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Don Ameche als "Casanova im Ruhestand" in "Ein himmlischer Sünder"
Film Revue

Ernst Lubitschs "Ein himmlischer Sünder"

Der Himmel kann warten
Aus der Entstehungszeit von Ernst Lubitschs "Ein himmlischer Sünder" stammt eine Anekdote, die nicht nur den Charakter des Regisseurs, sondern auch die Essenz seines komödiantischen Werks auf den Punkt bringt. Für eine Revue-Szene der Komödie brauchte Lubitsch eine Anzahl attraktiv aussehender Damen. Wie üblich überstieg die Zahl der Kandidatinnen die erforderliche Menge.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  7. Januar 2015
Unter der Haube Martha (Gene Tierney) und Henry (Don Ameche)
Film Revue
Unter der Haube Martha (Gene Tierney) und Henry (Don Ameche)

Casanova im Ruhestand

Unter den Bewerberinnen befand sich auch eine Frau, die bereits weit in Ihren Dreißigern war, jedoch mit kokettem Lächeln angab, Mitte 20 zu sein. Ernst Lubitsch betrachtete sie kurz und sagte dann lakonisch: "Kommen Sie wieder, wenn Sie 18 sind". Das war Lubitsch: trocken, geistvoll, ironisch. Zugleich verstand es der begnadete Komödiant, die kleinen Bosheiten so genial zu servieren, dass man lacht, mindestens schmunzelt, aber immer nachdenklich wird. Von diesem Geist ist auch "Ein himmlischer Sünder" beseelt, berichtet die Film Revue im 23. Heft des Jahres 1952.

Lubitsch habe darin die Lebensgeschichte eines unverbesserlichen alternden Schürzenjägers mit einer "unsentimentalen Wärme und unsentimentaler Ironie" auf die Schippe genommen, so die Film Revue. Als der Casanova im Ruhestand plötzlich verstirbt, findet er sich vor den Pforten der Hölle. Mit allem Komfort der modernen Zivilisation ausgestattet, ist dies ein Ort, den man nur allzu gerne wieder verlassen würde. Und doch wird der verstorbene Frauenheld hier nicht aufgenommen. Denn als er seine Lebens- und Liebeschichte dem spitzbärtigen Teufel erzählt, sieht dieser keinen Grund, ihn in seinem Hotel aufzunehmen.


Henry (Don Ameche) im "Hotel" des Teufels (Laird Cregar)
Film Revue
Henry (Don Ameche) im "Hotel" des Teufels (Laird Cregar)

Filme wie Schweizer Käse

Ernst Lubitschs Filme hätten so viele Löcher wie ein Schweizer Käse, sagte einst Lubitsch-Bewunderer Billy Wilder. Tatsächlich entwickelt Lubitsch früh einen besonderen Stil der Auslassungen und Andeutungen. Dieser Lubitsch-Touch war die einzig mögliche Form, um seine anzüglichen, mit viel Erotik versehenen Geschichten zu verpacken. "In Wahrheit geht es darum, gerade keine Geschichte zu erzählen, vielmehr das Mittel zu suchen, sie überhaupt nicht zu erzählen" sagte einmal François Truffaut über das Werk des Regisseurs.

Der in Berlin geborene Lubitsch emigriert 1922 in die USA und entwickelt sich hier innerhalb kürzester Zeit zu einem gefragten Regisseur. Viele seiner Operetten ("Liebesparade", "Monte Carlo") sowie Komödien ("Ärger im Paradies", "Serenade zu Dritt", "Rendezvous nach Ladenschluß") sind stilbildend. Das Spätwerk Lubitschs wird immer satirischer, was auch daran gelegen haben mag, dass in einigen Produktionen Billy Wilder als Ko-Drehbuchautor mitwirkte ("Blaubarts achte Frau", "Ninotschka"). Mit "Sein oder nicht sein" dreht Lubitsch eine Satire über eine Schauspieltruppe im Nazi-besetzten Warschau, die neben Charles Chaplins "Der große Diktator" zu den mutigsten Komödien über das Nazi-Regime gehört.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  7. Januar 2015

Zum Thema
Ernst Lubitsch spielte in Berlin zahlreiche kleine komische Rollen, unter anderem unter Max Reinhardt. Er versuchte sich bald auch als Regisseur - zunächst drehte er Slapstickkomödien, später auch historische Kostümfilme. Mit " weiter


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