Retro-Starportrait: Frauenschwarm O.W. Fischer | FILMREPORTER.de
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RETRO Feature

Eine zwiespältige Person: Erik Jan Hanussen (O.W. Fischer)
Einsamer Publikumsliebling

Frauenschwarm O.W. Fischer

O.W. Fischer ist in den 1950er Jahren einer der populärsten Schauspieler des deutschen Kinos. In der Zeit des Wirtschaftswunders spielt er vornehmlich Herzensbrecher und Lebemänner und gibt dem weiblichen Publikum, wonach es sich sehnt. Eine Hollywood-Karriere scheitert an seinem Eigenwillen, was seinem Erfolg in Deutschland keinen Abbruch tut. Der Erfolg hält bis in die 1960 Jahre, danach zieht er sich langsam aus der Öffentlichkeit zurück.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de, 31. Dezember 2018

O.W. Fischer und Klaus Kinski

O.W. Fischer und Klaus Kinski

Erste Erfahrungen - Leichte Komödien
Otto Wilhelm Fischer wird am 1. April 1915 als Sohn des Anwalts Franz Karl Fischer und seiner Frau Maria, geb. Schoerg, in Niederösterreich geboren. Nach der Matura im Jahr 1933 studiert er einige Semester Anglistik, Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Wien. 1936 bricht er das Studium ab und wechselt an das Max-Reinhardt-Seminar. Noch während der Ausbildung erhält er sein erstes Enagement am Theater an der Josefsstadt. 1937 steht er auf der Bühne der Münchner Kammerspiele, von 1938 bis 1944 ist er Ensemble-Mitglied des Deutschen Volkstheaters Wien. Hier fällt er durch Rollen auf, für die er später im Film Berühmtheit Erlangen wird. Er spielt gutaussehende Beaus und glänzt zugleich als Charakterdarsteller.

1936 debütiert Fischer mit einer kleinen Rolle in Willi Forsts "Burgtheater" im Kino. Es folgen Auftritte in Filmen, die in der Zeit des Dritten Reichs weder propagandistischen Inhalts sind, noch durch einen besonderen künstlerischen Anspruch auffallen. Es sind reine Unterhaltungsfilme, meist Komödien, die sich von der Politik nicht vereinnahmen lassen und sich einer eskapistischen Funktion verschreiben. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Fischer neben seiner Filmarbeit wieder vermehrt auf der Bühne zu sehen. Bis 1952 steht er auf den Brettern des Wiener Burgtheaters und fällt 1950 bei den Salzburgern Festspielen als Orsino in William Shakespeares "Was ihr wollt" auf.

Hanussen (O.W. Fischer) mit seiner Geliebten Priscilla (Erni Mangold)

Hanussen (O.W. Fischer) mit seiner Geliebten Priscilla (Erni Mangold)

Karrierehöhepunkt im Wirtschaftswunder
Der Höhepunkt seiner Filmkarriere erreicht Fischer in den 1950er Jahren. Das Jahrzehnt des Wirtschaftswunders ist sein Jahrzehnt. Er entwickelt sich zu einem der beliebtesten und bestbezahlten Schauspieler im deutschen Sprachraum und spielt mit Maria Schell ("Bis wir uns wiedersehn", 1952; "Solange du da bist", 1953) und Ruth Leuwerik ("Ein Herz spielt falsch", 1953; "Bildnis einer Unbekannten", 1954) vom Publikum verehrte Liebespaare. Fischer ist in den meist leichten Unterhaltungsfilmen der charmante Herzensbrecher und ungebundene Lebenskünstler - ein Rollenbild, nach dem sich die Menschen in der durch Pragmatismus und Tatendrang geprägten Aufbruchszeit offenbar sehnen.

Der Erfolg bringt Fischer neben Auszeichnungen auch Einfluss ein. Er sichert sich vertraglich Mitspracherecht an den Filmprojekten und nimmt Einfluss auf die Konzeption seiner Rollen. Zu seinen Paraderollen in diesen Jahren gehört unter anderem die Titelrolle in Helmut Käutners stark romantisiertem Historienfilm "Ludwig II. - Glanz und Elend eines Königs" (1955) sowie die George Bernard Shaw-Verfilmung "Helden" von Franz Peter Wirth, die 1958 mit einer Oscar-Nominierung für den besten ausländischen Film bedacht wird.

Auf der Jagd nach dem Schatz: O.W. Fischer als Peter Voss

Auf der Jagd nach dem Schatz: O.W. Fischer als Peter Voss

Rausschmiss aus Hollywood
Der Erfolg macht jetzt Hollywood auf Fischer aufmerksam. Doch die Zeit in der Traumfabrik ist für den Schauspieler alles andere als erfolgreich. Der eigensinnige Österreicher verkracht sich mit Regisseur Henry Koster und wird nach wenigen Drehtagen zu "Mein Mann Gottfried" wegen 'unüberbrückbarer Differenzen' aus dem Vertag entlassen. Seiner Popularität in Deutschland tut das keinen Abbruch. Neben "Helden" dreht er am Ende des Jahrzehnts den erfolgreiche Spielfilm "Peter Voss, der Millionendieb" von Wolfgang Becker sowie die Fortsetzung "Peter Voss, der Held des Tages" (1959) unter der Regie von Georg Marischka.

Mit Unterstützung von Marischka realisiert Fischer in dieser Zeit auch seinen ersten Film als Regisseur. Mit "Hanussen" dreht er 1955 eine Filmbiografie des gleichnamigen Hellsehers und wird von der Kritik mit Lob für die filmischen Qualitäten und Tadel für die insgesamt verklärende Haltung zum Nazigünstling Hanussen überschüttet. Gespalten ist die Kritik auch hinsichtlich seiner zweiten und letzten Regiearbeit "Ich suche dich" (1956), wo Fischer mit der Rolle eines Trinkers und Zynikers wie schon in "Hanussen" auch die Hauptrolle übernimmt.

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