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RETRO News

Zarah Leander als Revuestar
Carl Froehlich auf Kaperfahrt nach Wien

Zarah Leander im U-Boot

Der deutsche Film ist immer auf der Suche nach neuen Gesichtern. Viele davon sind ausgezeichnete Schauspieler und manche verfügen über eine schöne Stimme. Doch der tiefe, feste Klang einer Zarah Leander ist unnachahmlich. Die Zeitschrift Stern berichtet am 6. Dezember 1938 von ihrer Entdeckung an der Wiener Operette.
Von  André Weikard/Filmreporter.de, 16. Oktober 2018

Zarah Leander um 1940

Zarah Leander um 1940

Operettenstern am Filmhimmel
Bei der UFA weiß man sich nicht zu helfen. Gesucht wird eine charismatische Hauptdarstellerin. Der Produktionsleiter und die Dramaturgen durchkämmen die deutschen Theater. Regisseur Carl Froehlich durchstöbert die Besetzungslisten. Es soll ein U-Boot-Film werden. Man braucht eine Kapitänsfrau, die eine ganze Seemannsmannschaft bändigen kann. Da empfiehlt jemand eine Wiener Sängerin. Froehlich fährt selbst in die Operette, wo die groß gewachsene Frau mit ihrer tiefen Stimme singt: "Gebundene Hände, das ist das Ende, jeder verliebten Passion."

Damit hat Zarah Leander den Regisseur sofort gefesselt. Er bittet die Dame nach ihrem Auftritt an seinen Tisch. Noch am gleichen Abend schließt Froehlich mit ihr einen Vertrag. Erst aber muss die schwedische Sängerin ihr Operetten-Engagement absolvieren. Dann ist es soweit: Zarah Leander kommt zu Dreharbeiten nach Berlin!

Die junge Zarah Hedberg mit Mutter

Die junge Zarah Hedberg mit Mutter

Zweite Marlene Dietrich
Zarah Leander kam und wurde einer der größten Stars des nationalsozialistischen Kinos. Ein U-Boot-Film wurde allerdings nie gedreht. Babelsberg wusste die Sängerin als glücklos verliebte Varietékünstlerin besser in Szene zu setzen. Ihr erster UFA-Film "Zu neuen Ufern" (1937) erinnert nur noch im Titel an die Rolle, die der Wiener Operettensängerin eigentlich zugedacht war.

Auch Carl Froehlich, der eigentliche Entdecker Leanders, führte nicht die Regie. Unter der Anleitung von Douglas Sirk spielt Leander eine Sängerin, die unschuldig in ein australisches Arbeitslager verschickt wird und sich nur durch die Heirat mit einem Farmer freikaufen kann. Leanders freizügiger Auftritt entsprach dabei eher dem Film der 1920er Jahre - und den Bedürfnissen des männlichen Publikums - als dem nationalsozialistischen Frauenbild.

In den Jahren darauf wurde sie von der deutschen Filmindustrie kontrolliert zur Nachfolgerin von Marlene Dietrich aufgebaut, die bereits 1930 in die USA ausgewandert war. Leanders Erfolg beim Film bedeutete zugleich das Ende ihrer Theaterkarriere. Bis 1958 war sie nicht mehr auf der Bühne zu sehen. Aber ihre zahlreichen Musiktitel begeisterten weiterhin ein großes Publikum - und tun es bis heute.
André Weikard/Filmreporter.de - 16. Oktober 2018
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