Filmrevue
Synchronsprecher bei der Arbeit
Die besten Synchronsprecher der Welt
Retro News: Leihaus der Stimmen
Seit in deutschsprachigen Ländern pro Jahr mehrere Hundert Filme aus vieler Herren Länder über die Leinwände flimmern, entwickelte sich innerhalb des Filmgeschäfts ein eigenes Berufsbild heraus: der Synchronsprecher. Oft werden dafür berühmte Schauspieler eingesetzt, die neben ihrer naturgegebenen spielerischen Begabung viele weitere Talente besitzen müssen: Einfühlungsvermögen, Musikalität, Phantasie, schnelles Texterfassen und hohe Konzentrationsfähigkeit. Die Zeitschrift Film Revue sprach mit einigen der besten Synchronsprecher und veröffentlichte ihre Namen in der Ausgabe vom 10. Mai 1960.
Von  Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de,  29. Oktober 2014
Filmrevue
Marion Degler im Synchronstudio
Eine (Stimme) für alle
Das Leben eines Synchronsprechers ist alles andere als einfach. Das Leben am Set unterscheidet sich von der Arbeit im Studio: Bis zu elf Stunden täglich müssen Synchronsprecher im Dunkel des Ateliers ausharren. Sie müssen schreien, lachen oder zärtliche Liebesworte flüstern. Ihre Stimmung muss sich hundert Mal am Tage ändern und dem jeweiligen Film anpassen. Manchmal nämlich dauert die Synchronisation eines ganzen Filmes nicht länger als vier Tage. Manchmal geht das auch auf Kosten der Qualität, vor allem weil Produzenten die deutsche Sprache allzu billig verkaufen. Meist werden für die deutschen zweiten Ichs der ausländischen Stars die besten und erfahrensten Profis an Land gezogen.

Wer aber sind nun die deutschen Stimmen? Marion Degler spricht beispielsweise gleich mehrere Hollywood-Damen: Elizabeth Taylor, Joanne Woodward, Audrey Hepburn, Sophia Loren, Mary Ure, Judy Garland, Juliette Mayniel und Claire Bloom. Carl Raddatz leiht sein Vokal hauptsächlich Robert Taylor, José Ferrer, Laurence Olivier, Humphrey Bogart und O.E. Hasse. Edith Schneider, Gattin von Peter Mosbacher ist zuständig für Ava Gardner, Doris Day und Ginger Rogers. Sie sprach aber auch schon für Joan Crawford, Anita Ekberg, Lana Turner, Alexis Smith, Olivia de Havilland und Jane Russell. Sie sehen also, liebe Leser, eine Stimme kann auch für mehrere Rollen eingesetzt werden.
Warner Bros.
Er kann aber auch ernst
Fanprotest wegen Stallone-Stimme
Die Arbeit der Synchronsprecher sorgt auch heute noch, rund 50 Jahre nach dem Bericht der Zeitschrift Film Revue, für Gesprächsstoff. Heute ist die Zuordnung von Schauspielern und Synchronsprechern allerdings meist fest, um den Wiedererkennungswert zu garantieren. Wird dieses ungeschriebene Gesetz einmal nicht eingehalten, hagelt es Fan-Proteste. Dies geschah unter anderem bei Bruce Willis. Beinahe all seine Filme wurden von Manfred Lehmann synchronisiert. Bis auf "Stirb langsam - Jetzt erst recht". Da nämlich übernahm Thomas Danneberg die deutsche Stimme. Der aber wird bis heute mit Roy Scheider, Arnold Schwarzenegger, John Travolta und Sylvester Stallone identifiziert. Aufgrund der Fanproteste blieb "Stirb langsam - jetzt erst recht" tatsächlich der einzige Willis-Film, den Danneberg synchronisierte. Danach kam wieder Manfred Lehmann zum Zug.
Von  Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de,  29. Oktober 2014
Zum Thema
Marion Degler hatte neben der Schauspielerei auch eine Karriere als Synchronsprecherin. Von 1952 und 1996 zählte sie zu Deutschlands meistbeschäftigten Synchronsprecherinnen. Sie lieh unter anderem Audrey Hepburn in "Frühstück bei Tiffany" und Elizabeth Taylor in "Die Katze auf dem heißen Blechdach" ihre Stimme.
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2021