Universum Film
Fritz Lang Sonderedition
Mit Schmäh und Augenklappe
Retro Feature: Fritz Lang in den Fängen des Bösen
"Die Menschheit muss in einen Abgrund von Terror gestürzt werden", erklärt Dr. Mabuse. Der akademisch graduierte Schurke gilt als Prototyp des kriminellen Wahnsinnigen. Seine Mission die Welt einem terroristischem Regime Untertan zu machen rückt die literarische Figur, Jahre nach ihrer Entstehung, in die assoziative Nähe von Adolf Hitler. Der Filmvater des rücksichtslosen Charakters, Fritz Lang, bestreitet zeitlebens personifizierte Querverweise. Das Verbot des Films "Das Testament des Dr. Mabuse" durch Reichspropagandaminister Joseph Goebbels trägt jedoch unweigerlich zur Legendenbildung bei - Langs Karriere schadet das keineswegs.
erschienen am 8. April 2020
Universum Film
Metropolis
Leben und Weltkrieg
Friedrich Christian Anton Lang kommt 1890 als Sohn eines Architekten in Wien zur Welt. Nach dem Gymnasium beginnt er ein Bauingenieursstudium an der Technischen Hochschule. Ab 1908 besucht er die Wiener Akademie der bildenden Künste und widmet sich der Malerei. Er rundet seine Ausbildung mit einem Besuch im Atelier des Malers Maurice Denis in Paris ab. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrt Lang nach Wien zurück. Der Kriegsfreiwillige wird 1916 schwer verwundet. Während seiner Genesung in Wien beginnt er als Drehbuchautor für den österreichischen Filmregisseur Joe May zu arbeiten. 1917 kehrt er wieder in den Krieg zurück, wird jedoch ein Jahr später nach einer weiteren Verwundung für kriegsuntauglich erklärt.
Filmwelt
Massenszene aus "Metropolis"
Private Schicksalsschläge
Nach dem Krieg zieht Lang nach Berlin, wo er kurz darauf Lisa Rosenthal heiratet. Am 25. September des Jahres 1920 nimmt sich seine Ehefrau durch einen Schuss aus seinem Browning-Revolver das Leben. Gerüchten zufolge entscheidet sich Lisa zu diesem Akt der Selbsttötung, nachdem sie Zeugin der Affäre ihres Mannes mit der Drehbuchautorin Thea von Harbou geworden sei, welche Lang im Umfeld von Joe May kennengelernt hat. Offiziell wird ein Unglücksfall als Todesursache vermerkt. Im August 1922 heiratet Lang schließlich Thea von Harbou, während ihn im gleichen Jahr sein Augenleiden dazu zwingt eine Augenklappe zu tragen. Vielleicht auch wegen privater Schicksalsschläge, sind Leitmotive wie Schuld, Verstrickung, Tod oder Selbstmord immer wieder Motive im Werk von Fritz Lang.
Universum Film
Fritz Lang
Meilensteine des Films
Langs Erstlinge "Halbblut" und "Der Herr der Liebe" gelten heute als verschollen. Mit dem Zweiteiler "Dr. Mabuse, der Spieler - Ein Bild der Zeit" gelingt ihm Anfang der 1920er Jahre der Durchbruch. Die 1927 uraufgeführte Zukunftsvision "Metropolis" begründet schließlich das Science-Fiction Genre in Deutschland und ist ein Meilenstein der Filmgeschichte. Inspiriert von einem Besuch in New York erzählt Lang die Geschichte eines unheimlichen Molochs. Die ausufernden Produktionskosten können nicht mit den Einspielergebnissen an den Kinokassen gedeckt werden - der heutige Kultklassiker floppt auf ganzer Linie. In seinem ersten Tonfilm "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" schildert er die Hetzjagd auf den triebhaften Kindermörder Hans Beckert, der eindrucksvoll von dem deutschen Schauspieler Peter Lorre verkörpert wird. Die expressiv düstere Atmosphäre seiner Inszenierungen ist ein Stilmerkmal der Langschen Filmkunst. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht in Deutschland an sich reißen, bleibt Lang zunächst unbeeindruckt. Joseph Goebbels versucht den Filmregisseur zu umgarnen, indem er sich als Bewunderer von dessen Kunst zu erkennen gibt. In einem persönlichen Gespräch bietet er ihm gar die Leitung der Deutschen Filmindustrie an. Nach eigenen Angaben betet sich der Umschwärmte Bedenkzeit aus und flieht mit einem Nachtzug, ohne jegliche finanzielle Mittel, nach Paris.
Universum Film
M - Eine Stadt sucht einen Mörder
Hollywood
Nach der Scheidung von Thea von Harbou siedelt Lang 1934 in die USA über. Bereits ein Jahr später nimmt er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. Insgesamt produziert er 22 Filme in Hollywood, was mehr als die Hälfte seines gesamten Oeuvres ausmacht. Allerdings schafft er es nicht, an seine großen deutsche Erfolge anzuknüpfen. Er versucht seine europäische Prägung als Filmmacher mit US-Themen zu verbinden. Einer seiner bekanntesten Hollywoodfilme ist "Fury - Blinde Wut" mit Spencer Tracy. In der Geschichte des braven Amerikaners, den man wegen seiner Ähnlichkeit mit einem Kidnapper lynchen will finden sich deutliche Anleihen zu "M - Eine Stadt sucht einen Mörder". Aufgrund seiner politischen Einstellung, sowie seiner Bekanntschaft mit den deutschen Exilliteraten Bertolt Brecht und Hanns Eisler gerät Fritz Lang in den Fokus des berüchtigten Kommunistenjägers Joseph McCarthy - eine Ehre, er ist hiermit in guter Gesellschaft!
Das indische Grabmal
Rückkehr nach Europa
Im Jahr 1956 kehrt Lang nach Europa zurück. Für Produzent Artur Brauner dreht er seine beiden Indien-Filme, deren Drehbücher er schon zu Beginn seiner Karriere geschrieben hat. Mit "Der Tiger von Eschnapur" und "Das indische Grabmal", beide von 1959, kann er jedoch Publikum und Filmkritik nicht für sich gewinnen. Sein letzter Film ist "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse". Nach einem Streit mit Brauner verlässt der desillusionierte Lang Deutschland wieder gen USA. Gepeinigt durch seine fortschreitende Erblindung muss er seine Arbeit einstellen. Letztmals in cineastische Erscheinung tritt er 1964 in Jean-Luc Godards "Die Verachtung", wo er einen Gastauftritt absolviert. Seine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Tod gilt vielen nachfolgenden Filmemachern als unerreichbares Ideal. Am 2. August 1976 verstirbt Fritz Lang im kalifornischen Beverly Hills.
erschienen am 8. April 2020
Zum Thema
Der 1890 in Wien geborene Regisseur blickt gleich auf zwei erfolgreiche Karrieren zurück, eine in der Zeit der Weimarer Republik, die zweite in Hollywood. Als Lang 1933 von Goebbels die Leitung der Deutschen Filmproduktion angeboten bekommt, entscheidet er sich für das Exil und wandert über Frankreich nach Hollywood aus. In den 1920er Jahren ist Lang zunächst politisch uninteressiert. Dennoch ist Langs Werk von Anfang an zeitbezogen. Wie kaum ein anderer Filmemacher schafft er es, die Qualität..
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