentum. Bei der Heimfahrt aus ihrer Sommerresidenz am 13. September 1982 schießt das Auto mit Gracia Patricia und ihrer 17-jährigen Tochter Stéphanie auf einer steilen Straße aus der Kurve. Einen Tag später erliegt die Fürstin ihren schweren Verletzungen. Ihre Tochter überlebt. Gerüchte machen den Umlauf, nicht die Mutter, sondern Stéphanie sei am Steuer gesessen. Diese und ähnliche Spekulationen sind bis heute nicht aufgeklärt. Die Schauspielerin und Fürstin hinterlässt ihren geschockten Mann und die Kinder Albert, Caroline sowie die traumatisierte Stéphanie.

Ist Gracia Patricia schon vor ihrem Tod weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt, so wird sie danach zur Legende. Für viele Frauen ist sie Modeikone und Vorbild in Anmut und Leidenschaft. Sie macht nicht nur die Handtasche von Hermès weltweit bekannt, auch ihr Verdienst um das monegassische Fürstentum ist immens. Die Einnahmen aus dem Tourismus-Sektor verdoppelten sich nach ihrer Eheschließung mit Rainier III. Sie ist es, die den bis heute anhaltenden Glanz und Glamour in den Fürstenstaat brachte. Sie überlässt es großmütig ihren Fans, sie als edle Fürstin und Mutter oder als Diva in Erinnerung zu behalten. Grace Kelly wird 1955 mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin für "Ein Mädchen vom Lande" ausgezeichnet. 1955 steht sie für Charles Walterss "Die oberen Zehntausend" zum letzten Mal vor der Kamera.

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