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Rache an Wolf Albach-Retty
Filmwelt

Münchener Bratwurstglöckl in Berlin

Neue Komödie von Hans Steinhoff
Schaut man sich derzeit in den Tempelhofer Ufa-Studios um, traut man seinen Augen kaum. Mitten in Berlin tragen die Leute Lederhosen, trinken aus riesigen Bierkrügen und benutzen Worte wie "bacherlwarm". Grund dafür ist der neue Film von Hans Steinhoff "Freut Euch des Lebens". Dieser nimmt seinen Ausgangspunkt im Münchner Bratwurstglöckl, wo die Kellnerin Gusti (Renate Müller) mit einem jungen Mann (Wolf Albach-Retty) aneinander gerät. Das Magazin Filmwelt berichtet in seiner Ausgabe vom 11. März 1934 über das Spektakel.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de,  25. November 2019
Renate Müller in der Zugspitzbahn
Filmwelt
Renate Müller in der Zugspitzbahn

Kellnerin setzt sich zur Wehr

Normalerweise mag die Gusti ihre Gäste. Sie flitzt zwischen den eng gestellten Bänken umher und verteilt gut gelaunt deftige bayrische Spezialitäten und große Humpen dunklen Bieres. An einem eisigen Wintertag vergeht ihr allerdings der Spaß an der Arbeit. An einem Tisch sitzt eine elegante Dame (Ida Wüst), die einen unangenehmen jungen Mann (Wolf Albach-Retty) neben sich hat. An allem mäkelt er herum und treibt die Gusti bis zur Weißglut. Als ihr der Kragen platzt, landet ein voller Suppenteller auf dem schicken Anzug des Störenfrieds.

Das kann der Wirt nicht dulden, hochkant schmeißt er die Gusti raus. Trost spendet ihr Stammtischbruder Gottfried Bumm (Leo Slezak). Der hat gerade bei einem Preisrätsel gewonnen und lädt die hübsche Kellnerin auf einen Kurzurlaub auf der Zugspitze ein. Dort angekommen, ist Gusti von der wunderschön verschneiten Bergwelt wie verzaubert. Doch dann taucht der Lümmel aus dem Bratwurstglöckl wieder auf!


Weit entfernt vom harmlosen Komödienregisseur

Hans Steinhoff war nicht nur Regisseur von harmlosen Komödien, wie man nach der Lektüre des oben stehenden Textes meinen könnte. Für "Hitlerjunge Quex" aus dem Jahr 1933 erhielt er das goldene Ehrenabzeichen der Hitlerjugend. Führende Nationalsozialisten waren begeistert. Heute darf der Film nicht mehr öffentlich aufgeführt werden. Bis 1945 drehte Steinhoff zahlreiche weitere Filme, welche das nationalsozialistische Gedankengut transportierten.

O.W. Fischer soll über den Regisseur gesagt haben: "Er ist brauner als Goebbels und schwärzer als Heinrich Himmler". Kurz vor Kriegsende floh Steinhoff von Dreharbeiten in Prag zunächst nach Berlin. Mit einem Flugzeug wollte er das Land verlassen, geriet aber unter Beschuss. Den Absturz überlebte er nicht.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de,  25. November 2019

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