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Harry Piel und Schimpanse Flips
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Liebe am Misserfolg schuld?

Harry Piel in der Manege
Kaum ein Beruf ist so aufregend und abwechslungsreich wie der des Artisten! Die Zirkuskünstler genießen es, mit der Gefahr zu spielen, kein Applaus ist so schön wie der nach einer besonders waghalsigen Nummer. Scheinbar spielend leicht meistern sie ihre Kunststücke auf dem Trapez oder Trampolin, verbiegen ihre Körper in die unmöglichsten Richtungen und sind dabei vor allem eines: Die Ruhe in Person. Was passiert, wenn ein Artist sich nicht vollkommen auf seinen Beruf konzentrieren kann, zeigt Harry Piel in seinem Zirkusdrama "Artisten". Die Filmwelt durfte sich das Drama vorab ansehen und berichtet in ihrer Ausgabe vom 16. Dezember 1934 darüber.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de,  1. Juli 2020
Harry Piel
Filmwelt
Harry Piel

Gedankenverloren in die Tiefe

Der Beruf des Artisten ist hart. Täglich trainieren die Zirkuskünstler mehrere Stunden, für Freizeit oder Zerstreuungen gibt es keinen Raum. Die Tage verrinnen zwischen Proben und Auftritten, jede Sekunde wird dem wichtigsten Kapital und dessen Stählung gewidmet: dem Körper. Um die komplizierten Kunststücke immer wieder perfekt ausführen zu können, bedarf es neben der perfekten Körperbeherrschung auch eines Höchstmaßes an Konzentration. Ist die gestört, ist der Artist ebenso aufgeschmissen, wie der Dompteur ohne seine Löwen. Mit eben diesem Problem hat der Hauptakteur der "Artisten" (Harry Piel) zu kämpfen. Seitdem Harry Peters verliebt ist, sind seine Gedanken mehr bei der Angebeteten Vera (Hilde Hildebrand), als bei der Arbeit. Die fängt an unter dem Liebesglück zu leiden, noch kann sich Peters aber nicht von der leidenschaftlichen Verzückung losreißen.

Es bedarf eines alarmierenden Erlebnisses, um den Verliebten wieder zur Räson zu bringen. Beim Absprung vom Trapez verliert er eines Abends die Nerven, verfehlt das Trampolin und droht haltlos in die Tiefe zu stürzen. Seine Rettung verdankt er einzig einem dressierten Elefanten, der den Unglücklichen mit seinen riesigen Zähnen auffängt. Nun endlich schafft es der Zirkuskünstler, sich von der Frau zu trennen und sich wieder voll und ganz seinem Beruf zu widmen.


Susi Lanner und Harry Piel in "Artisten"
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Susi Lanner und Harry Piel in "Artisten"

Harry Piel: Regisseur - Schauspieler - Nazionalsozialist!

Harry Piel war ein zweifelhafter filmischer Allrounder. Bereits als 20-jähriger gründete er in Berlin die Kunst-Film-Verlags-Gesellschaft und drehte seinen ersten Film. Für "Schwarzes Blut" aus dem Jahr 1912 schrieb er das Drehbuch, führte Regie und war auch als Produzent tätig. Die multiplen Aufgaben lasteten Piel aber nicht aus, drei Jahre später versuchte sich der geborene Düsseldorfer auch erstmals als Schauspieler. Mit der Komödie "Er oder ich" wagte er sich 1930 an den Tonfilm und war auch hier weiter erfolgreich.

Im Dritten Reich wurde der überzeugte Nationalsozialist Piel Mitglied der Waffen-SS, was ihm nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine sechsmonatige Haftstrafe und fünf Jahre Berufsverbot bescherte. 1953 kehrte Piel dem Filmgeschäft endgültig den Rücken. Er starb zehn Jahre später in München.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de,  1. Juli 2020

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Harry Piel
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