Retro-Starportrait: Johannes Heesters singt weiter | FILMREPORTER.de
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RETRO Feature

Johannes Heesters
100 ist kein Alter!

Johannes Heesters singt weiter

"Kein Wunder wenn man so viel tut, dass man am Abend gerne ruht" - unzählige Male hat Johannes Heesters diese Zeilen gesungen. Es ist 'sein' Stück "Heut geh' ich ins Maxim", Graf Danilos Auftrittslied aus Franz Lehárs Operette "Die lustige Witwe". Die Auftritte sind in den letzten Jahren selten geworden. Manchmal singt er es noch einmal. Wie gewohnt trägt er dann den weißen Schal zum schwarzen Anzug. Es ist die Uniform seines Alterswerks. Auch sonst ist sich Heesters treu geblieben: locker, unterhaltsam, ein wenig seicht und unpolitisch.
Von  Michael Domke, Filmreporter.de, 27. Februar 2019

Traumpaar des deutschen Revuefilms: Johannes Heesters und Marika Rökk

Traumpaar des deutschen Revuefilms: Johannes Heesters und Marika Rökk

Von der Bühne auf die Leinwand
Als Johannes Heesters zum ersten Mal die Bühne betritt, ahnt niemand, was noch kommen wird. Als 17-jähriger gibt er in Amsterdam sein Theaterdebüt. Dabei wird auch sein Gesangstalent entdeckt. Die Ausbildung zum Entertainer beginnt, der Grundstein für eine lange Karriere ist gelegt. Ein Jahrzehnt spielt er auf niederländischen Bühnen, bevor er erste Engagements in Deutschland annimmt.

1938 spielt er im Münchner Gärtnerplatztheater erstmals seine Paraderolle, den Grafen Danilo. Danach geht es steil bergauf: Schlager, Operetten, Ufa-Unterhaltungsfilme wie "Der Bettelstudent" und "Das Hofkonzert". Auch privat läuft es gut. 1930 heiratet Heesters die belgische Operettendiva Louise Ghijs, 1931 und 1937 kommen zwei Töchter (Schauspielerin Nicole Heesters und Pianistin Wiesje Heesters) auf die Welt. Bald ist er in Deutschland bekannter, als in seiner niederländischen Heimat.

Im weißen Rößl

Im weißen Rößl

Nahtloses Comeback
Das deutsche Publikum gibt ihm liebevoll den Spitznamen 'Jopie', den er bis heute trägt. Nach dem Krieg knüpft er in der BRD und in Österreich nahtlos an seine Erfolge an. Er bleibt der leichten Unterhaltung treu. Heesters bekommt Hauptrollen in Kinofilmen, darunter die heutigen Klassiker "Die Csardasfürstin" und "Im weißen Rößl". Er tritt zudem in zahlreichen Fernsehshows und -serien auf. Und immer wieder spielt er den Grafen Danilo auf der Operettenbühne. Aus seinem Privatleben dringt zunächst wenig nach außen. Sieben Jahre nach dem Tod seiner Frau heiratet Heesters 1992 erneut. Die 45 Jahre jüngere Schauspielerin Simone Rethel wird seine zweite Frau.

Johannes Heesters in "Die Csardasfürstin"

Johannes Heesters in "Die Csardasfürstin"

In Deutschland geliebt - in Holland verschmäht
Heesters macht in den dreißiger und vierziger Jahren keine politischen Filme. Dennoch ist er integraler Teil von Joseph Goebbels' Propagandamaschinerie. Seine Filme aus den Kriegsjahren sind in erster Linie eskapistische Fantasien. Sie sollen das Publikum ablenken, nicht aufhetzen. Nicht nur das Volk, auch die Reichsführung schätzt den Niederländer. Hitler etwa lobt Heesters' Auftritt in "Die lustige Witwe", seiner Lieblingsoperette. Goebbels setzt ihn persönlich auf die Gottbegnadetenliste unverzichtbarer Schauspieler, obwohl Heesters nicht einmal die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt.

Der Entertainer leugnet später politische Intentionen. Mehr noch als sein Freund Heinz Rühmann, der kurzzeitig mit einem Auftrittsverbot belegt wird, ist Heesters für die Siegermächte unverdächtig. Keiner seiner Filme wird verboten. Beinahe nahtlos kann er seine Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg fortsetzen - zumindest in Deutschland. Doch der steile Aufstieg im Dritten Reich führt jetzt zum Bruch mit seiner Heimat. Als er 1964 am Amsterdamer Carré-Theater auftritt, wird er scharf angegriffen. 1976 macht ein niederländischer Journalist Heesters' Besuch im Konzentrationslager Dachau im Jahr 1941 öffentlich. Bis heute ist nicht geklärt, ob Heesters bei dieser Gelegenheit vor der SS-Lagermannschaft auftrat oder lediglich das Lager besichtigte.

Nach dem Auftritt von 1964 vergehen über 40 Jahre, bis er erneut in Holland auf der Bühne stehen wird. Als er 2008 schließlich in seinem Geburtsort Amersfoort ein Konzert gibt, gibt es erneut Proteste. 2011 wird er von einem Staatsbankett mit Königin Beatrix wieder ausgeladen - nachdem er zuvor öffentlich seine Freude über den Anlass ausgedrückt hatte.

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