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Hans Adalbert Schlettow in "Schloß Hubertus"
Filmwelt

Leidenschaft über Standesgrenzen hinweg

Hansi Knoteck liebt arme Künstler

Ein Filmteam unter der Leitung von Produzent Peter Ostermayr hat sich ins Oytal nahe Oberstdorf im Allgäu begeben. Ludwig Ganghofers Heimatroman "Schloß Hubertus" steht auf dem Drehplan. Das unwegsame Gelände macht allen Beteiligten schwer zu schaffen. Müssen doch Kamera und Scheinwerfer auf schmalen Zufahrtswegen an den Drehort geschafft werden. Auch die weltstädtischen Komfort gewohnten Darsteller müssen sich umstellen. Nicht für jeden von ihnen steht ein eigenes Bett zur Verfügung. Mancher Schauspieler muss deshalb auf einer Matratze am Boden nächtigen. Filmveteran Ostermayr hat dergleichen schon oft erlebt. Gilt er doch seit Stummfilmtagen als Spezialist für Ganghofer-Verfilmungen. Selbst angesichts der verpatzten Aufnahme eines aufsteigenden Flugzeugs behält der Filmroutinier die Fassung. Das Magazin Filmwelt berichtet im Juni 1934 über die turbulenten Dreharbeiten.
Von  Michael Wenk,  29. Dezember 2020
Hansi Knoteck in "Schloß Hubertus"
Filmwelt
Hansi Knoteck in "Schloß Hubertus"

Jagdfieber und heiße Herzen

Der alte Graf Egge (Friedrich Ulmer) ist von seiner Jagdleidenschaft besessen. Ihm zur Seite steht der junge Jäger Franz (Paul Richter), dessen Vater einst von einem Wilderer erschossen wurde. Der Jäger Schipper (Hans Adalbert Schlettow) ist das Gegenteil von Franz: Böse, intrigant und stets darum bemüht, das Jagdfieber von Graf Egge weiter in die Höhe zu treiben.

Egges Kinder verfolgen die Aktivitäten des alten Grafen mit Sorge. Sein Sohn Tassilo (Arthur Schröder) ist Jurist und ein Freund der Armen. Selbst der Strafverteidigung notorischer Wilddiebe nimmt er sich an. Tassilos Herz gehört der Bürgerlichen Anna Herwegh (Grete Roman), sehr zum Leidwesen seines standesbewussten Vaters.

Egges Tochter Kitty (Hansi Knoteck) hat ebenfalls eine unstandesgemäße Liaison im Auge: Der mittellose Maler Hans Forbeck (Hans Schlenck) hat es ihr angetan. Enttäuscht von der Partnerwahl seiner Kinder vereinsamt Graf Egge immer mehr. Seine schrittweise Erblindung und die damit verbundene persönliche Isolation verleiten den Grafen zu einer Verzweiflungstat.


Friedrich Ulmer und Paul Richter
Filmwelt
Friedrich Ulmer und Paul Richter

Auf Ganghofer-Stoffe abonniert

Die Rolle des 'Seelchens' im deutschen Heimatfilm der Vorkriegszeit ist das darstellerische Terrain von Hansi Knoteck. Die gebürtige Wienerin nimmt in ihrer Jugend Ballettunterricht und besucht die Schauspielschule. Erste Theaterengagements führen sie nach Marienbad und Leipzig, wo Knoteck als jugendliche Naive von sich reden macht. "Schloß Hubertus" ist 1934 das Filmdebüt der damals 20-Jährigen. Ihre mädchenhaft-reine Ausstrahlung verhilft ihr in den folgenden Jahren zu weiteren Rollen als Unschuld vom Lande oder höheres Töchterlein.

1937 bis 1939 steht Knoteck im Mittelpunkt weiterer Heimatfilme nach Romanen des bayerischen Schriftstellers Ludwig Ganghofer: Sie dreht "Das Schweigen im Walde", "Der Edelweißkönig" und "Waldrausch", spielt außerdem die Titelfigur in Detlef Siercks Selma Lagerlöf-Verfilmung "Das Mädchen vom Moorhof". Als Partnerin von Heinz Rühmann und Hans Albers unternimmt Knoteck 1937 in "Der Mann, der Sherlock Holmes war" einen Ausflug ins Genre der Kriminalkomödie.

Ab 1940 mit ihrem Schauspielerkollegen Viktor Staal verheiratet, zieht sich die Knoteck Mitte der 1950er Jahre von der Filmarbeit zurück. Jüngere Kolleginnen wie Maria Schell haben ihr mittlerweile den Rang als seelenvolle Interpretin bodenständig-sensibler Frauenfiguren abgelaufen.
Von  Michael Wenk,  29. Dezember 2020

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