FILMREPORTER.DE
Best Entertainment
Filmreporter-RSS

RETRO Feature

Eva Bartoks hübsches Gesicht in einem riesigen Kognak-Glas.

Quick

Eva Bartok greift nach den Sternen
Flucht vor der Vergangenheit
Eva Bartoks Stern verliert seinen Glanz genau so schnell wie er aufgegangen war. In den 16 Jahren ihrer kurzen Karriere dreht sie nahezu 40 Filmen. Die zierliche Brünette mit dem sympathischen Akzent steht zusammen mit Stars wie Burt Lancaster, Ivan Desny, Karlheinz Böhm oder Curd Jürgens vor der Kamera. Talent und Schönheit sind der Schlüssel zu ihrem Erfolg.
Eva Bartok auf dem Trapez für "Rummelplatz der Liebe "

Quick

Die Kriegsjahre waren hart

Früh entdeckt die gebürtige Ungarin den fördernden Effekt der Medien. Offenherzig und für die Zeit äußerst provokant erzählt sie von ihrer schwierigen Kindheit in Ungarn und ebenso offen von abenteuerlichen Liebesaffären. Wollte sie um jeden Preis in der Öffentlichkeit stehen oder quälte sie nur das Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung?

"Aber wenn ich läse in Zeitung 'Eva Bartok hat Blitzkarriere gemacht', so könnt' ich hinein beißen in Vorhang, weil ist so falsch". Grammatikalisch nicht ganz korrekt, aber umso bestimmter klärt 1956 Eva Bartok das Missverständnis um den Beginn ihre Karriere auf. Harte Arbeit und viele Rückschläge muss die gebürtige Ungarin hinnehmen, bevor sie ihren internationalen Erfolg genießen darf. Gerne vergessen die Journalisten die zwei Jahre, die sie ohne Rollenangebote überstehen musste. Eine harte Zeit für die angehende Schauspielerin, die sie sogar an ihrer Berufung zweifeln lässt. Doch so leicht will sie nicht aufgeben.

Die Kriegsjahre in Ungarn haben sie einiges gelehrt. Ihr Vater war Jude und verschwand spurlos im Tumult des Krieges. Die Restfamilie war auf sich allein gestellt. Um dem Konzentrationslager zu entgehen, heiratet Eva einen Nazi-Offizier. Als eine "endlose Reihe von Vergewaltigungen, schlimmer als der Tod" beschreibt sie die Erfahrungen ihrer ersten Ehe. Nach dem Krieg wird die Ehe aufgrund ihrer Minderjährigkeit annulliert. Doch die Erinnerungen lassen sich nie vertreiben.


Eva Bartok und Bernhard Wicki

Quick

Welt des Glamours

Eva versucht sich als Schauspielerin. In der Welt des Glamours sucht sie Ablenkung und Vergessen. Doch das kommunistische Regime ihrer Heimat macht eine Karriere unmöglich. Bartoks erster Film "Mezei próféta" aus dem Jahr 1947 wird in Ungarn verboten. Nach dem Rückschlag wartet das Schicksal mit einem glücklichen Zufall auf. Sie lernt ihren Landsmann Alexander Paal kennen, erfolgreicher Filmproduzent, der sie nach England bringt. Nach dem gemeinsamen Drama "Fünf Mädchen und ein Mann" wird die Ehe geschieden. Der Film bringt ihr auch nicht den erhofften Durchbruch, denn aus finanziellen Gründen kommt er nicht in die Kinos.

Ein anderer ungarischer Exilant tritt Eva Bartoks Leben. Alexander Korda nimmt sie unter seine Fittiche. Der Präsident von MGM-England besorgt ihr einen Sprachlehrer und ein regelmäßiges Einkommen. Rollenangebote bleiben jedoch weiter aus. Ihr dritter Ehemann hilft in der verzweifelten Situation weiter. Später wird die Boulevardpresse die Zweckmäßigkeit ihrer Heirat hervorheben, doch von ihrem nächsten Gatten - PR-Fachmann William Wordsworth - lernt sie den Umgang mit den Medien. Er rät ihr, kein gesellschaftliches Ereignis auszulassen. Mit ihrem durchaus ansprechenden Aussehen würde Eva früher oder später Aufmerksamkeit erregen.


Eva Bartok

Filmrevue

Roben und Hüte selbst genäht

Da sie sich keine Designermodelle leisten kann, näht sie ihre Outfits selber. Roben und Hüte werden zu ihrem Markenzeichen. Das billige Material kaschiert sie mit viel Phantasie. Diese erste Lektion in Medien-Maschinerie fruchtet. Fotografen und Journalisten machen aus der kleinen Brünette eine Prominente, wenn auch noch lokal begrenzt. Ein italienischer Produzent bietet ihr Engagements in einer Vaudeville-Show. In Rom, Mailand und Florenz bejubelt sie das Publikum. Auf der Insel bleibt sie aber weiterhin eine Unbekannte in der Filmbranche. Die Veröffentlichung ihres ersten Films mit Alexander Paal bringt endlich den lang ersehnten Wendepunkt in ihrer Karriere.


Eva Bartok und Robert Freytag am Set von "Rummelplatz der Liebe"

Quick

Förderer Burt Lancaster

Kein geringerer als Burt Lancaster wird auf Eva aufmerksam. Der erfolgreiche Hollywood-Schauspieler und Produzent engagiert sie für die Rolle der leidenschaftlichen Consuelo in "Der rote Korsar". Der Abenteuerfilm katapultiert sie in die erste Reihe. In den folgenden Jahren macht sie eher mit ihrer missratenen Rollenwahl von sich reden. Nach einem Science-Fiction-Film unter der Regie von Terence Fisher nimmt sie Arthur Maria Rabenalts Angebot an und reist 1953 nach Deutschland. Hier trifft sie auch ihren vierten Ehemann. Publikumsliebling und Filmstar Curd Jürgens. Während den Dreharbeiten zu "Rummelplatz der Liebe" lernen sich die beiden kennen - die Hochzeit folgt kurz nach der auf die Scheidung von William Wordsworth. Das Liebesglück dauert lediglich ein Jahr. Aus der Ehe entsteht Tochter Deana. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1998 behauptet Eva Bartok jedoch, dass Deana Frank Sinatras Kind sei.


Eva Bartok zeigt sich den Fotografen

Quick

Zenith erreicht

Beruflich hat Eva Bartok ihren Zenith überschritten. Nur mit ihren Liebesgeschichten bleibt sie dem breiten Publikum präsent. Auch ihre Affäre mit dem englischen Adeligen Marquis Milford Haven weiß die Schauspielerin geschickt zu vermarkten. Jahrelang hält sie die Gerüchte um eine mögliche Ehe mit ihm am Leben. Mal gerät sie in die Schlagzeilen mit der vermeintlichen Affäre mit dem Prinzen von Palitana Shiv. Die Presse saugt gierig jede Bewegung des ungarischen Vamps auf. Doch es werden auch kritische Stimmen laut. Alles was Bartok wolle, sei Popularität. Sie können recht haben. Doch die tragische Kindheit lässt vermuten, dass sie sich ihren Bedürfnissen selbst nicht so genau bewusst ist.

In den 1950er Jahren entdeckt sie die spirituelle Philosophie der Subud. Mit der Kraft ihrer neuen Überzeugungen habe sie den Krebs besiegt, berichtet sie offenherzig der Presse. Nachdem sie 1956 ein Angebot aus Hollywood aus gesundheitlichen Gründen ablehnt, wird es langsam still um sie. Die deutsch-ungarische Produktion "Sabina V'Hagvarim" aus dem Jahr 1966 wird ihr letzter Film. Sie zieht sich zurück - aus dem Beruf und überraschender Weise auch aus der Presse. In der neuen Philosophie hat sie vielleicht eine größere Kraft gefunden, ihr Schicksal zu verstehen und anzunehmen. 1998 stirbt sie an den Folgen eines Herzinfarkts in ihrer Londoner Wohnung.

Zum Thema
Eva Bartok
Die ungarische Schauspielerin Eva Bartok war fünf Mal verheiratet. Auch Curd Jürgens zählte zu ihren Gatten. Um den Erzeuger ihrer Tochter... weiter


Weitere Retrofeatures
Vorbild der Nation Im Jahr 1939 ist Gary Cooper die erste Wahl für eine... weiter
Heinz Rühmann Das man nicht besonders groß sein muss, um im Film die... weiter
Zarah Leander: Diva aus dem Norden Kaum eine Dokumentation über das Ende des Zweiten... weiter
© 2019 Filmreporter.de