FILMREPORTER.DE
Best Entertainment
Filmreporter-RSS

RETRO News

Lilian Harvey mit Werner Stammer und seiner Frau Lisa

Gong

"Das kommt nicht wieder"

Lilian Harveys Memoiren

Wer viel erlebt, schreibt seine Memoiren jung. Genug zu erzählen hat Lilian Harvey sicher. Die britisch-deutsche Schauspielerin, die es bis nach Hollywood gebracht hat, lebt heute in ihrem Haus an der Côte d'Azur. Dort findet sie die Muße, schriftlich festzuhalten, was so viele ihrer Bewunderer schon immer wissen wollten. Sicher erinnert sie sich auch an Willy Fritsch, mit dem zusammen sie das Traumpaar des deutschen Films der 1920er Jahre war. Zwölf Filme drehte das Leinwandgespann zusammen. Der größte ist der Revuefilm "Der Kongreß tanzt" von 1931. Darin sang sie den heute noch beliebten Schlager "Das gibt's nur einmal" mit dem nostalgischen Refrain: "Das gibt's nur einmal, das kommt nicht wieder".

Lilian Harvey

Gong

Das süßeste Mädel der Welt

In den 1930er Jahren wurden ihre Filme in englischer und französischer Sprache synchronisiert. Zwischen 1932 und 1935 drehte sie mehrfach in Hollywood. Das "süßeste Mädel der Welt", wie sie die Presse hingerissen nannte, wird aber auch erzählen müssen, wie sie die Nationalsozialisten bespitzeln ließen und zur Emigration nach Frankreich zwangen. Die hübsche Leinwandblondine wollte sich den Kontakt mit ihren jüdischen Freunden und Kollegen nicht verbieten lassen. Während des Krieges trat sie vor französischen Soldaten auf, so dass ihr das NS-Regime 1943 die deutsche Staatsbürgerschaft entzog.

Im südfranzösischen Juan-Le-Pins lässt sich Lilian Harvey aber nicht gerne über die Schulter schauen. "Noch nicht lesen! Erst muss der Schlusspunkt unter die Memoiren", ruft sie dem Ballettmeister Werner Strammer zu, der zu Besuch gekommen ist. Auch der Reporter der Zeitschrift Gong, der in der Ausgabe vom 5. Dezember 1954 über das Schreibvorhaben berichtet, bekommt leider keinen Einblick in die unvollendeten Aufzeichnungen. Wie alle Anhänger von Lilian Harvey wird auch er auf die Veröffentlichung warten müssen.


Lilian Harveys Domizil an der Côte d'Azur

Gong

Pionier unter Pinien

Zu einer Veröffentlichung kam es nicht. Erst 1982 brachte ein Verleger Hans Borgelts "Das süßeste Mädel der Welt. Die Lilian-Harvey-Story" heraus. Weitere Biographien erschienen 1990 von Christiane Habich ("Lilian Harvey") und 1999 von Uwe Klöckner-Draga ("Wirf weg, damit du nicht verlierst…"). Dort ist auch nachzulesen, dass der Star aus der Pionierzeit des Films nach 1940 keinen Film mehr drehte.

Von ihrem Ehemann Hartvig Valeur-Larsen trennte sich Lilian Harvey schon 1955 und lebte künftig mit der Ostdeutschen Else Pitty-Wirth zusammen. Für die Enteignung ihres Vermögens durch die Nazis bekam sie eine Entschädigung. Und auch für ihre Verdienste um den deutschen Film erfuhr die Emigrantin späte Ehren. Man verlieh ihr das Filmband in Gold (1965) und dem Bambi (1967). Nach Deutschland kehrte sie nur zu Bühnenauftritten zurück. Harvey wohnte bis zu ihrem Tod 1960 in ihrem Haus im südfranzösischen Juan-les-Pins.

Zum Thema
Lilian Harvey

Lilian Harvey

Lilian Harvey gilt als Pionierin der Stummfilmzeit. In den 1930er Jahren wurden ihre Filme in englischer und französischer Sprache synchronisiert. Auch war... weiter

Weitere Retronews

Claudette Colbert

Erfolg auf ganzer Linie

Wir schreiben das Jahr 1934. Es gehört schon sehr viel Talent dazu, wenn man sich als US-Star auf... weiter
Humphrey Bogart als paranoider Kapitän Van Johnson

Schurke aus Leidenschaft

Das Raubein Humphrey Bogart gibt mal wieder den Bösewicht. Nachdem wir uns in Kinofilmen wie "African... weiter
Regisseur Curt Oertel am Set

Luther einmal anders

Schon mit seinem Dokumentarfilm "Michelangelo - Das Leben eines Titanen" erregte Curt Oertel... weiter