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RETRO Feature

Marlon Brando mit Gesangskollege Frank Sinatra.
Frank Sinatra: Die Bühne war sein Leben

Skandale, Mafia und die Liebe

Es gibt nicht viele, die in einem Atemzug mit Elvis Presley und den Beatles genannt werden, wenn es um den kommerziellen Erfolg und die Massenhysterie geht, welche diese Künstler auslösten. Er gehört dazu: "The Voice", "Ol' Blue Eyes" oder einfach nur "Frankie". Auch zehn Jahre nach seinem Tod umranken Gerüchte seine Person, wie Efeu eine ungeschützte Hauswand. Mafiazugehörigkeit, uneheliche Kinder und außereheliche Affären, in "My Way" formuliert er es treffend: "I've lived a life thats full, I've traveled each and evry highway": Frank Sinatra.

Frank Sinatra in "Der Lohn der Mutigen"

Frank Sinatra in "Der Lohn der Mutigen"

Mafiaverbindungen: wahr oder falsch?
Für Lucky Luciano soll Frank Sinatra angeblich Schwarzgeld in Höhe von 3,5 Millionen Dollar über die US-Grenzen geschmuggelt haben. Dabei sei er einige Male nur knapp dem Zoll entwischt. Bei den US-Präsidentschaftswahlen 1960 habe er seine Kontakte zum Chicagoer Mafiaboss Sam Giancana spielen lassen, um seinen Favoriten, John F. Kennedy, zu einem frühen Wahlsieg zu verhelfen. Nicht zuletzt soll Gangster Willie Moretti Tommy Dorsey höflich dazu aufgefordert haben, Sinatra nach nur zwei Jahren aus seinem Orchester zu entlassen.

Als ein Gruppenfoto mit dem Sänger und zahlreichen hochrangigen Mafiosi auftauchte, schaltete sich schließlich die Polizei ein. Doch Verwicklungen in krumme Geschäfte konnten Sinatra nie nachgewiesen werden. Das einzige, was ihm zustieß: Er verlor für zwei Jahre seine Lizenz, eigene Spielcasinos zu betreiben. Grund dafür waren unter anderem Investitionen, in denen auch die Mafia verwickelt war.

Frank Sinatra als Schauspieler

Frank Sinatra als Schauspieler

In den Fußstapfen des Vaters
Solche Gerüchte schadeten Frank Sinatra nicht. Im Gegenteil. Für viele seiner Fans wurde er nur noch interessanter. Er genoss sein Leben in vollen Zügen. Tage- und nächtelange Saufgelage mit seinen Kollegen Sammy Davis Jr., Joey Bishop und Dean Martin brachten ihm in den 1960er und 1970er Jahren schließlich den Ruf eines Alkoholabhängigen ein. Zu dieser Zeit blickte Sinatra auf zahlreiche Hochs und Tiefs in seinem Leben zurück, er stand erneut auf einem Höhepunkt seiner Karriere.

Zahlreiche außereheliche Affären ließ er ebenso hinter sich, wie zwei Ehen. Jene mit seiner Jugendliebe Nancy Barbato scheiterte aufgrund seiner anderweitigen Vergnügungen. Von Ava Gardner ließ er sich bereits zwei Jahre nach der Eheschließung im Jahr 1953 wieder scheiden. Bevor er sein endgültiges Glück mit Barbara Jane Marx 1976 fand, trat er 1966 mit der damals blutjungen Schauspielerin Mia Farrow vor den Traualter. Sinatras drei Kinder aus der Ehe mit Nancy folgten des Vaters Fußspuren. Tochter Nancy steht genau wie Frank Jr. als Sängerin auf der Bühne. Christina Sinatra hingegen arbeitet als Regisseurin und Produzentin. Kinder die ihm ebenfalls zugesprochen werden, wie Eva Bartoks Tochter Deana, erkannte Frank Sinatra nie an.

Frank Sinatra in "Spiel zu dritt"

Frank Sinatra in "Spiel zu dritt"

Auslöser der ersten Massenhysterie
Es scheint, als hätten Frank Sinatras Berg- und Talfahrten seine Lebensgier und seine Karriere noch gestärkt. Wie sonst ist es erklärbar, dass Größen des Showbusiness der 1940er, 50er sowie der 60er und 70er Jahre und bis heute jenen Mann als Vorbild sehen, der nie eine professionelle Gesangsausbildung absolvierte? Der bis zu seinem Tod keine Noten lesen konnte? Zwar erhielt er immer wieder Tipps von Gesangs- und Bühnenkollegen wie Luciano Pavarotti und seinem großen Idol Bing Crosby, doch eine Musikschule besuchte Sinatra nie.

Eigentlich wollte er Reporter werden, und machte eine journalistische Ausbildung. Er lernte Stenographie und Maschinenschreiben. Damals war er 18 Jahre jung. Während der heißen Sommer genoss er es, am Strand von New Jersey seine Ukulele zu spielen. Als Sinatra 1939 entdeckt und erstmals für eine Big Band engagiert wurde, war dies der Beginn einer beispiellosen Solo-Karriere. Sein 30. Lebensjahr noch nicht vollendet, hatte Sinatra bereits mehrere Nummer-1-Hits, Radio- und Konzertauftritte und einen Plattenvertrag. Neben Bing Crosby galt er fortan als der Solokünstler schlechthin und war für die ersten Massenhysterien der Musikgeschichte verantwortlich.

Frank Sinatra in "Die erste Todsünde"

Frank Sinatra in "Die erste Todsünde"

Die Stunde des Rat Packs
Der berufliche Fall ließ nicht lange auf sich warten. 1950 drohte Sinatra ein frühes Ende seiner beispiellosen Karriere. Blutungen bedrohten seine Stimmbänder. Seine privaten Eskapaden trugen dazu bei, dass sein öffentliches Ansehen stark litt. Auch die Frank Sinatra Show von 1950 bis 1952 war ein kommerzieller Misserfolg. Aber schon zwei Jahre später befand er sich wieder auf dem aufsteigenden Ast. Dies verdankte er nicht zuletzt seinen Erfolgen als Schauspieler. Ob Sinatra die entscheidende Rolle in "Verdammt in alle Ewigkeit" nur mit Unterstützung der Mafia erhielt, sei dahingestellt. Für seine schauspielerische Leistung wurde er mit dem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Ein neuer Plattenvertrag, neue Filme und nicht zuletzt Las Vegas ließen ihn zum größten Entertainer und Showstar jener Zeit werden.

Dazu trugen die gemeinsamen Auftritte mit Joey Bishop, Sammy Davis Jr., Dean Martin, Peter Lawford und Shirley MacLaine im Sands Hotel in der US-Glücksspielmetropole von 1959 bis 1966 maßgeblich bei. Ursprünglich waren Einzelauftritte der Künstler geplant, doch schnell entwickelten diese eine Eigendynamik und die Gruppe wurde unter dem Namen "Rat Pack" über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Frank Sinatra in "4 für Texas"

Frank Sinatra in "4 für Texas"

Lobeshymnen auf Franks blaue Augen
Dass es Lebemann Frank Sinatra nicht lange ohne Bühne aushielt, war klar. Nur zwei Jahre nach seiner Rücktrittserklärung 1971 stand er wieder auf der Bühne und dort blieb er bis zu seinem ersten Herzinfarkt 1997. In den 1980er Jahren tourte er erfolgreich über alle Kontinente. Wo er auch auftrat, lösten seine Auftritte Massenohnmachtsanfälle aus, Sinatra verkaufte Millionen von Platten. Sein Stil beeinflusste Generationen von Musikern, von den großen Meistern wie Bing Crosby und Miles Davis bis hin zu Gloria Estefan und Dionne Warwick.

Gleichermaßen wurde und wird er von vielen Jazzliebhabern verteufelt. Sein Einfluss auf die Musik ist aber unbestritten. Sinatra ließ als erster Populärmusiker Jazzelemente in seinen Gesang einfließen. Er variierte den Rhythmus, die Tiefe und die Phrasierung seiner Lieder. Der afro-amerikanische Jazz-Pianist Count Basie formulierte einst treffend: "Es klingt so, wie man spontan meint, dass es schon immer hätte klingen sollen". Warwick ist sogar überzeugt, wenn einem Sinatra das Telefonbuch vorsingen würde, würde man vor Entzückung ebenso in Ohnmacht fallen. Vorsichtigen Schätzungen zufolge verkaufte Frank Sinatra zeit seines Lebens rund 800 Millionen Platten und CDs. Er wurde drei Mal mit dem Oscar und ebensooft mit dem Golden Globe ausgezeichnet. 24 Grammy Awards, sechs davon posthum, unzählige Nominierungen und weitere Auszeichnungen schmücken sein Lebenswerk.

Frank Sinatra, der am 12. Dezember 1915 in Hoboken, New Jersey, als Sohn italienischer Einwanderer geboren wurde, verstarb am 14. Mai 1998 nach seinem zweiten Herzinfarkt im Alter von 83 Jahren in Los Angeles. Las Vegas verdunkelte sich für drei Minuten und das Empire State Building in New York City wurde drei Tage lang in blaues Licht gehüllt. Zu Ehren von Sinatra, seiner Persönlichkeit, seiner Leistung als Musiker und in Erinnerung an seine stechend-blauen Augen.
Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de - 28. Juli 2019

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