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RETRO News

Cover der Zeitschrift "Neue Illustrierte" am 28. Januar 1956
Nicht von der Bühne zu kriegen

Orson Welles spielsüchtig!

Was Schauspieler mit vollem Körpereinsatz auf der Bühne treiben, sieht oft nicht nur gefährlich aus, es ist es auch. Ein Wunder, dass nicht mehr Unfälle geschehen. Orson Welles, der zurzeit als Darsteller von William Shakespeares "König Lear" in New York auftritt, hatte gleich doppelt Pech. Erst verstauchte er sich auf der Bühne den linken Fuß, dann brach er sich auch noch den Knöchel des rechten Beines, als er humpelnd von der Bühne gehen wollte.
Von  André Weikard/Filmreporter.de, 15. Februar 2019

Ein passionierter Schauspieler wie Orson Welles lässt sich auch von einem Gipsbein nicht von seinem Auftritt abhalten.

Ein passionierter Schauspieler wie Orson Welles lässt sich auch von einem Gipsbein nicht von seinem Auftritt abhalten.

King Lear im Rollstuhl
Wer glaubt, das New Yorker Publikum müsse nach diesem Unfall auf seinen "König Lear" verzichten, oder das Theater müsse eine neue Besetzung finden, kennt Orson Welles schlecht. Der leidenschaftliche Schauspieler bestand darauf, schon bei der nächsten Aufführung wieder dabei zu sein - im Rollstuhl. Es ist also kein Einfall der Regie, den alternden König Lear mit eingegipstem Bein auf die Bühne zu bringen, sondern allein den Umständen geschuldet.

Die Boulevardzeitschrift Neue Illustrierte zeigte sich am 28. Januar 1956 verstört über den Sturkopf des Schauspielers. Wir sind uns jedoch sicher, der Kinodarsteller des Mohren "Othello" und des schottischen Königs "Macbeth" wird sein Publikum auch im Sitzen in seinen Bann ziehen.

Orson Welles in Die Wurzeln des Himmels

Orson Welles in Die Wurzeln des Himmels

Von Glück und Produzenten verlassen
Pech hatte Orson Welles auch in den folgenden Jahren - vor allem bei der Verwirklichung seiner eigenen Projekte. Aus Hollywood wegen seiner politischen Einstellung verbannt, versuchte der Hörspielautor von "Krieg der Welten", Regisseur von "Citizen Kane" und Schauspieler in "Der dritte Mann" seine Filmprojekte selbst zu finanzieren. Auch nahm er über 100 Rollen als Schauspieler und Synchronsprecher an. Allerdings blieben seine Projekte aus Geldmangel häufig unvollendet oder wurden kommerzielle Misserfolge.

So verstarb Hauptdarsteller Laurence Harvey während der Dreharbeiten zu "The Deep" (1970). Und bei einer Verfilmung von Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" (1969) verschwanden Filmrollen des abgedrehten Films. Schließlich fand Orson Welles auch privat nicht zu seinem Glück. Die Ehe mit Schauspielerin Rita Hayworth wurde nach nur vier Jahren 1948 wieder geschieden. Dennoch gilt das ewige Wunderkind Orson Welles bis heute zu Recht als einer der größten Regisseure aller Zeiten.
André Weikard/Filmreporter.de - 15. Februar 2019
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