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Carl Zuckmayer
Der Spiegel

Carl Zuckmayer auf und davon

Zwiespältiger Graf als Autor
Das für den gestrigen 14. Oktober im bayerischen Rundfunk angesetzte Carl-Zuckmayer-Hörspiel "Kaninchentod" musste kurzfristig abgesagt werden. Dem vorausgegangen ist ein Hin und Her zwischen dem Dichter und der Hörspiel-Programmgemeinschaft, bestehend aus Bayrischer Rundfunk, Südwestrundfunk und Radio Bremen. Der Spiegel versucht in seiner Ausgabe am 15. Oktober 1952 dieser Sache auf den Grund zu gehen.
Von  Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de,  29. Oktober 2012

Flucht nach Amerika

Laut Carl Friedrich Kobbe vom bayerischen Rundfunk versprach Zuckmayer der Hörspielgemeinschaft sein erstes Originalhörspiel "Ulla Windblad". Dieses wurde jedoch aufgrund von Terminproblemen nicht rechtzeitig fertiggestellt. Daher bot der Dichter den "Kaninchentod" als Lösung an. Angeblich gab es aber schon einen schriftlichen Vertrag zwischen Zuckmayer und NWDR-Chef Dr. Heinz Schwitzke, der ebenfalls Anspruch auf das Hörspiel anmeldete. Als Schwitzke vom Vertragsbruch hörte, sprach er Zuckmayer darauf an.

Dieser antwortete ihm, dass nicht er, sondern ein gewisser Graf Hubert von Mittrowsky das Stück geschrieben hätte. Zuckmayer selbst hätte nur Schreibhilfe geleistet. Am 23. September besuchte Kobbe den Dichter in seinem Quartier im französischen Chardonne. Nur einen Tag später reiste Zuckmayer, ohne ein Wort für ein neues Hörspiel zu Papier gebracht zu haben, nach Amerika ab. Seine Ausrede war, das Visum würde ihm ablaufen.

Somit fielen die Rechte für "Kaninchentod" an den NWDR. Dem bayerischen Rundfunk-Intendanten Rudolf von Scholtz blieb das Nachsehen auf die verlorenen 3.000 DM, die Zuckmayer als Vorschuss für sein Stück erhielt.


Heinz Rühmann - Der Hauptmann von Köpenick
Kinowelt
Heinz Rühmann - Der Hauptmann von Köpenick

Große Dramen auf Leinwand

Das Stück "Kaninchentod" wurde niemals fertiggestellt. Zur Zeit der Berichterstattung im Spiegel lebte Carl Zuckmayer noch in den USA. 1938 sah er sich gezwungen, ins Exil zu gehen, da seine Mutter aus einer jüdischen Familie stammte. 1957 übersiedelte er jedoch wieder nach Europa und wurde knappe zehn Jahre später Schweizer Nationalbürger.

Carl Zuckmayer schrieb zahlreiche Dramen, Prosastücke und Essays. Viele seiner Stücke dienten als Vorlagen für Film- und Fernsehstücke. Das wohl berühmteste Werk, das seinen Einzug auf Leinwand und Bildschirm hielt, war "Der Hauptmann von Köpenick".
Von  Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de,  29. Oktober 2012

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