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"Neunzehnhundertvierundachtzig"
Film Revue

Im Visier des großen Bruders

George Orwells "1984" im Kino
Niedergedrückt von den Schrecknissen des Zweiten Weltkrieges und den verheerenden Auswirkungen, schrieb der englische Schriftsteller George Orwell 1949 seinen Roman "1984". Nun wurde die düstere Zukunftsvision von Michael Anderson mit Edmond O'Brien, Michael Redgrave und Jan Sterling auf die Leinwand gebracht. In England kam 1984 bereits vor einigen Jahren in die Kinos. Aus unbekannten Gründen hat er erst 1957 den Weg nach Deutschland gefunden, wie die Filmzeitschrift Film Revue am 14. Mai desselben Jahres berichtet.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  30. Januar 2015
Michael Redgrave in "1984"
Film Revue
Michael Redgrave in "1984"

Düstere Zukunftsvision

"1984" ist die düstere Vision eines Schriftstellers, der die Zeitalter der Diktaturen, die unkontrollierte Machkonzentration, die systematischen Unterdrückung von Recht und Freiheit sowie den Untergang der abendländischen Kultur als angebrochen betrachtete. Das Buch kann einerseits als Warnung gelesen werden, solchen Tendenzen entgegen zu wirken. Andererseits schwingt in dem Appell auch die traurige Erkenntnis mit, dass die Menschheit sich längst in dem Zustand befindet. Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges, die an Grauen und Unmenschlichkeit alles Erdichtete in den Schatten stellen, sind Beweis genug dafür.

Michael Andersons Adaption dürfte die Kenner der Vorlage ein wenig überraschen. Denn der Film wartet mit einem Ende auf, das im Vergleich zum Romanschluss milde ausgefallen ist. Dem Liebespaar wird nach Aufdeckung ihrer umstürzlerischen Ideen und nach ihrem gegenseitigen Verrat ein moralischer Aufschwung durch ein öffentliches Bekenntnis sowie ein gemeinsamer Tod gegönnt. Eine Erlösung wird den Protagonisten in Orwells Buch nicht zuteil. Hier müssen die beiden nach dem Verrat weiterleben - gebrochen, als Wracks ohne Seele.


Allgegenwärtige Beobachtung in "1984"
Film Revue
Allgegenwärtige Beobachtung in "1984"

Adaptionen von "1984"

George Orwells epochales Werk wurde seit seiner Publikation mehrfach adaptiert. Die früheste Verfilmung ist eine Produktion des Senders BBC von 1954. Auf die zwei Jahre später entstandene Interpretation von Michael Anderson reagierte die Kritik eher verhalten. Die Übertragung der fiktiven Stadt Ozeanien nach London sei eher profan ausgefallen und auch der Horror des Originals sei deutlich reduziert worden, so die Filmzeitschrift The Great SF Pictures. Die drastischen Folterszenen Orwells verglich das Filmmagazin Filmbeobachter mit der "Behandlung eines Patienten auf dem Zahnarztstuhl".Das Lexikon des Internationalen Films fand durchaus positive Momente in der Verfilmung. Sie sei zuweilen "frappierend und interessant im Detail". Andererseits habe Andersons Film "nicht die visionäre Kraft des Romans".

Weit düsterer und damit werkgetreuer fiel Michael Radfords gleichnamige Adaption von 1984 aus. Sein Film entwirft auf schonungslose Weise das Bild eines totalitären Überwachungsstaates, dem es gelingt, "Ästhetik und Lebensgefühl der Nachkriegsgesellschaft im Entstehungsjahr 1984 heraufzubeschwören" (Lexikon des Internationalen Films). Auch durch das Spiel von Richard Burton und John Hurt gelinge es, die beklemmende Stimmung der Vorlage heraufzubeschwören. Für Burton war die Rolle des O’Brien seine letzte. Der Schauspieler starb kurz nach den Dreharbeiten an einer Hirnblutung.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  30. Januar 2015

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