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Zarah Leander
Perfekte Musik für Zarah Leander
Im Gespräch mit Theo Mackeben
Manchmal geht man nach einem vergnüglichen Kinoabend nachhause und kann nicht genau bestimmen, was am eben gesehenen Werk so gefallen hat. Oftmals sind es die grandiosen Hauptdarsteller, welche uns in Begeisterung versetzen, aber das große Ganze wird nur durch viele gelungene Komponenten zum unvergesslichen Erlebnis. Dabei spielt die Musik, wenn auch auf unbewusster Ebene, eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Filmwelt bringt in ihrer Ausgabe vom 21. Februar 1941 eine Reportage über Filmmusikkomponist Theo Mackeben.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de,  6. April 2021
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Eva Immermann, Hans Stüwe
Zarah Leander zur Höchstform verholfen
Bis heute hat Meister Theo Mackeben 35 Filme mit seinen Kompositionen veredelt. Er kämpft vehement für die Anerkennung von Filmmusik als einer gleichberechtigten musikalischen Gattung. Ignoranten Kritikern donnert er entgegen: 'Filmkomponist wird man, weil man sich der Aufgabe verschrieben hat, das Rätsel dieser Sphinx Film musikalisch ergründen zu helfen. Man kann dabei, wie zum Beispiel ich selber, ein todernster Musiker sein.'

Besonders stolz ist der Künstler auf seine Arbeit beim neuen Rolf Hansen-Film "Der Weg ins Freie". Zarah Leander spielt darin die prominente Opernsängerin Antonia Corvelli, die ihre Hochzeit in den 1830er Jahren hatte. Das Drehbuch sieht ein pompöses Opernfinale an einer Hofbühne vor. Nun war es die Aufgabe Mackebens, mit seiner Komposition den Stil der damals gefragten italienischen Opernmusik zu treffen und diese gleichzeitig an die dramaturgischen Gesetze des Films anzupassen. Zudem galt es, der besonderen Stimmlage der Leander Rechnung zu tragen. Die entspricht eigentlich derjenigen eines Tenors.

Der Komponist wagte das Experiment, ihre Stimme eine Terz tiefer zu legen als diejenige des Kammersängers Walter Ludwig. Vom Ergebnis seiner Mühen ist Mackeben geradezu begeistert. Er sagt sogar, Frau Leander hätte noch nie so schön gesungen wie in "Weg ins Freie". Wir freuen uns darauf, dies bald selbst hören und sehen zu können.
Kein Kriegseinsatz dank Musik
Theo Mackeben führte ein Leben für die Musik. Da die Eltern sein musikalisches Talent nicht förderten, musste sich der Junge selbst helfen. Um heimlich zu üben, schlich er sich regelmäßig in eine Klavierfabrik, wo er sich das Spielen selbst beibrachte. Bereits mit 15 Jahren gab er Konzerte, verlegte sich bald aber aufs Komponieren.

Mit dem Siegeszug des Tonfilms begann er Filmmusik zu schreiben, vor allem seine Schlager waren große Erfolge. Wegen seines Talentes wurde er während des Zweiten Weltkriegs als unabkömmlich eingestuft und nicht zum Militär einberufen. Er starb 1953 in Berlin.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de,  6. April 2021

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