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Georg Kostya
Berufsende wegen Kinderlähmung?

Georg Kostya bleibt optimistisch

Die Filmzeitschrift Film Revue besuchte Georg Kostya in der Orthopädischen Klinik Lindenlohe bei Schwandorf, wie sie in der Ausgabe vom 28. Oktober 1958 berichtet. An seinem Nachttisch hängen Talismane und Stofftiere. Im Zimmer verteilt stehen Blumen. Beim jungen Schauspieler wurde vor rund drei Monaten Kinderlähmung festgestellt. Seine Arme und Beine sind gelähmt, doch Kostya macht langsame Fortschritte. "Du mußt auf die Zähne beißen, dann wird es schon werden!", erklärt das Nachwuchstalent optimistisch. Mittlerweile kann er wieder ein paar Takte auf der Gitarre spielen. Die Fanpost, die er massenhaft jeden Tag bekommt, kann er aber noch nicht beantworten.
Von  Isabel Pluta/Filmreporter.de, 16. November 2015

Georg Kostya übt seine Fingerfertigkeit

Georg Kostya übt seine Fingerfertigkeit

Der letzte Auftritt
Etwa drei Monate zuvor rennt Georg Kostya über die Theaterbühne. Er hat starke Schmerzen, doch aufgeben will er nicht. Am Nürnberger Lessingtheater spielt er an diesem Nachmittag den Detektiv Kid Appelbaum in "Der zauberhafte Gürtel". Von einer Ärztin hat der 23-Jährige zuvor eine starke Spritze bekommen, damit er die Inszenierung bis zum Ende durchhalten kann. Sein Schauspielkollege und Freund Hans Wilhelm Bartels erzählt im Nachhinein, dass er so erschrocken über Kostyas schmerzverzogenes Gesicht war, dass er kaum weiterspielen konnte. Nach der Vorstellung bricht der junge Mann hinter der Bühne schließlich zusammen.

Einen Tag später stellen die Ärzte die Diagnose, die das Ende seiner gerade erst begonnenen Karriere bedeutet: Kinderlähmung. Im Jahr zuvor drehte Kostya "Mein Sohn Michael" und "Immer wenn der Tag beginnt". Jetzt absolviert er täglich Gymnastikübungen, Elektrotherapie und bekommt Massagen. Obwohl der Schauspieler auf Rückschläge gefasst ist, kann er es kaum erwarten, wieder aufzutreten: "Ich habe den festen Willen, meinen Beruf wieder auszuüben", sagt er der Filmzeitschrift.

Georg Kostya bei der Rehabilitation

Georg Kostya bei der Rehabilitation

Zurück ins Leben
Georg Kostyas Mutter konnte die Schauspiel-Pläne ihres Sohnes nicht unterstützen und überzeugte ihn, zuerst eine Tischlerlehre zu absolvieren. Mit dem Gesellen-Abschluss in der Tasche, wechselte der 1935 in Brünn Geborene zur Schauspielerei. Er nahm Schauspielunterricht und war als Bühnenarbeiter am Theater tätig. Mit dem Gehalt seiner ersten Rolle zog er nach München und besuchte dort die Schauspielschule. 1957 bekam er erste Film-Rollen wie in "Immer wenn der Tag beginnt".

Nach Ausbruch der Kinderlähmung, konnte er seinem Beruf kaum noch nachgehen. Kostya sitzt seither im Rollstuhl. Einige Rollen folgten noch, etwa in "Mit 17 weint man nicht" und "Die schwarze Sonne". Bald fand der Schauspieler eine Alternative. Seit dem Sendestart des Bayerischen Rundfunks am 1. April 1971 war er bis 2005 als Radiomoderator tätig. Sein Schwerpunkt lag auf Rock'n'Roll. Unter anderem moderierte er die Sendung "Aus meiner Rocktasche". Danach zog sich der damals 70-Jährige zurück. Seinen Rollstuhl hat Kostya zum Markenzeichen gemacht und sich den Spitznamen 'Rolling Schorsch' gegeben.
Isabel Pluta/Filmreporter.de - 16. November 2015
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