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Gerhard Riedmann in "Geliebte Bestie"
Film Revue

Margit Nünke ist "Geliebte Bestie" von Gerhard Riedmann

Tigerbändiger liebt Mädchen im Tigerfell
"Geliebte Bestie" ist die vorerst letzte Regiearbeit des erfahrenen Regisseurs Arthur Maria Rabenalt. Es ist ein Stoff, den dieser schon einmal unter dem Titel "Männer müssen so sein" inszeniert hatte. In der früheren Version aus dem Jahr 1939 spielten Hertha Feiler und Hans Söhnker die Hauptrollen, in der Neuauflage betört Margit Nünke als Mädchen im Tigerfell ihren Kollegen Gerhard Riedmann.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  22. Dezember 2014
Margit Nünke in "Geliebte Bestie"
Film Revue
Margit Nünke in "Geliebte Bestie"

Raubtierdompteur zähmt Tigerfrau

Mädchen im Tigerfell - das ist die Kunstfigur von Beatrix (Margit Nünke), die in hinreißend schönen und fantasievollen Kostümen als Tänzerin in der Welt der großen Varietés zwischen London und Wien die Zuschauermassen begeistert. Auch Ruda (Gerhard Riedmann) ist ganz angetan von der schönen Tänzerin, nur verwechselt der Raubtierdompteur gelegentlich das Leben mit seinen Tierkäfigen und die Frauen mit seinen Raubkatzen. Und so überträgt er sein Verhalten im Raubtiergehege auch mal auf sein Verhalten mit Beatrix, die er glaubt, bändigen und züchtigen zu müssen. Es bleibt daher dem Zuschauer überlassen, die endgültige Entscheidung darüber zu treffen, wer nun die "Geliebte Bestie" ist, Beatrix oder Ruda, wie die Filmzeitung Film Revue am 6. Januar 1959 berichtet.


Margit Nünke und Gerhard Riedmann in "Geliebte Bestie"
Film Revue
Margit Nünke und Gerhard Riedmann in "Geliebte Bestie"

Arthur Maria Rabenalt - Zwischen Konfrontation und Anpassung

Nichts Neues aus der Zirkusmanege. Arthur Maria Rabenalts "Geliebte Bestie" ist zwar handwerklich routiniert umgesetztes Unterhaltungskino, kann aber dem Genre nichts Innovatives abgewinnen. Der Film raffe nahezu "sämtliche Sensationseffekte zusammen, die seit der Stummfilmzeit in der Manege erprobt sind", urteilt das Lexikon des Internationalen Films. Von "Tigernummern mit blutigem Ausgang" über einen "dämonischen Meisterschützten, der seine Partnerin tötet" bis hin zum "Striptease im Kugelregen" werden keine Klischees ausgelassen.

Rabenalt begann seine Karriere als Regisseur beim Theater, wo er durch avantgardistische Formexperimente auf sich aufmerksam machte. Seine ehrgeizigen Theaterprojekte hatten mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ein Regieverbot zur Folge. Danach wechselt Rabenalt endgültig zum Film. Zuvor hospitierte er bereits als Regievolontär bei Alexander Korda ("Der Tänzer meiner Frau", 1925) und als zweiter Regieassistent von Georg Wilhelm Pabst in dessen "Die Herrin von Atlantis" (1932).

Auch beim Film gerät Rabenalt zunächst in Konflikt mit dem Regime. Seine Komödie "Ein Kind, ein Hund, ein Vagabund" wird verboten, sodass der Regisseur seine Tätigkeit nach Frankreich, Italien und Österreich verlegt. Sehr früh spezialisiert er sich auf Musik- ("Das Frauenparadies", 1936) und Zirkusfilme ("Zirkus Renz", 1943). In den 1940er Jahren scheint sich Rabenalt mit den Machthabenden arrangiert zu haben, auch wenn er später auf den unpolitischen Charakter seiner Filme beharrte. 1940 ist er Ko-Regisseur und Regieberater für Leni Riefenstahls "Tiefland". "...reitet für Deutschland" (1941) ist ein tendenziöser Propagandafilm, der die Überlegenheit Deutschlands zum Thema hat.

Nach dem Krieg ist er als Regisseur für die DEFA tätig und inszeniert für die ostdeutsche Produktionsgesellschaft Werke wie "Chemie und Liebe" (1948) und "Das Mädchen Christine" (1949). In Westdeutschland realisiert er das Remake von "Alraune" (1952), das er mit Erich von Stroheim und Hildegard Knef prominent besetzt. Dem Genre des populären Musikfilms bleibt er auch in der Bundesrepublik weiterhin treu ("Der Zigeunerbaron"). Ab den 1960er Jahren ist er überwiegend fürs Fernsehen tätig.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  22. Dezember 2014

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