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RETRO News

Eva Kerbler in einer Szene aus "Kabarett"

Gong

Wiener G'schichten mit Herz

Im Kabarett mit Willi Forst

Wer erinnert sich noch an alte Willi Forst-Filme wie "Maskerade", "Mazurka", "Operette" oder "Wiener Blut"? Einen Kinobesuch sind die musikalisch-komödiantischen Wiener Filme immer wert, auch wenn sie zumeist dem gleichen Muster folgen. Der erprobte Regisseur Forst bringt nun einen neuen amüsanten Filmstoff in die Kinos: "Kabarett" heißt das Werk. Und so bunt wie es der Titel verspricht, geht es darin auch zu.

Eva Kerbler als Leonie in "Kabarett"

Gong

Faszination? Nein danke!

Die Zeitschrift Gong berichtet in ihrer Ausgabe am 28. März 1954 von einem Gespräch mit dem Schauspieler und Regisseur Willi Forst. Dieser schilderte ausführlich die schwere Geburt des Namens für den neuen Film. "Geliebter Himmel" lehnte der Verleih vehement ab, dagegen gefiel den Herren "Faszination". Das wenig gebräuchliche Fremdwort gefiel Forst nicht. Er machte die Probe aufs Exempel und fragte das Aufwartemädel Liesl, was sie sich darunter vorstelle. "Überhaupt nix", war die Antwort und Forst setzte seinen Test fort. Im Atelier schrieb er einem Berliner Arbeiter das Wort auf seine Zigarettenschachtel. Der knurrte: "Seit wann machen denn jerade Sie politische Filme? Wenn allein im Titel schon das Wort Faschist und Nation vorkommen, wat soll dann erst noch der Inhalt bringen?" Um jegliche Missverständnisse zu vermeiden, schlug Forst daraufhin den ehrlich-einfachen Titel "Kabarett" vor. Für die musikalische Untermalung sorgen dieses Mal keine neuen Kompositionen, sondern altbekannte und berühmte Wiener Lieder und Berliner Gassenhauer. Hoffen wir, dass das Ganze letztendlich doch noch eine "Faszination" wird!


Willi Forst und Eva Kerbler in "Kabarett"

Gong

"Kraft durch Freude"

Beim Titel "Kabarett" blieb es nicht. Als der Film am 15. April 1954 in die deutschen Kinos kam, lief er unter "Dieses Lied bleibt bei Dir". Warum "Kabarett" den Produzenten nicht gefallen hat, ist bis heute unklar. Willi Forsts Karriere begann in den 1920er Jahren als Schauspieler. Die Rollen vom Zuhälter über Mörder bis zum Artisten beinhalteten meist Gesangseinlagen, die fester Bestandteil des Wiener Films dieser Zeit waren. Auch als Regisseur passte sich Forst diesem Trend an. Aus diesem Grund wurde er von den Nationalsozialisten geschätzt. Die schmissigen Komödien vermittelten perfekt das ausgerufene zynische Motto "Kraft durch Freude". Daher konnte Forst seine Arbeit während der gesamten Herrschaft der Nationalsozialisten fortführen. Seine wenigen Filme aus der Kriegszeit vermeiden jedoch politische Themen. Nach dem Krieg konnte Forst nicht an die Erfolge der 1930er und 40er Jahre anschließen. Einzig "Die Sünderin" mit Hildegard Knef wurde erfolgreich. Mit nur 54 Jahren zog sich der Regisseur resigniert aus dem Filmgeschäft zurück. Er meinte, sein Stil sei nicht mehr gefragt. 1980 starb er im schweizerischen Tessin an Krebs.

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