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RETRO Feature

Burt Lancaster und Donald McDonald in "Der Mann aus Kentucky"
Tore zur Seele

Warmherziger Burt Lancaster

Die sportliche Statur Burt Lancasters und sein breites Lächeln, dessen Wärme und Ehrlichkeit vom durchbringenden Blick der Augen unterstrichen wurde, waren von jeher sein Markenzeichen. Sie bezeichnen die Pole des Menschen und Schauspielers. Der harte Kerl nach außen, das weiche, verletzliche Wesen im Inneren. Das machte das besondere Charisma Lancasters aus, was zu Vergleichen mit seinen Zeitgenossen Montgomery Clift und James Dean führte. Wie diese definierte sich auch Lancaster vor allem über die Strahlkraft seines Blicks - in dem sich die Welt und ihr Leid spiegelte.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de, 28. Januar 2019

Erin (Burt Lancaster) und die Adlige Maria (Denise Darcel) nähern sich an

Erin (Burt Lancaster) und die Adlige Maria (Denise Darcel) nähern sich an

Universeller Schauspieler
In über 70 Kinofilmen und mehreren Fernsehproduktionen wirkte Lancaster im Verlauf seiner knapp 45-jährigen Karriere mit. Diese Präsenz unterscheidet ihn von Clift und Dean, die beide früh verstorben sind. Anders als so mancher seiner Kollegen ließ sich Lancaster zudem nie in ein Rollenmuster zwängen. Vielfalt und Breite seines Repertoires waren für ihn wichtiger, als Kontinuität. Das machte ihn universeller einsetzbar. Er war der harte Kerl in seinem Debüt "Rächer der Unterwelt" (1946) sowie der strahlende Held in "Der rote Korsar" (1952) und "Trapez" (1956).

Zwielichtige Charaktere wie Elmer Gantry (1960) im gleichnamigen Film nahmen ihm die Zuschauer ebenso ab, wie sie den zartfühlenden "Gefangenen von Alcatraz" (1962) akzeptierten. Auch auf ein bestimmtes Genre wollte sich Lancaster nicht festlegen. In Film Noir und Western fühlte er sich ebenfalls wohl, wie in Thriller, Action oder Komödie. Dass Lancaster im Herbst seiner Karriere zunehmend auch von Regisseuren des europäischen Autorenfilms verpflichtet wurde - etwa von Luchino Visconti für "Der Leopard" (1963) und "Gewalt und Leidenschaft" (1974), von Bernardo Bertolucci für sein bildgewaltiges Epos "1900" oder von Louis Malle für "Atlantic City, U.S.A." (1980) - war daher nur auf den ersten Blick eine Überraschung.

Der Leopard

Der Leopard

Menschliche Figuren
Der Breite seines Rollenspektrums steht der Tiefe der Figuren entgegen. Will man eine Linie in der Vielfalt der Charaktere finden, so ist es zum einen der resignative Zug, den viele seiner Figuren auszeichnet. Diese Eigenschaft findet sich sowohl im Helden aus "Rächer der Unterwelt" als auch Jahre später in "Der Leopard". Viele seiner Charaktere zeichnen sich zudem durch eine charmante Gewitztheit aus, wie der Film-Dienst schreibt.

Das bewies Lancaster in früheren Rollen wie "Der rote Korsar " als auch in "Local Hero" (1983). Der bereits angesprochene Kontrast zwischen rauer Schale und weichem Kern ist der wohl der dickste rote Faden in Lancasters schauspielerischem Oeuvre. Figuren wie Robert Stroud in "Der Gefangene von Alcatraz" oder dem verhinderten Sportlers in "Feld der Träume" (1989) sind allesamt Menschen mit Herz, deren humanistische Weltsicht eine überraschende Konstante im rauen Charakter darstellt. "Was mich an allen Künsten am meisten fasziniert, ist die Möglichkeit, den Menschen zu offenbaren", so Lancaster gegenüber dem Film-Dienst im Jahr 1993.

Freunde und Feinde: Erin (Burt Lancaster) und Trane (Gary Cooper)

Freunde und Feinde: Erin (Burt Lancaster) und Trane (Gary Cooper)

Harte Arbeit
Die menschliche Komponente seiner Figuren war wohl ausschlaggebend dafür, dass Lancaster viel Herzblut in ihre Gestaltung steckte. Das ist ein Grund, wieso ihm die meisten Rollen geglückt sind. Vier Mal war er insgesamt mit einer Oscar-Nominierung bedacht worden - für seine Darstellung des Feldwebels Milton Warden in Fred Zinnemanns "Verdammt in alle Ewigkeit" (1953), für "Der Gefangene von Alcatraz" sowie für seine Altersrolle in Malles "Atlantic City, U.S.A."

Für seine bravouröse Interpretation eines scheinheiligen Sektenpredigers in "Elmer Gantry" bekam er den begehrten Filmpreis zugesprochen. Das hohe Leistungsniveau ist umso bemerkenswerter, als Lancaster niemals Schauspielunterricht nahm. Er war Autodidakt und sein Spiel das Ergebnis "einer Arbeit an sich selbst", so der Film-Dienst. Ein methodisches Herangehensweise an seine Figuren hat sich für ihn erübrigt, er musste seine Figuren gefühlt und sich mit ihnen identifiziert haben, was eine Annäherungen an diese leichter machte.

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