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Gustaf Gründgens
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Gustaf Gründgens - Teufels Karriere

Der umstrittene Theaterheld
Er wurde für seine künstlerische Arbeit hoch gelobt. Zugleich wurde er für seine wenig verborgene Homosexualität und seine ambivalente Rolle in der Nazizeit angegriffen. Gustaf Gründgens war eine der schillerndsten Figuren der Theater- und Filmlandschaft der Weimarer Republik und der Nachkriegszeit. Der teuflische "Mephisto" in seiner Inszenierung von Goethes "Faust" machten ihn dennoch unsterblich.
Von  Ulrich Blanché/Filmreporter.de,  25. April 2020
Gustaf Gründgens als Fürst Metternich
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Gustaf Gründgens als Fürst Metternich

Gustaf, aber mit f...

Gustaf Gründgens war einer der wichtigsten wie umstrittensten Regisseure der Nazizeit und unmittelbaren Nachkriegszeit. Als Gustav (mit v geschrieben) Heinrich Arnold Gründgens am 22. Dezember 1899 in Düsseldorf geboren, nannte er sich ab 1925 Gustaf mit f. Zu diesem Zeitpunkt hatte Gründgens bereits erste Erfolge als Schauspieler und Regisseur vorzuweisen. Sein Durchbruch brachte ihm 1924 seine Inszenierung von "Anja und Esther" von Klaus Mann. Der Sohn von Thomas Mann spielte auch neben seiner Schwester Erika Mann und Gründgens selbst die Hauptrollen. Zwei Jahre später sollte Gustaf Erika heiraten. Jedoch wurde die Ehe bereits nach drei Jahren 1929 geschieden, was wohl auch mit Gründgens' Homosexualität zusammenhing.


Mephisto
Concorde Filmverleih
Mephisto

"Mephisto - Roman einer Karriere"

Klaus Mann schrieb später den Roman "Mephisto - Roman einer Karriere", der eine Abrechnung mit Gustaf Gründgens, der hier wenig verschleiert Hendrik Höfgen heißt. Dieser wird als homosexueller Karrierist beschrieben, der unter den Nationalsozialisten in großer Gunst steht und eine Scheinehe führt. Interessant ist, dass Manns Vater Thomas ebenfalls schwul war, dies jedoch nie auslebte oder zugab. Von Gründgens war diese Tatsache bekannt, er bat sogar implizit seinen Förderer, den Preußischen Ministerpräsident Herman Göring, als Generalintendant zurücktreten zu dürfen. Dieser lehnte jedoch ab und beschützte ihn von Angriffen des Reichspropagandaministers Goebbels bis zum Zusammenbruch des Dritten Reichs im Jahr 1945. "Mephisto", der Teufel in Johann Wolfgang von Goethes Faust wurde nicht nur der Titel des Schmähromans von Klaus Mann, sondern auch die Paraderolle von Gründgens. Bereits 1932 spielte er ihn mit großem Erfolg am Staatstheater in Berlin. 1955 sollte seine eigene Inszenierung und Darstellung des Mephisto Gründgens unsterblich machen, was auch an der Filmaufzeichnung lag, die bis heute als Maß der Dinge gilt.


Tanz auf dem Vulkan

Beruflich wie privat wird Gründgens bis heute "verteufelt", insbesondere für sein opportunistisches Verhalten im Dritten Reich. Dabei war auch seine Arbeit in dieser Zeit nicht immer linienkonform. Er spielte einerseits in dem berüchtigten Propagandafilm "Ohm Krüger" von 1941 an der Seite von Hans Albers, der einen brutalen Kolonialherrn verherrlicht. Andererseits verkörperte er auch die Hauptrolle in "Tanz auf dem Vulkan". Dieser Historienrevuefilm von 1938 zeigt den Umsturz eines etablierten Systems, was insbesondere Reichspropagandaminister Goebbels missfiel. Dieser konnte sich jedoch nicht gegen Gründgens' Förderer Göring durchsetzen und so wurde der Film nahezu unzensiert gezeigt. Auch half er jüdischen Kollegen, sich ins Ausland vor den Nazis in Sicherheit zu bringen. Den Schauspieler und Nazigegner Ernst Busch bewahrte er sogar vor der Todesstrafe.


Marianne Hoppe
Gong
Marianne Hoppe

"Hoppe, Hoppe, Gründgens, die kriegen keine Kindgens…"

Wohl um seine Homosexualität zu verschleiern, heiratete er 1936 die damals bekannte Schauspielerin Marianne Hoppe, der er auch nach der Scheidung 1946 weiter verbunden blieb, und mit der er weiter gemeinsam auf der Bühne stand. Diese war bisexuell und mit der Heirat ebenfalls vor Angriffen gefeit. Doch nicht nur Göring, auch der Volksmund wusste, dass die Ehe von Gründgens und Hoppe Schein war, wie der Spottvers "Hoppe, Hoppe, Gründgens, die kriegen keine Kindgens, und das hat seine Gründgens" beweist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Gustaf Gründgens bis 1946 inhaftiert, auf Fürsprache vieler Kollegen, unter anderen dem dankbaren Ernst Busch, dann aber doch wieder freigelassen. Sofort arbeitete Gründgens am Theater in Düsseldorf und wurde später Generalintendant in Hamburg. Diese Stellung hatte erfolgreich bis kurz vor seinem Tod 1963 inne. So umstritten wie sein Leben und Wirken, war auch sein Tod in Manila. Auf Weltreise gegangen, nahm der Rastlose zu viele Schlaftabletten, wobei nicht festzustellen war, ob absichtlich oder versehentlich. Auf einen Zettel schrieb er: "Ich glaube, ich habe zu viele Schlafmittel genommen, ich fühle mich etwas komisch, lass mich ausschlafen." Marianne Hoppe tat Selbstmordgerüchte mit dem Argument ab, dass der Theatermann sich stilvoll im Smoking und nicht im Pyjama getötet hätte.
Von  Ulrich Blanché/Filmreporter.de,  25. April 2020

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