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Yvonne Buckingham am Set von "Affäre Christine Keeler"
Englische High-Society im Verruf

Affäre Christine Keeler verfilmt

Noch vor Drehbeginn hat der englische Spielfilm "Affäre Christine Keeler" viel Staub aufgewirbelt. Im Mittelpunkt steht eine brisante Affäre um die titelgebende Dame, die 1963 die englische Oberschicht erschütterte. Bislang wird das Drama nur in der dänischen Hauptstadt aufgeführt. Die Werbeplakate versprechen einen "Skandalfilm mit Sex-Orgien der höchsten Londoner Gesellschaft" und damit die "Sensation der Saison". Der Spiegel nimmt das Werk, das die Gemüter erhitzt, in seiner Ausgabe vom 8. Januar 1964 unter die Lupe.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de, 11. September 2019

Christine Keeler beim Foto-Shooting

Christine Keeler beim Foto-Shooting

Filmischer Skandal in vielerlei Hinsicht
Im Frühjahr 1963 kam der Skandal, der die gesamte englische Society erschütterte, ans Tageslicht. Damals wurde publik, dass das Callgirl Christine Keeler zur gleichen Zeit eine Affäre mit dem sowjetischen Marineattaché und Geheimagenten Jewgenij Iwanow und dem britischen Kriegsminister John Profumo unterhielt. Darin verwickelt war auch der Zuhälter Dr. Stephen Ward. Dem englischen Produzenten John Nasht kam sofort die Idee, den Stoff auf die Leinwand zu bringen. Dabei stieß er auf einige Widerstände, die schon bei der Besetzung begannen. Eigentlich sollte sich Christine Keeler selbst spielen. Dafür hätte sie von der britischen Schauspieler-Gewerkschaft als Schauspielprofessionelle anerkannt werden müssen, was man ihr aber verweigerte. Daraufhin verbot ihr Scotland Yard die Ausreise zu den Dreharbeiten in Kopenhagen.

Produzent Nasht brauchte einen Ersatz, den er schließlich im Starlet Yvonne Buckingham fand. Zudem war geplant, den Film als deutsch-englische Koproduktion in der Nähe von Hamburg anzufertigen. Der deutsche Koproduzent stieg aber aus, als Stellen aus Bonn den Verantwortlichen mitteilten, die deutsche Bundesregierung würde die Dreharbeiten als einen "unfreundlichen Akt" gegenüber England werten. Die englischen Filmleute erhielten keine Arbeitserlaubnis und so war das Filmteam gezwungen, den Dreh in die dänischen Novaris-Studios zu verlegen. Auch dort erregte die Produktion den Unmut der Bevölkerung. 14.000 Dänen votierten für einen Filmstopp, konnten diesen aber nicht erzwingen.

Das Ergebnis ist nun weniger skandalös als einfältig. Dilettantisch werden fiktive Dialoge mit dokumentarischen Texten und Wochenschau-Aufnahmen des Prozesses vermischt, wahrlich kein Genuss. Nichtsdestotrotz bemüht sich der Münchner Gloria-Filmverleih derzeit, das unsägliche Drama in die deutschen Kinos zu holen.

John Hurt

John Hurt

Mangelndes Interesse: Film und Aufregung versanden
Tatsächlich kam der Film niemals in die deutschen Kinos. Er wurde lediglich in Dänemark und den USA ausgestrahlt. Die Affäre lieferte aber noch knapp 30 Jahre später die Vorlage für einen weiteren Film. 1989 drehte Michael Caton-Jones den Film "Scandal", nach einem Buch von Christine Keeler. Darin spielten John Hurt und Ian McKellen die Hauptrollen. Bridget Fonda war in einer Nebenrolle zu sehen und wurde für ihre Leistung für den Golden Globe nominiert.
Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de - 11. September 2019
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