RETRO Feature
James Stewart ist: Der Mann aus Laramie
Illustrierte Film-Bühne

Ein ganz normaler Held

Aufrechter Amerikaner: James Stewart

Für sein Vaterland setzt er im Krieg sein Leben aufs Spiel, auf der Leinwand zeigt er sein Facettenreichtum in über 100 Filmen. James Stewart gilt bereits zu Lebzeiten als einer der größten und ehrlichsten Hollywood-Schauspieler, zu dem die Filmwelt aufblickt. Nach seinem Tod wird er zur Legende mit einem Lebenswerk, das ihm kaum einer nachmachen wird. Er ist ein wahrer Held, im Film wie im wirklichen Leben.
Von  Bettina Friemel/Filmreporter.de,  5. Dezember 2020
James Stewart in "Mein Freund Harvey"
Universal-Pictures Germany
James Stewart in "Mein Freund Harvey"
Als James Stewart 1985 von der Academy mit einem Lifetime Achievement Award geehrt wird, bekommt er zehn Minuten Standing Ovations. Die Schauspielerei ist aber nicht seine erste Wahl. Als Kind entdeckt der kleine Jimmy zunächst seine Liebe zu Flugzeugen. Doch sein Vater will etwas Besseres für ihn und schickt ihn auf die Princeton Universität, damit Sohnemann Architektur studiert. Die Faszination für Flugzeuge aber bleibt und James beeindruckte seine Professoren mit einem gewagten Konzept für ein Flughafengebäude, das ihm sogar ein Stipendium einbringt. Während des Zweiten Weltkrieges meldet er sich bei der US Air Force und wird zum Kampfpiloten ausgebildet. Damit ist er der erste Filmstar, der in den Krieg zieht und für sein Vaterland kämpft. Zahlreiche erfolgreiche Einsätze bringen ihm diverse Auszeichnungen ein. Im Flugzeug fühlte er sich einfach zuhause.


James Stewart
Illustrierte Film-Bühne
James Stewart

Lebenskünstler auf Oscarkurs

1941 schließt sich James Stewart der Air Force an. Damals ist er bereits ein gefeierter Schauspieler und sogar einer der bestbezahlten. Er ist seit 1935 bei MGM unter Vertrag, was er seinem Kumpel und Mitbewohner Henry Fonda zu verdanken hat. Nach dem Studium spielt er in der Theatergruppe Falmouth Players und findet so seinen Weg an den Broadway. In Komödien spielt er aufgrund seines ruhigen Naturells meist den Schüchternen und Gutherzigen, der ungewollt in Turbulenzen hineingerät. Erste Spuren im Westerngenre hinterlässt er mit "Der große Bluff" (1939). 1938 besetzt ihn Frank Capra für "Lebenskünstler", eine Zusammenarbeit, die bald Früchte tragen sollte. In "Mr. Smith geht nach Washington" (1939) liefert Stewart eine seiner besten Leistungen und erhält dafür seine erste Oscar-Nominierung. Die Auszeichnung sollte er bereits ein Jahr später für "Die Nacht vor der Hochzeit" kriegen, was von vielen als Entschädigung dafür gesehen wird, dass es mit der wesentlich besseren Leistung im Vorjahr nicht geklappt hat. Ein weiterer Capra-Film wird zu Jimmys Karrierehöhepunkt. "Ist das Leben nicht schön?" wird 1946 wegen seiner düsteren Handlung vom Publikum verschmäht, zählt inzwischen jedoch zu den Weihnachtsklassikern, die jedes Jahr wieder im Fernsehen gezeigt werden.


James Stewart ist: Der Mann aus Laramie
Illustrierte Film-Bühne
James Stewart ist: Der Mann aus Laramie

James und die Frauen

Den Oscar schickt Stewart seinem Vater nach Indiana, wo er einen Ehrenplatz im Eisenwarenladen bekommt. Seine Eltern versuchen weiterhin, ihren Sohn davon zu überzeugen, Hollywood zu verlassen und das Geschäft des Vaters zu übernehmen. Schließlich ist das traditionsreiche Haus bereits seit drei Generationen im Familienbesitz. Die Trophäe macht ihnen jedoch klar, dass aus James ein ausgezeichneter Schauspieler geworden ist, der nicht nur dem Glamour der Filmstadt verfallen ist. Der Glamour ist tatsächlich nicht, was Jimmys Aufmerksamkeit auf sich zieht. Eher die schönen Frauen, die ihm geradezu zu Füßen liegen. Mit Ginger Rogers, Norma Shearer und Marlene Dietrich hat er kurze Affären, seine wahre Liebe findet er jedoch in Gloria Hatrick McLean, mit der er seit 1949 verheiratet ist und bis zu deren Tod im Jahr 1994 bleibt.


James Stewart
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James Stewart

Nie wieder Hitchcock

In der Nachkriegszeit änderte James Stewart seinen Lebensstil grundlegend. Er lässt sich häuslich nieder und ist für seine vier Kinder da, von denen zwei aus Glorias erster Ehe stammen, die Zwillinge werden 1951 geboren. Er engagiert sich für die Republikaner und unterstützt deren Präsidentschaftskandidaten im Wahlkampf. Als sein Vertrag mit MGM ausläuft nutzt die Chance, um seine Rollen selbst auswählen zu können. Die werden zunehmend ernster und rauer und bewegen sich immer weiter von den Komödien der Anfangszeit weg. Alfred Hitchcock besetzt ihn für vier Filme. Nachdem "Vertigo - Aus dem Reich der Toten" (1958) jedoch an den Kinokassen scheitert, macht der Starregisseur seinen Hauptdarsteller dafür verantwortlich, weil er für das Publikum zu alt sei. Fortan wolle er nie wieder mit ihm zusammen arbeiten. Die Rolle in "Der unsichtbare Dritte", die Jimmy unbedingt spielen will, geht an Cary Grant. Dafür konzentrierte sich Stewart zunehmend auf Western und spielt in zahlreichen Filmen von Anthony Mann und John Ford. Auf ausdrücklichen Wunsch von John Wayne lässt er sich 1976 überreden, einen kurzen Auftritt in "The Shootist - Der Scharfschütze" zu übernehmen.


James Stewart ist: Der Mann aus Laramie
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James Stewart ist: Der Mann aus Laramie

Rückzug aus dem Business

Die Drehbedingungen werden für den alternden Star jedoch immer schwieriger zu bewältigen. Er hat eine Hörschwäche und zunehmend Probleme, sich die Textzeilen zu merken. Außerdem werden ihm nur noch Filme angeboten, in denen es um Sex und Gewalt geht, was Stewart aus Prinzip ablehnt. Der Wechsel zum Fernsehen will auch nicht so recht klappen, seine Serie "Hawkins" (1973) wird nach nur einem Jahr wieder abgesetzt. Nach dem Tod seiner Frau verabschiedet er sich endgültig aus der Öffentlichkeit und will am liebsten sein Bett gar nicht mehr verlassen. Am 2. Juli 1997 verstirbt der sympathischste und weithegend skandalfreie Schauspieler an Herzstillstand in Folge einer Lungenembolie. Damit verlor die Welt ein Symbol für den aufrichtigen Amerikaner.
Von  Bettina Friemel/Filmreporter.de,  5. Dezember 2020

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