Hans Magnus Enzensberger
Der Spiegel
Hans Magnus Enzensberger
Hans Magnus Enzensberger verklagt Verlag
Retro News: Ausstehende Honorarzahlungen
Im vergangenen April 1961 trafen sich Schriftsteller aus der Bundesrepublik und aus der Sowjetzone, um in der Hamburger Universität über die Schriftsteller von heute zu diskutieren. Das Gespräch war über zwei Abende verteilt. Der erste Teil fand unter dem Thema "Tolstoj, die Krise der Kunst und wir" statt, während das zweite Thema "Der PEN-Club in unserer Zeit" lautete. Dass dieses Gespräch als Streitgespräch ausgelegt war, störte niemandem. Dementsprechend hoch ging es auch her. Doch was sich der Hamburger Verlag Rütten & Loening Monate später leistete, entrüstete nicht nur Hans Magnus Enzensberger, der bei diesem Gespräch ebenfalls anwesend war.
Gebrauchtwagen - Händler Becker auf dem Cover von "Der Spiegel"
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Unerlaubte Veröffentlichung
Neben Enzensberger waren außerdem der Schriftsteller Martin Beheim-Schwarzbach und der Literatur-Kritiker Marcel Reich-Ranicki zugegen. Auf der anderen Seite des Podiums saßen die Vertreter für das PEN-Zentrum Ost und West, Dr. Arnold Zweig, der Leipziger Literaturhistoriker Professor Hans Mayer und der Publizist Carl August Weber. Das Gespräch leitete der Feuilletonchef der Zeit, Dr. Rudolf Walter Leonhardt. Es wurde protokolliert und auf Tonband aufgenommen.

Und genau um diese Tonbandaufnahmen ging es Hans Magnus Enzensberger Monate später, wie das Magazin Der Spiegel am 24. Mai 1961 berichtet. Denn der oben genannte Hamburger Verlag brachte die Tonbandprotokolle in Buchform heraus, allerdings ohne vorher die Erlaubnis der west- und ostdeutschen Schriftsteller eingeholt zu haben. Ebensowenig klärte der Verlag die Honorarfrage. Dies verleitete den Dichter Enzensberger zu einer Klage gegen Rütten & Loening.
Ricore
Unbequemer Hans Magnus Enzensberger
Wie die Klage gegen das Verlagshaus Rütten & Loening ausgegangen ist, ist heute leider nicht mehr bekannt. Allerdings ist das Streitgespräch in Buchform auch heute noch erhältlich, und zwar vom selben Verlag, der damals von Enzensberger verklagt wurde. Heute gilt er als einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller, Dichter und Übersetzer. Einige seiner Bücher veröffentlichte er auch unter den Pseudonymen Andreas Thalmayr, Linda Quilt, Elisabeth Ambras und Serenus M. Brezengang. Enzensberger lebt heute in München.
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2021