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RETRO Feature

McLintock - Ein liebenswertes Raubein!
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Strahlender Held oder reaktionärer Rassist?

Haudegen John Wayne
John Wayne war der Cowboy der 1940er bis 1970er Jahre. Wenn er keine Western drehte, waren es Kriegs- oder Abenteuerfilme. Als Person war und ist der erzkonservative Nationalist über seinen Tod hinaus umstritten. Als kleiner Junge hatte er einen kleinen Terrier, der Duke hieß. 'The Duke' wurde der spätere Westernheld in fast 150 Filmen auch von seinen Nachbarn und später in der Filmwelt genannt. Am 11. Juni 2009 jährt sich der Todestag von Wayne zum 30. Mal.
Von  Ulrich Blanché/Filmreporter.de,  20. Juni 2020
John Wayne in "The Shootist - Der Scharfschütze"
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John Wayne in "The Shootist - Der Scharfschütze"

Pferde und Kino

John Wayne kommt 1907 in der amerikanischen Provinz als Marion Morrison zur Welt. Bald zieht die Familie von Iowa nach Kalifornien. Dort bestreitet der zukünftige Westernheld jeden Morgen die zehn Kilometer zur Schule mit dem Pferd. In selben Haus wie die Apotheke seines Vaters ist auch ein Kino, wo der kleine Marion gratis Filme schauen darf, weil er für den Kinobesitzer Programme verteilt. In der Schule ist er der Star des Football-Teams und beginnt schon mit 19 in verschiedenen Filmstudios der Umgebung auszuhelfen. Als Kleindarsteller und Komparse arbeitete er sich hoch und bekommt vom damals größten Western-Star Tom Mix eine Stelle als Requisiteur vermittelt. Auch lernt er Regisseur John Ford kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft und intensive Zusammenarbeit verbinden wird.


Western-Held und konservativ: John Wayne
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Western-Held und konservativ: John Wayne

John Wayne wird geboren

Ein anderer bekannter Regisseur seiner Zeit, Raoul Walsh, gibt ihm 1930 den Namen John Wayne und lässt den 1,93 Meter großen Hünen in dem Western "Der große Treck" auftreten. In dieser Zeit wird er auch als Stuntman für Filmprügeleien ausgebildet. Seinen Durchbruch hat Wayne schließlich 1939 als Abenteurer Ringo Kid in einem Western seines Kumpels John Ford, der das festgefahrene Genre neu erfinden wird: "Ringo". Das Postkutschen-Abenteuer zählt zu den Westernklassikern und legt Wayne viele Jahre auf das Genre fest. In den 1940er Jahren dreht er neben unzähligen Western auch seine ersten Kriegsfilme. John Wayne etabliert sich als einer der großen Stars und spielt bis Ende der 1950er in einer Reihe von John-Ford-Filmen, die heute zu den Klassikern zählen: "Red River" (1948), "Bis zum letzten Mann" (1948), "Der Teufelshauptmann" (1949) und "Rio Grande" (1950) zählen zweifelslos dazu.


John Wayne in "Alamo"
Film Revue
John Wayne in "Alamo"

Erfolge und Rückschläge

Als Schauspieler ist John Wayne auf den Charakter des zähen, harten Rauhbeins festgelegt, den er in fast allen seiner Filme verkörpert. Damit erzielt er große kommerzielle Erfolge, so etwa als Indianer-Hasser in "Der Schwarze Falke" von 1956 oder als Sherriff in "Rio Bravo" von 1959, die beide unter der Regie von Howard Hawks entstehen. Zugleich hat Wayne Ende der 1950er und Anfang der 1960er auch größere Misserfolge zu verzeichnen, die beide dauerhafte Folgen für den Westernheld haben. Der von ihm aufwendig produzierte und inszenierte Western "Alamo" (1960) endet in einem finanziellen Fiasko für Wayne, der ihn auf Jahre hinaus ruiniert. Bereits vier Jahre zuvor spielt er in "Der Eroberer" einen Mongolenanführer, wofür er mit dem Goldenen Turkey Award als größte Fehlbesetzung aller Zeiten verlacht wird. Folgen für seine Gesundheit haben auch die Dreharbeiten zu diesem Film, da sie drei Jahre nach Atomwaffen-Tests in Utah stattfinden. 30 Jahre später ist fast die Hälfte der Beteiligten an Krebs erkrankt oder bereits gestorben, darunter auch Wayne, der als echter Cowboy zudem vier Schachteln Zigaretten am Tag raucht.


John Wayne in: Der schwarze Falke
Warner Bros. Pictures
John Wayne in: Der schwarze Falke

Der Mensch John Wayne

Trotz seiner Krebserkrankung spielt er bis drei Jahre vor seinem Tod das, was er am besten konnte: den harten Mann mit Herz und schneller Pistole. Dafür bekam er 1969 auch den Oscar für "Der Marshal" und einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde als Schauspieler mit den meisten Hauptrollen: Abgesehen von wenigen Ausnahmen führte er von 1930 bis 1976 in 142 Filmen immer die Besetzungsliste an. Daneben gab es auch eine schwarze Seite im Leben des Duke - und hier ist nicht seine Lunge gemeint. Denn der Berufscowboy auf Lebenszeit ist ein erzkonservativer Nationalist und Rassist. So hat er Dreharbeiten mit farbigen Schauspielern abgelehnt, äußert sich abfällig gegenüber Indianern und unterstützt die Kommunisten-Hatz in den 1950er Jahren. Trotz seines Rassismus ist er dreimal mit Frauen lateinamerikanischer Abstammung verheiratet, mit denen er insgesamt sieben Kinder zeugt, der Mensch lebt mit seinen Widersprüchen. John 'The Duke' Wayne stirbt 1979 im Alter von 72 Jahren in Los Angeles.
Von  Ulrich Blanché/Filmreporter.de,  20. Juni 2020

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