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RETRO Feature

Charles Laughton in "Der Herr im Haus bin ich"
Film und Frau

Die ruppige Karriere des Charles Laughtons

Quasimodo auf Abwegen
In den ersten Tagen am Set konnte sich Charles Laughton selbst nicht ausstehen. Oft quälte er seine Regisseure damit, dass sie das Material der ersten Tage nicht verwenden sollten. Wenn es dann zum Schnitt kam, war er nicht mal mehr in der Lage, die Szenen der ersten Drehtagen zu identifizieren. Laughtons Schauspielkarriere ist eine der interessantesten und mit Problemen belastetsten in der Geschichte des Films.
Von  Katharina Gärtner/Filmreporter.de,  12. Juni 2020
Charles Laughton in "Der Herr im Haus bin ich"
Film und Frau
Charles Laughton in "Der Herr im Haus bin ich"

Quasimodo seiner selbst

Ausgestattet mit einer ausgeprägten Rhetorik, machte sich Charles Laughton mit bemerkenswerten Charakterisierungen einen Namen. Seine eigenen Zweifel arbeiteten aber oft gegen ihn. In den 1930er Jahren wurde er zunächst als Darsteller überlebensgroßer Leinwandhelden bekannt. Im Laufe der Jahre wurde es um seine Karriere immer ruhiger. Er wiederholte frühere Rollen und bekam zudem den Ruf, nicht zu bändigen zu sein. Nur selten fand der Künstler Rollen, an die er selbst glaubte. Oft spielte er hässliche und heimtückische Figuren. Einer seiner brillantesten Rollen macht das überdeutlich. In "Meuterei auf der Bounty" spielt er neben Clark Gable den selbstgerechten und jovialen Kapitän William Bligh, der seine Mannschaft ohne Grund auspeitschen lässt. Sein Aussehen stand ihm schon zu Beginn seiner Schauspielkarriere im Wege. Viele Hauptrollen standen für Laughton nicht offen, weil sie angeblich ein besseres Aussehen erforderten. Um nicht im Komödienfach versauern zu müssen, suchte er sich seine Nische. Er zielte auf Figurengetriebene Schlüsselrollen ab, die Intelligenz und gutes schauspielerisches Können verlangten. Als Quasimodo in "Der Glöckner von Notre Dame" schaffte er eine überragende und zugleich anrührende Darstellung.


Charles Laughton in "Der Herr im Haus bin ich"
Film und Frau
Charles Laughton in "Der Herr im Haus bin ich"

Solo als Regisseur

Schon früh zeigte Laughton Interesse für den Film und andere neue Medien. Als gelernter Theaterschauspieler und Shakespeare-Darsteller sah er sein Engagement beim Film nicht nur als Einkommensquelle, sondern auch als Möglichkeit anspruchsvollere Stoffe einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Er nahm zudem, diverse Schallplatten auf, seine bekannteste wurde eine Lesung von Charles Dickens' "Mr. Pickwick's Christmas". Auf dem Soundtrack zu seiner einzigen Regiearbeit "Die Nacht des Jägers" erzählt Laughton die Handlung nach, begleitet von dem Score. Das Drama mit Koregisseur Robert Mitchum sowie den Darstellern Shelley Winters und Lillian Gish war seinerzeit ein kommerzieller Flop, gilt unter Filmliebhabern aber mittlerweile als Meisterwerk. 1992 wurde der Thriller von der amerikanischen Nationalbibliothek Library of Congress als besonders erhaltenswert in das Verzeichnis National Film Registry aufgenommen. Die französische Filmzeitschrift Cahiers du cinéma wählte ihn auf Platz zwei der 100 schönsten Filme. Filmkritiker Roger Ebert schreibt über den Film-Noir er sei einer der besten amerikanischsten Filme aller Zeiten […] mit einem der unvergesslichsten Bösewichte. Allerdings identifizierte sich Hauptdarsteller Robert Mitchum zu sehr mit der Rolle des Verbrechers Harry Powell. Darüber war er so schockiert, dass er erst Jahre später wieder über diese Rolle sprechen konnte. Zu seiner Zusammenarbeit mit Regisseur Charles Laughton äußerte er sich eher negativ, obwohl dieser ihn zu Höchstleistungen angetrieben haben soll. Der Kampf des Guten gegen das Böse - Love und Hate - fordert eben ihren Tribut.


Rembrandt
Pegasos Film
Rembrandt

Leben und Tod

Laughton war von 1929 bis zu seinem Tod im Jahr 1962 mit Schauspielerin Elsa Lanchester verheiratet. 1950 wurden beide amerikanische Staatsbürger. Das Ehepaar spielte zusammen in elf Filmen, unter anderem in "Rembrandt" und "Spiel mit dem Tode". Zuletzt waren sie gemeinsam in Billy Wilders "Zeugin der Anklage" zu sehen. Obwohl ihre Ehe über 30 Jahre Bestand hatte, gab die Schauspielerin in ihrer Autobiographie "Elsa Lanchester. Herself" an, ihr Ehemann sei homosexuell gewesen. Zu seinen Lebzeiten und selbst auf dem Höhepunkt seines Ruhms, konnte Laughton seine sexuellen Vorlieben weithin geheim halten. Seine letzten Filmrollen spielte Laughton 1960 in "Spartacus" von Stanley Kubrick und "Sturm über Washington" (1962) von Otto Preminger. In seinen letzten Tagen wollte er noch einen neuen Film in Angriff nehmen, verstarb aber noch vor Beginn der Dreharbeiten.
Von  Katharina Gärtner/Filmreporter.de,  12. Juni 2020

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