Film Journal
Werner (Mario Adorf) ist rücksichtsloser Kopf der Bande
"Am Tag, als der Regen kam"
Tabufilm und soziale Reichweite
Mit einem Gewaltfilm Jugendliche anzusprechen, ist nicht schwer. Einen Gewaltfilm zu drehen, der sein Publikum von der Gewalt abbringen soll, gestaltet sich dagegen diffiziler. Regisseur Gerd Oswald wagt sich mit "Am Tag, als der Regen kam" an das gern totgeschwiegene Thema der Jugendkriminalität.
erschienen am 8. 09. 2014
Film Journal
Rudi (Claus Wilcke) wird bei seinem letzten Raubzug verletzt, macht aber schon neue Pläne
Innenleben einer Jugendbande
Wie das Filmjournal vom 19. Oktober 1959 berichtet, besetzte Gerd Oswald sein Projekt mit jungen Hoffnungsträgern der Filmszene. Mario Adorf spielt Werner, den Anführer der "Schwarzen-Panther". Elke Sommer mimt Ellen, den Lockvogel der Gruppe. Desweiteren sind Gert Fröbe als Werners Vater, Claus Wilcke, Horst Naumann und Corny Collins zu sehen. "Am Tag, als der Regen kam" porträtiert die gruppendynamischen Entwicklungen, die innerhalb einer kriminellen Jugendbande reifen können. Zum Inhalt: Ein Mord geschieht. Die Bande sieht gelähmt zu, wie eines ihrer Mitglieder verblutet. Die Tat verdeutlicht die wahren Motive: Es ist der Trotz der Jugendlichen gegen ihre Umwelt, idealisiertes Heldentum und falsches Kameradschaftsgefühl. Gerd Oswald will wachrütteln und eine Debatte initiieren. Er will Jugendliche jeder sozialer Herkunft zum Nachdenken bringen und nicht einen der vielen Reißer für Halbstarke aus dem Ärmel schütteln.
Film Journal
Der verständnisvolle Kriminalassistent Thiel (Horst Naumann) will helfen
Ästhetisch aber irrelevant
Die Unschuld der typischen Jugendfilme zu Beginn der 1950er Jahre war verloren. Gerd Oswalds harte Bilder in schwarz-weiß bewirkten eine düster-beklemmende Atmosphäre der Großstadt Berlin. Kritiker bemängelten allerdings die fehlende soziale Relevanz von "Am Tag, als der Regen kam". Ausrichten konnte Oswald im Nachhinein wenig. Für Mario Adorf war es aber das Sprungbrett zu einer langen und erfolgreichen Karriere. Er wurde einer der gefragten deutschen Bühnen-, Fernseh- und Kinoschauspieler. Dem Film entsprang außerdem ein Welthit. "Am Tag, als der Regen kam". Die Komposition von Gilbert Bécaud wurde von der französischen Sängerin Dalida interpretiert. Auch die Lieder "Charlie Brown" und "Heute geh' ich nicht nach Hause" wurden bekannt.
erschienen am 8. September 2014
Zum Thema
Regisseur Gerd Oswald wagt sich mit "Am Tag, als der Regen kam" an das gern totgeschwiegene Thema der Jugendkriminalität. Er porträtiert die gruppendynamischen Entwicklungen, die innerhalb einer kriminellen Jugendbande reifen können. Zum Inhalt: Ein Mord geschieht. Die Bande sieht gelähmt zu, wie eines ihrer Mitglieder verblutet.
Mario Adorf ist seit Jahrzehnten eine feste Größe im deutschsprachigen Theater und Film. 1930 in Zürich geboren, aufgewachsen im kleinen Eifelstädtchen Mayen als Sohn einer Deutschen und eines Italieners. Adorf hat europäische Kinogeschichte mitgeschrieben. Vielseitig wie ein Chamäleon arbeitete er in über 170 Filmen mit Regiemeistern wie Billy Wilder, Sam Peckinpah, Robert Siodmak, Michael Verhoeven, Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta, Damiano Damiani, Bernhard Sinkel und Rainer Werner..
Sein Beruf wurde Gerd Oswald praktisch in die Wiege gelegt. Geboren in Berlin, begann er seine Karriere zunächst als Regieassistent, unter anderem bei "Rommel, der Wüstenfuchs". Zu seinen bekanntesten Regiearbeiten gehört die Filmadaption von Stefan Zweigs "Schachnovelle", zu der Oswald auch das Drehbuch schrieb. Außerdem führte er bei einzelnen Folgen der Fernsehserien "Raumschiff Enterprise" und "Bonanza" Regie.
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