Retro-Starportrait: Anspruch, Horror & Erotik: Adrian Hoven | FILMREPORTER.de
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Adrian Hoven
"Die Arbeit frisst das halbe Leben"

Anspruch, Horror & Erotik: Adrian Hoven

Adrian Hoven beginnt seine Filmkarriere zu einer Zeit, als die Filmwirtschaft nach publikumswirksamen Nachwuchsschauspielern sucht. Innerhalb kürzester Zeit entwickelt sich Peter Hofkirchner, so Hovens bürgerlicher Name, zu einem der gefragtesten Schauspielern im deutschsprachigen Raum. Als die Erfolgswelle abebbt, wechselt er hinter die Kamera und inszeniert vornehmlich leichte Horror- und Erotikfilme. Später wird er als von den Regisseuren des Neuen Deutschen Films als Schauspieler wiederentdeckt und gefeiert.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de, 15. Dezember 2018

Szene aus "...wie einst Lili Marleen"

Szene aus "...wie einst Lili Marleen"

Keine Zeit für Privatleben
Kaum wird er von Regisseur Helmut Weiss Ende der 1940er Jahre für den Film entdeckt, entwickelt sich Adrian Hoven innerhalb kürzester Zeit zu einem der gefragtesten Schauspieler des deutschen Sprachraums. Mit der Tatsache, dass sein Privatleben dagegen auf der Strecke bleibt, kann sich Hoven gut arrangieren. "Das Privatleben wird bei mir eben kleingeschrieben", sagt Hoven in einem Interview mit dem Filmmagazin Film Revue (23. Heft, Jahrgang 6). Hoven ist Perfektionist und widmet sich seinem Beruf von Anfang an mit ganzer Seele. "Man soll eine Sache ganz machen oder gar nicht. Uns Schauspielern geht es wie anderen Berufsmenschen auch: Die Arbeit frisst das halbe Leben", verrät der Schauspieler in demselben Gespräch.

"Zwei Herzen voller Seligkeit"

"Zwei Herzen voller Seligkeit"

Unerschütterliches Selbstvertrauen
Hoven wird von Zeitgenossen als bescheidener Mensch beschrieben. Zugleich ist er ein Mann mit großem, fast körperlich spürbarem Selbstbewusstsein. Dieser Charakterzug rührt nicht aus dem Bewusstsein seines Erfolgs, sondern hat seine Wurzeln im Vertrauen in die eigene Kraft. "Wenn ich nicht Schauspieler geworden wäre, hätte ich sicher auch einen leidlichen Ingenieur abgeben können", so Hoven gegenüber der Film Revue. Diese Aussage ist gar nicht so weit hergeholt.

Vor seinem Kinodurchbruch als Sportstudent Rudy Walheim in Helmut Weiss' "Tromba" (1949) studiert Hoven nach dem Abitur zunächst Maschinenbau und arbeitet vorübergehend als Werkflugschüler bei Messerschmitt. Schon hier deckt sich der Berufswunsch Hovens nicht mit den Vorstellungen seiner Eltern. Diese schicken ihren Sohn als Kind sieben Jahre in eine Klosterschule, damit aus ihm später ein Geistlicher werde. Dies Schicksal blieb ihm zu seinem Glück erspart.

"Zwei Herzen voller Seligkeit"

"Zwei Herzen voller Seligkeit"

Neues Talent des deutschen Films
Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Hoven als Bomberpilot dient und während eines Einsatzes in Nordafrika schwer verwundet wird, entscheidet er sich gegen den Ingenieurberuf und für die Schauspielerei. Er arbeitet zunächst als Darsteller an mehreren Berliner Theatern, darunter am Renaissance-Theater und am Theater am Schiffbauerdamm und debütiert 1947 unter der Regie von Helmut Weiss in "Herzkönig". Gut aussehend, groß, sportlich und mit Talent ausgestattet, erfüllt Adrian Hoven alle Voraussetzungen, als sich im deutschen Nachkriegskino eine Aufbruchsstimmung breit macht und die Filmwirtschaft nach neuen Gesichtern und Talenten sucht.

In der Folge spielt Hoven an der Seite bekannter Schauspielstars wie Maria Schell in "Dr. Holl" (1951) sowie Romy Schneider in "Mädchenjahre einer Königin" (1954). Dabei überzeugt Hoven sowohl als jugendlicher Held und Liebhaber, als auch als eleganter Gentleman im Anzug. Er spielt Rollen mit dramatischen Akzenten ("Canaris", 1954) und solche, in denen er sein komödiantisches Talent untermauert ("Meine Schwester und ich", 1954).

Berlin Alexanderplatz

Berlin Alexanderplatz

Neue Berufung?
In den sechziger Jahren ist der deutsche Unterhaltungsfilm in der Krise und Hoven kann als Darsteller immer weniger Erfolge vorweisen. So wechselt er das Fach. 1965 gründet er mit Pier A. Caminnecci die Produktionsfirma Aquila Film Enterprises und zeichnet als Regisseur und Produzent für seine Filme selbst verantwortlich. Als sein Regie-Debüt "Der Mörder mit dem Seidenschal" jedoch kein finanzieller Erfolg wird, verlegt sich Hoven auf Horror- und Erotikfilme, womit seine Firma zumindest finanziell besser abschneidet.

Faustrecht der Freiheit

Faustrecht der Freiheit

Renaissance der alten Garde
Eine Renaissance erlebt Hoven als Schauspieler in den 1970er Jahren, als sich immer mehr Regisseure des Neuen Deutschen Films trotz ihrer Vorbehalte gegen Opas Kino auf Schauspieler der alten Garde zurückbesinnen. 1975 spielt Hoven in Daniel Schmids "Schatten der Engel" (1975) die Rolle eines Transvestiten, der in einer Nachtbar arbeitet und tagsüber seine gelähmte Frau pflegt und schikaniert.

Mit Rainer Werner Fassbinder dreht Hoven gleich mehrere Filme. Der obsessive Filmemacher engagiert den Schauspieler unter andrem für "Welt am Draht" (1973), "Faustrecht der Freiheit" (1974), "Lili Marleen" (1981) sowie die Fernsehproduktionen "Martha" (1974), "Angst vor der Angst" und "Berlin Alexanderplatz" (1980). "Als immer gutgelaunter, verschmitzt lächelnder Sonnyboy des deutschen Nachkriegsfilms war [Hoven] der Filmliebling der Adenauer-Ära", urteilte einst das Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars. Als diese Epoche vorbei ist, macht sich eine neue Regiegeneration die Erfahrung und die Routine des Schauspielers zunutze. Es ist das gewisse Etwas, das Spezielle, wie Kameramann Michael Ballhaus dies treffend ausdrückt, das Hoven in späteren Jahren so unverwechselbar und für die Regisseure der neuen Generation so begehrt macht.

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