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RETRO Feature
Conny Froboess hat es nicht leicht
Film Journal

Schluss mit niedlich

Conny Froboess packt Karriere ein

Wer als Kind zum Star wird, hat es schwer, als Erwachsener ernst genommen zu werden. Oder es bekommt überhaupt keine Angebote mehr, weil es irgendwann keine freche, niedliche Göre mehr ist. Dieses Problem ist Cornelia alias Conny Froboess nicht. Auf der Schlagerbühne und in Filmen feiert sie auch als Teenager große Erfolge. Ihre Solo-LPs und ihre Duette mit Peter Alexander, Rex Gildo und insbesondere Peter Kraus sorgen beim Publikum für gute Laune. Sie und Kraus gelten als Traum-Paar des Showgeschäfts. Gerne würde man die beiden auch privat als Paar sehen. Doch dann der Bruch: 1967 steigt die 23-jährige aus! Sie hat genug von flachen Unterhaltungsfilmen und seichter Schlagermusik. Ihre Fans und Papa Gerhard reagieren verständnislos. Warum hört sie auf, wo alles so gut läuft?
Von  Gudrun Schmiesing/Filmreporter.de,  7. November 2020
Ja, so ein Mädchen mit sechzehn
Film Journal
Ja, so ein Mädchen mit sechzehn

Keine Puppe

Hat sie genug von dem Rummel, von Peter oder davon, dass das Publikum sie nicht als Erwachsene betrachtet? Ist sie für die Öffentlichkeit immer noch das Mädchen, das die Badehose einpackt? Mit sieben Jahren hat sie damit ihren ersten, von ihrem Vater geschriebenen Hit. Die kleine Conny ist abenteuerlustig und spielt gerne mit Jungen in den Ruinen und alten Fabriken des Berlins der Nachkriegsjahre. Anders als gleichaltrige Mädchen interessiert sie sich nicht für Puppen. "Wenn etwas gefährlich war, hat es mich immer ein bisschen gereizt", sagt sie später. Für Abenteuer hat sie bald kaum noch Zeit. Ihre Karriere entwickelt sich rasant, sie wird vom Kinder- zum Jugendstar. Aus der kecken Göre mit Leberfleck auf der Wange wird ein hübsches junges Mädchen.


Glückliches Paar: Conny Froboess und Rex Gildo
Film Journal
Glückliches Paar: Conny Froboess und Rex Gildo

Connys letzte Lieder

1960 lockt der Heimatfilm "Conny und Peter machen Musik" das Heile-Welt suchende Nachkriegspublikum ins Kino. Während die Fans von dem Traumpaar schwärmt, plant Conny bereits ihren Ausstieg. Sie will eine ernst zu nehmende Schauspielerin werden. Bereits seit einem Jahr nimmt sie Unterricht. Vielleicht hat sie einfach mal wieder Lust auf Abenteuer, darauf, etwas zu entdecken und andere Rollen zu spielen. Ihre Zielstrebigkeit zahlt sich aus: Ihr erstes Engagement bekommt sie 1963 am Salzburger Landestheater. Damit legt sie den Grundstein für eine Karriere im Charakterfach. Privat verliebt sie sich in den Salzburger Theaterleiter Dr. Hellmuth Matiasek und heiratet diesen. Noch immer nimmt sie Schlager auf und wirkt in Unterhaltungsfilmen mit. Doch 1967 ist auch damit Schluss. Sie veröffentlicht ihr letztes Schlager-Album mit dem Titel "Connys neue Lieder".


Conny Froboess und Rex Gildo genießen den Sommer
Film Journal
Conny Froboess und Rex Gildo genießen den Sommer

Kecke Göre - Kaputte Frau

Von 1972 bis 2001 hat sie ein festes Engagement an den Münchener Kammerspielen. Endlich kann sie ihr Gören-Image hinter sich lassen. Auf der Leinwand und in TV-Produktionen bekommt sie jetzt ebenfalls ernsthaftere Rollen angeboten. Ihre Darstellung in Rainer Werner Fassbinders Drama "Die Sehnsucht der Veronika Voss" wird 1982 mit dem Goldener Bären ausgezeichnet. Auch heute arbeitet sie als freie Schauspielerin am Münchener Residenztheater und ist damit glücklich. Auf Filme hat sie weniger Lust. Denn sie bekomme ja doch nur langweilige Oma-Rollen. Im Theater darf sie dagegen "kaputte" Frauen spielen, dabei fühle sie sich wohler, sagt sie in einem Interview mit der Weltzu ihrem 65. Geburtstag. Bleibt nur noch eine Frage: Was lief mit Peter Kraus? Dazu äußert sich Conny in der Talkshow "Beckmann" am 26. November 2007 eher zweideutig. Nach gemeinsamen Drehs habe Kraus sie nach Hause gebracht und sie nur einmal "richtig geküsst". Aber insgesamt sei er für sie eher "ein großer Bruder" gewesen. Die enge Freundschaft ist bis heute erhalten geblieben.
Von  Gudrun Schmiesing/Filmreporter.de,  7. November 2020

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