Retro-Starportrait: Don Quichotte Maximilian Schell | FILMREPORTER.de
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RETRO Feature

Maximilian Schell in "Verstörung - und eine Art von Poesie. Die Filmlegende Bernhard Wicki"
Brunnen in der Wüste graben

Don Quichotte Maximilian Schell

Maximilian Schell ist der Bruder von Maria Schell und Freund von Marlene Dietrich. Als die großen Diven am Ende ihrer Karrieren und Leben stehen, setzt er ihnen mit "Meine Schwester Maria" und "Marlene" ebenso eindringliche wie intime filmische Denkmäler. Seine eigene Karriere betrachtet der Schauspieler und Regisseur bescheidener. So habe er seinen größten Publikumserfolg bereits mit drei Jahren gehabt. Für eine originäre Kunst hat er dennoch nie aufgehört zu kämpfen. Ein Porträt des Don Quichotte des Kinos.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de, 23. Dezember 2018

Marketta Kimbrell als Zeugin von Maximilian Schell

Marketta Kimbrell als Zeugin von Maximilian Schell

Brunnen in der Wüste
Maximilian Schell sagt einmal von sich, er dachte immer, er sei geboren, um den Kitsch aus der Welt zu schaffen. Gerne zitiert er in diesem Zusammenhang Kurt Tucholsky: "Es lastet über unserer Zeit der Fluch der Mittelmäßigkeit. Hast du einen so schwachen Magen, kannst du die Wahrheit nicht vertragen? Bist also nur ein Grießbreifresser? Ja dann - ja dann verdienst du es nicht besser!" Am Ende seines Lebens musste er resignierend feststellen, dass er den Kampf gegen die "Klischeehaftigkeit der Zeit" verloren habe.

Es mag sein, dass Schell dieses Phänomen aus der Welt nicht verbannen konnte. Aber wer sollte ihm das es ihm zum Vorwurf machen. Was zählt ist der Kampf und dieser war in seinem Fall bemerkenswert. Immerhin hat er durch diese Sisyphos-Anstrengung selbst Beachtliches und die Zeiten Überdauerndes schaffen können und bewiesen, dass sich die Anstrengung lohnt. Schell liebe die Wüste, sagt er 2008 in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau. "Es ist schön, in der Wüste zu sein, weil man weiß, dass es irgendwo einen Brunnen gibt", zitiert er den kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry. Solche Brunnen, Oasen des Lebens in der Ödnis der Wildnis, möchte man pathetisch meinen, hat Schell zeitlebens gegraben.

Maximilian Schell mit Téa Leoni in "Deep Impact"

Maximilian Schell mit Téa Leoni in "Deep Impact"

Max will das Gras sein
Begonnen hat Schells Rebellion im Kindesalter, wie er sich im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau erinnert. Als er mit drei Jahren in einem Kinder-Theaterstück seines Vaters mitspielt, weigert sich der kleine Max partout gegen die Idee seiner Regie führenden Mutter, eine Blume zu spielen. Aus Protest geht der Junge an die Rampe und schreit in die Menge, dass er viel lieber ein Grashalm wäre.

Es sei der "Größte Erfolg, den ich je in meinem Leben hatte. Durch nichts mehr aufzuwiegen. Es ist natürlich schwer, schon mit drei Jahren den größten Erfolg seines Lebens zu haben. Danach kann eigentlich nur noch der Abstieg kommen", so Schell im Interview mit der Frankfurter Rundschau. Der Abstieg kam nicht, vielmehr eine Karriere, die Schell vom Theater über den Film und Musik bis hin zur Malerei und Schriftstellerei führen sollte.

Gustaf Gründgens

Gustaf Gründgens

Hamlet und Jedermann
Angefangen hat alles 1953 im Schweizer Basel, wo der damals 23 Jahre alte Nachwuchskünstler ein Engagement als Schauspieler, Regisseur und Dramaturg erhält. Danach ist der studierte Philosoph, Kunsthistoriker, Germanist sowie Musik- und Theaterwissenschaftler auf Bühnen in Essen, Bonn, München und Berlin tätig.

1959 holt ihn Gustaf Gründgens ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg, wo Schell unter anderem in dessen denkwürdiger "Hamlet"-Inszenierung den Titelhelden verkörpert. Aufsehen erregt er Ende der 1970er Jahre auch in der Rolle des "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen sowie als Opernregisseur, als er die Johann Strauß' Operette "Wiener Blut" für die Bühne inszeniert. Die Leidenschaft für die Musik bleibt Schell, der am Konservatorium von Bern Klavier studiert, bis heute. Er spielt regelmäßig Klavier - wie gut, das kann man einer Bemerkung Leonard Bernsteins entnehmen, der einmal sagte, dass das Klavierspiel Schells bemerkenswert sei.

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