RETRO News
Mary Diehl mit Tochter KarinFilmwelt
Münchnerin in Berlin
Was mir bei meinem Besuch auffällt und mich sofort für die Schauspielergattin einnimmt, ist deren reizender Münchner Sprachklang. Ganz sanft hört man die Färbung aus ihren Worten heraus, die sich aber keines wirklichen Dialektes bedienen. Ganz anders war es bei der ersten Kinderdame Marys. Die brachte es nicht übers Herz ihren Schützling bei einem so erwachsen klingenden Namen zu nennen und erfand kurzerhand den Rufnamen 's Muckerl, der später in Mucki abgewandelt wurde und bis heute erhalten geblieben ist. Nach dem Tod der Eltern wuchs die kleine Mary bei ihren Großeltern auf. Sie hängt bis heute sehr an ihrem einzigen Geschwisterchen, dem Schauspieler Kurt von Ruffin, der bei unserem Treffen ebenfalls anwesend ist.

Dem hat sie auch die Bekanntschaft mit ihrem jetzigen Ehemann zu verdanken. Am Münchner Staatstheater waren die beiden Kollegen und ein bisschen Kuppelei des Bruders wird wohl im Spiel gewesen sein. Mary und Karl Ludwig heirateten und zogen nach Berlin, wo Mucki sich ganz dem Beruf ihres Künstlergatten anpasste. Sie sichtet ankommende Manuskripte, bespricht Rollen und nimmt ihm auch sonst allerlei ab. Zudem teilt die gebürtige Münchnerin die Lieblingsfreizeitbeschäftigung ihres Mannes: die Jagd. Sie sagt: "Als Münchnerin lag mir die Liebe zum Weidwerk im Blut." Einen Bock hat sie natürlich auch schon geschossen und zurzeit richtet sie ein kürzlich erstandenes Jagdhaus ein. Na dann: Waidmanns Dank für das Gespräch, Frau Mucki!
Mary DiehlFilmwelt
Propagandistische Filme
Im Erscheinungsjahr des Artikels befand sich Mary Diehls Ehemann Karl Ludwig in der Blüte seiner Karriere. In den 1930er und 1940er Jahren stand er in einer Reihe mit Schauspielern wie Heinz Rühmann und Hans Albers, auch wenn sein Name heute kaum noch bekannt ist. 1939 wurde er vom Propagandaminister Joseph Goebbels zum Staatsschauspieler ernannt. Diehl spielte in zwei Filmen, die als propagandistisch einzustufen sind.

Nach dem Krieg wandte er sich wieder dem Theater zu. Sein späterer Versuch noch einmal beim Film Fuß zu fassen, scheiterte. Karl Ludwig Diehl stirbt 1958. Er ist in München, der Heimatstadt seiner Frau Mary, begraben.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de,  14. Februar 2021

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