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Johannes Heesters in "Die Csardasfürstin"

Johannes Heesters in "Die Csardasfürstin"

In Deutschland geliebt - in Holland verschmäht
Heesters macht in den dreißiger und vierziger Jahren keine politischen Filme. Dennoch ist er integraler Teil von Joseph Goebbels' Propagandamaschinerie. Seine Filme aus den Kriegsjahren sind in erster Linie eskapistische Fantasien. Sie sollen das Publikum ablenken, nicht aufhetzen. Nicht nur das Volk, auch die Reichsführung schätzt den Niederländer. Hitler etwa lobt Heesters' Auftritt in "Die lustige Witwe", seiner Lieblingsoperette. Goebbels setzt ihn persönlich auf die Gottbegnadetenliste unverzichtbarer Schauspieler, obwohl Heesters nicht einmal die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt.

Der Entertainer leugnet später politische Intentionen. Mehr noch als sein Freund Heinz Rühmann, der kurzzeitig mit einem Auftrittsverbot belegt wird, ist Heesters für die Siegermächte unverdächtig. Keiner seiner Filme wird verboten. Beinahe nahtlos kann er seine Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg fortsetzen - zumindest in Deutschland. Doch der steile Aufstieg im Dritten Reich führt jetzt zum Bruch mit seiner Heimat. Als er 1964 am Amsterdamer Carré-Theater auftritt, wird er scharf angegriffen. 1976 macht ein niederländischer Journalist Heesters' Besuch im Konzentrationslager Dachau im Jahr 1941 öffentlich. Bis heute ist nicht geklärt, ob Heesters bei dieser Gelegenheit vor der SS-Lagermannschaft auftrat oder lediglich das Lager besichtigte.

Nach dem Auftritt von 1964 vergehen über 40 Jahre, bis er erneut in Holland auf der Bühne stehen wird. Als er 2008 schließlich in seinem Geburtsort Amersfoort ein Konzert gibt, gibt es erneut Proteste. 2011 wird er von einem Staatsbankett mit Königin Beatrix wieder ausgeladen - nachdem er zuvor öffentlich seine Freude über den Anlass ausgedrückt hatte.

Johannes Heesters Edition

Johannes Heesters Edition

In Deutschland wird Heesters anders wahrgenommen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg findet er als Sänger und Schauspieler sein Publikum. Spätestens seit seinem 100. Geburtstag wird er in seiner Wahlheimat zu einem Maskottchen. Patricia Riekel, Chefredakteurin der Bunten, verspricht ihm 2007 für jedes weitere Jahr einen Ehren-Bambi. Am Anfang hat er ihn abgeholt, mittlerweile wird ihm der Preis gebracht.

Heesters öffentliche Auftritte werden jetzt seltener. Meist lässt er seine Töchter oder seine Frau für ihn sprechen - vor allem seit er 2009 erblindet ist. Gelegentlich macht er noch mit Kuriosem auf sich aufmerksam. So kündigt er 2010 im Alter von 106 an, das Rauchen aufzugeben. Er wolle sein Leben nicht unnötig verkürzen. Oder er macht sich öffentlich Sorgen, seine 45 Jahre jüngere Frau zu überleben. Seit 1997 führt ihn das Guinness-Buch der Rekorde als ältesten aktiven Schauspieler der Welt. Manchmal steht er auch heute noch auf der Bühne, zuletzt in Rolf Hochhuths "Inselkomödie" im Berliner Theater am Schiffbauerdamm.

Johannes Heesters

Johannes Heesters

Privatmensch im Hintergrund
Solch amüsanten Geschichten zum Trotz: der Privatmensch Heesters bleibt immer im Hintergrund. Der Höhepunkt seiner Karriere liegt lange vor der Paparazzi-Ära. Heute sind Prominente geschult, der Öffentlichkeit kontrolliert Einblick in ihr Privatleben zu geben. In den Dreißigern, Vierzigern und Fünfzigern, als Heesters sozialisiert wurde, war der Künstler zum Anfassen nicht gefragt. Die Stars seiner Zeit waren unnahbar, die Homestory war ein seltener, respektvoll zelebrierter Akt.

Die Bühnen-Persona des gut gelaunten Unterhalters hat Heesters perfektioniert. In dieser Rolle wirkt er verbindlich. Doch gerade das erschwert den Blick hinter die Fassade. "Ein Diplomat muss schweigsam sein", heißt es in "Heut geh' ich ins Maxim". Diese Schweigsamkeit hat er sich bewahrt, wenn es um Privates geht. Heesters spricht sehr melodisch, auch in Interviews singt er schon mal statt zu antworten. Meist stimmt er bei solchen Gelegenheiten einen alten Schlager an. Damit fühlt er sich am wohlsten.
Michael Domke, Filmreporter.de - 27. Februar 2019

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