RETRO News
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Hertha Thiele
Verschlossene Schauspielerin
Zuhause bei Hertha Thiele
Auf der Bühne und der Leinwand erscheinen Schauspieler und Schauspielerinnen stets unnahbar und wie aus einer anderen Welt. Die Damen tragen oft pompöse Gewänder, sind perfekt geschminkt und lassen Männer wie Frauen von einem anderen, prunkvolleren Leben träumen. Eben darum ist es so interessant, die Menschen aus der Filmbranche einmal zuhause, in ihrem privaten Umfeld zu treffen. Ist das Leben der Filmsternchen wirklich so aufregend, wie man es sich vorstellt? Ein Reporter der Filmwelt ist dieser Frage nachgegangen und durfte die Schauspielerin Hertha Thiele in ihrem Domizil besuchen.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de,  13. März 2021
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Hertha Thiele
Privatleben soll privat bleiben
Die Filmwelt berichtet in ihrer Ausgabe vom 4. Februar 1934 über das Stelldichein bei der berühmten Aktrice. Diese erweist sich gleich zu Beginn als leicht schüchtern, auch Nahaufnahmen genehmigt die Schauspielerin den Fotografen nicht. Mehr noch, sie scheut sogar den direkten Blick in die Kamera. Das hätte man von einer kameraerfahrenen Darstellerin nun wirklich nicht gedacht! Ihr Ehemann Heinz Klingenberg will sich gar nicht fotografieren lassen. Bei unserem Eintreffen entflieht er schnell und ohne Wiederkehr. Ihr Privatleben mit ihrem Mann will die Hausdame so gut als möglich geheim halten und lässt sich auch bei Kaffee und Kuchen keine Einzelheiten entlocken.

Immerhin so viel erzählt sie uns: Heinz Klingenberg und sie haben sich in der Heimatstadt der Schauspielerin kennen gelernt. In Leipzig hatten beide Engagements am Theater, aber bald mussten sich die jungen Liebenden trennen. Thiele wurde in Berlin gebraucht, wo man einen Film nach dem anderen mit ihr drehte. Ihr Mann hingegen ging nach Köln, um dort Theater zu spielen. Zum Glück kam im September 1933 ein Angebot des Staatlichen Schillertheaters, so dass das Paar nun endlich in Berlin zusammen leben kann.
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Hertha Thiele
Keine Propagandafilme!
Hertha Thieles Filmkarriere begann 1931 mit "Mädchen in Uniform". Ihr Filmdebüt wurde vom Publikum begeistert aufgenommen, die Hauptdarstellerin mit Rollenangeboten überhäuft. Die Karriere war aber nur von kurzer Dauer. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten war sie beendet. Thiele verweigerte eine Teilnahme in Propagandafilmen, und sie konnte es nicht ertragen, dass ihr Mann es ihr nicht gleich tat. Als 1933 "S.A.-Mann Brand" in die Kinos kam, war die Ehe der beiden nicht mehr zu retten.

Vielleicht war dies der Grund, warum sowohl Thiele als auch Klingenberg nur wenig Lust hatten, den Reporter der Filmwelt 1934 in ihrem Heim zu empfangen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Hertha Thiele mit einem Berufsverbot belegt und emigrierte in die Schweiz. Nach dem Krieg zog sie in die DDR, wo sie in Fernsehproduktionen auftrat. Sie starb 1984 in Berlin.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de,  13. März 2021

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