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RETRO Feature
Henry Fonda in "Spiel mir das Lied vom Tod"
Paramount Pictures

Amerikanische Tugenden nur vor der Kamera

Idealist Henry Fonda

Freunde dürfen ihn 'Hank' rufen. Über hundert Filmrollen für Kino und Fernsehen und fünf Eheschließungen sprechen für sich. Das American Film Institute führt Henry Fonda in seiner Rangliste der größten Schauspieler aller Zeiten auf Position sechs. Er gilt als einer der besten Charakterdarsteller seiner Generation. Mit der eindringlichen Darbietung moralisch unfehlbarer Gerechtigkeitsfanatiker verkörpert er amerikanische Tugenden wie kaum ein Zweiter. Was steckt hinter der Ikone?
Von  Timo Buschkämper, Filmreporter.de,  20. August 2020
Spiel mir das Lied vom Tod
Paramount Pictures
Spiel mir das Lied vom Tod

Anfänge am Broadway

Im Jahr 1905 als Sohn eines Druckers in den Weiten des US-Bundesstaates Nebraska geboren, ist sich der heranwachsende Henry Jaynes Fonda bald seines Berufswunsches sicher: Er will Journalist werden. Im Zuge seines Studiums an der Universität von Minnesota trifft er auf James Stewart, der ihn mit seiner Begeisterung für die Schauspielerei bald ansteckt. Zusammen gehen sie nach New York City und beziehen ein kleines Appartement, am Broadway ergattern beide erste kleine Rollen. Die Anerkennung lässt nicht lange auf sich warten. Bereits nach einigen Bühnenerfolgen wird die kalifornische Filmfabrik auf den talentierten Nachwuchsdarsteller aufmerksam. Fonda wechselt nach Hollywood, bleibt der Theaterwelt jedoch zeitlebens eng verbunden.


Henry Fonda in "Spiel mir das Lied vom Tod"
Paramount Pictures
Henry Fonda in "Spiel mir das Lied vom Tod"

Rassante Hollywoodkarriere

In John Fords Verfilmung von John Steinbeck "Früchte des Zorns" ist Fonda 1940 als rebellischer Farmarbeiter Tom Joad zu sehen. Die Rolle bringt ihm den Durchbruch als Filmschauspieler und zugleich seine erste Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller ein. Es folgen Auftritte in Western-Klassikern wie "Ritt zum Ox-Bow", "Faustrecht der Prärie" oder "Bis zum letzten Mann".

Mitte der 1950er Jahre arbeitet Fonda mit Regielegende Alfred Hitchcock zusammen. Der inszeniert mit Fonda "Der falsche Mann". Ein Jahr später spielt er unter der Regie von Sidney Lumet in dem mittlerweile zu den Filmklassikern gehörigen Gerichtsdrama "Die Zwölf Geschworenen". Zumeist verkörpert Fonda den moralisch integren Moralisten, der uneingeschränkt der Gerechtigkeit unterworfen ist. Erst mit Hilfe von Sergio Leone schafft er 1968 den Bruch mit dem lang gepflegten, etwas langweiligen Image. Als eiskalter Auftragskiller in "Spiel mir das Lied vom Tod" kann Fonda Kritik wie Publikum überzeugen und trägt seinen Teil zum Erfolg des Ausnahmewesterns bei. Der Frontwechsel tut Fonda gut, weil es eine weitere Facette seiner Schauspielkunst an die Oberfläche bringt.


Henry Fonda in "Spiel mir das Lied vom Tod"
Paramount Pictures
Henry Fonda in "Spiel mir das Lied vom Tod"

Ausgezeichneter Henry

Nachdem er 1940 noch seinem Freund James Stewart für dessen Leistung in "Die Nacht vor der Hochzeit" die begehrte Goldstatuette als bester Hauptdarsteller überlassen musste, kommt er 1981 doch noch zu seinem Recht. Aus der Hand von Robert Redford darf er den Ehren-Oscar für sein herausragendes Lebenswerk entgegen nehmen. Unverhofft kommt oft, denn nur ein Jahr später ist er schon wieder an der Reihe. Nur wenige Monate vor seinem Tod, erhält Fonda den Darsteller-Oscar für seine Rolle in "Am goldenen See" von Mark Rydell. Er ist zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits in so schlechter gesundheitlicher Verfassung, dass Tochter Jane die Auszeichnung stellvertretend entgegen nehmen muss.


Krieg und Frieden
Paramount
Krieg und Frieden

Familiäres

Von 1931 bis 1933 ist Fonda mit der US-Schauspielerin Margaret Sullavan verheiratet. 1936 tritt er mit Frances Seymour Brokaw vor den Traualtar, mit der er zwei Kinder bekommt. Jane und Peter Fonda werden ihrerseits zu Hollywoodstars. Nach dem Selbstmord seiner Frau traut sich Henry im Jahr 1950 erneut und ehelicht Susan Blanchard. Sie adoptieren Tochter Amy, lassen sich jedoch nach gerade drei Jahren wieder scheiden.

Aller guten Dinge sind vier und aus diesem Grund tritt er 1957 mit der italienischen Gräfin Afdera Franchetti in den heiligen Bund der Ehe ein. Jedoch währt auch dieses Glück nur vier Jahre, bevor er kurz danach mit Shirlee Mae Adams endlich die Ehefrau findet, mit der er bis zu seinem Tod zusammen bleiben wird. Fondas Beziehung zu seinen Kindern Jane und Peter gilt als weitestgehend emotionslos. Sein Sohn wird später sagen, dass er sich zeitlebens im Unklaren darüber war, was sein Vater für ihn empfand.


Früchte des Zorns
20th Century Fox
Früchte des Zorns

Charakteristik

Als Henry Fonda 14 Jahre alt ist, lässt ihn sein Vater William einer öffentlichen Hinrichtung in seiner Heimatstadt Grand Island beiwohnen. Bestraft wird ein Afroamerikaner der beschuldigt wird, eine Frau vergewaltigt zu haben. Der Anblick dieser radikalen Umsetzung des alttestamentarischen Auge für Auge hat den heranwachsenden Fonda zeitlebens geprägt. Die schauspielerische Umsetzung dieser Erfahrung wird zu einem Rollenmerkmal. Fonda ist sich bewusst, dass er diesem moralischen Ideal primär als Schauspieler entsprechen kann - viel mehr als im realen Leben. Seinen betont schnörkellos zurückgenommenen Stil kombiniert er mit der unbedingten Glaubwürdigkeit seiner Figuren. Mit diesem Vorgehen wird er zur Filmlegende, die Göttlichkeit bleibt ihm jedoch verwehrt. Henry Fonda stirbt am 12. August 1982 in Los Angeles an einem Herzleiden.
Von  Timo Buschkämper, Filmreporter.de,  20. August 2020

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