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Marie-Hélène Dumoulin hat ein Geheimnis erfahren
Film und Frau

Späte Wahrheit

Denkmal für die Résistance

Der Zweite Weltkrieg hat die Lebensumstände tausender Menschen in Europa von einem Tag auf den anderen völlig verändert. Während die meisten versuchten, so gut es ging ihr eigenes Leben zu schützen und sich irgendwie durchzuschlagen, gab es gerade im Ausland einige, die sich von der deutschen Aggression nicht unterkriegen lassen wollten. Sie fanden ihre eigenen Wege, sich der Besetzung zu widersetzen.
Von  Karolina Zebrowski/Filmreporter.de,  13. September 2013
Danielle Darrieux spielt die Freiheitskämpferin Marie Octobre
Film und Frau
Danielle Darrieux spielt die Freiheitskämpferin Marie Octobre

Langer Schatten der Vergangenheit

Ein Beispiel für ungebrochenen Kampfeswillen und Gerechtigkeitssinn stellt die französische Résistance dar. Im ganzen Land bildeten sich Gruppen, die im Untergrund gegen die Besetzungsmacht agierten. Der Kampf dieser Widerstandsgruppen war schließlich vom Erfolg gekrönt. Nach der Befreiung durch die US-Amerikaner und der darauffolgenden Kapitulation der Deutschen konnten die Widerstandskämpfer wieder in ihr altes Leben zurückkehren oder ein neues anfangen. Wie lebt es sich aber mit so einer Kriegs-Erfahrung und wie vergisst man die Freunde und Brüder, die im Widerstand neben einem das Leben gelassen haben? Das Leben nimmt seinen Lauf und fragt nicht, wer auf der Strecke geblieben ist. Was aber passiert, wenn einen fünfzehn Jahre später die Vergangenheit einholt und wie der Einzelne auf unangenehme Enthüllungen reagiert, das wird in Julien Duviviers neuem Drama "Marie-Octobre" gezeigt. Das dritte Vierteljahresheft der Film und Frau berichtet vom Schicksal der Freiheitskämpferin Marie-Hélène Dumoulin (Danielle Darrieux), die sich unter dem Namen Marie Octobre einer Gruppe von Kämpfern der Résistance anschloss. Obwohl sie sich ein neues Leben als Chefin eines Pariser Modehauses aufgebaut hat, holt sie die Vergangenheit wieder ein.


Marie-Hélène hat einen Plan, um sich zu rächen
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Marie-Hélène hat einen Plan, um sich zu rächen

Huldigung der Poetischen Realisten

"Marie-Octobre" war einer der letzen Filme des großen Filmregisseurs Julien Duvivier, der mit diesem Schuld-und-Sühne-Drama dem französischen Vorkriegskino huldigte. Duvivier Karrierehöhepunkt war in den 1930er Jahren. Während des Zweiten Weltkrieges ging er ins US-amerikanische Exil, wo er in den Kriegsjahren fünf Filme drehte. Zurück in Frankreich, konnte er an seine alten Erfolge als Vertreter des Poetischen Realismus nicht mehr anknüpfen. Zu unerbittlich rücken die neuen Wilden der Nouvelle Vague Jean-Luc Godard, François Truffaut und Claude Chabrol nach, um fortan einen neuen Stil zu prägen. Duvivier wechselte Anfang der 1950er ins Unterhaltungsfach und schuf heutige Klassiker wie "Don Camillo und Peppone". 1959 drehte er schließlich "Marie-Octobre". Der Film ist ein ernstes Kammerspiel mit elf Schauspielern, das vom Stil an seine Vorkriegswerke erinnert. Heute ist Duvivier vor allem für seinen akkuraten und zugleich düsteren Stil bekannt. Das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) widmete dem Regisseur, der 1967 bei einem Autounfall verunglückte, im Mai 2009 eine Werkschau. Bezeichnenderweise zeigte das Museum schwerpunktmäßig Werke aus den 1930er Jahren. Zu den Bewunderern seiner Regiearbeit zählten unter anderem Jean Renoir, Orson Welles und Ingmar Bergman.
Von  Karolina Zebrowski/Filmreporter.de,  13. September 2013

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Marie-Octobre - Kinofilm
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