Retronews: Wolfgang Staudtes Lustspiel | FILMREPORTER.de
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Der heilige Bürokratius
Kleinbürger im Kampf gegen Bürokratie

Wolfgang Staudtes Lustspiel

Vor kurzem wurde Wolfgang Staudtes "Die seltsamen Abenteuer des Herrn Fridolin B." in den deutschen Lichtspielhäusern urausgeführt. Zahlreiche Kinobesucher hatten Gelegenheit, die grotesken Erlebnisse des Titelhelden im fiktiven Land Bürokratien auf der Leinwand zu verfolgen. Die Filmzeitschrift Neue Film Welt beschreibt im zweiten Heft des Jahres 1948 die Enthüllung eines gewaltigen Denkmals zu Ehren des Schutzheiligen Bürokratius als Höhepunkt des DEFA-Lustspiels.
Von  Tobias Röhring/Filmreporter.de, 31. August 2016

Die Polizei nimmt Fridolin fest

Die Polizei nimmt Fridolin fest

Opfer eines Betrügers
Der hochanständige Provinzler Fridolin Biedermann (Axel von Ambesser) begibt sich nach Berlin, um endlich einmal etwas zu erleben. Kurz nach seiner Ankunft in der Großstadt wird er von einem Gaunerpärchen (Hubert von Meyerinck und Ursula Krieg) überfallen und um Brieftasche sowie Ausweis erleichtert. Einige Zeit später muss der Naivling feststellen, dass der Dieb unter seinem Namen Schindluder getrieben hat. So werden dem unbescholtenen Bürger unter anderem Heiratsschwindel, Urkundenfälschung, Alimentenverweigerung, Hochstapelei und Bigamie vorgeworfen.

Durch die Anschuldigungen findet sich Fridolin schnurstracks im Gefängnis wieder, was seine tatsächlichen Hochzeitspläne mit der arglosen Elvira (Ruth Lommel) erheblich in Gefahr bringt. Um den Polizeipräsidenten von seiner Unschuld zu überzeugen, begibt er sich auf eine abenteuerliche Reise durch den Dschungel von Bürokratie und Paragraphen.

Die seltsamen Abenteuer des Herrn Fridolin B.

Die seltsamen Abenteuer des Herrn Fridolin B.

Künstlerischer Höhepunkt
Wolfgang Staudte realisierte die Satire bereits 1944 unter dem Titel "Der Mann, dem man den Namen stahl". Allerdings wurde das Werk von der Zensurbehörde verboten. Vier Jahre später machte sich der Regisseur mit einem Teil der damaligen Darsteller an einen zweiten Versuch. Dieser wurde von der Zensur verschont und von Kritikern als temporeiche und amüsante Komödie gelobt. Überhaupt befand sich Staudte nach deren Meinung in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens.

Nach dem erfolgreichen Nachkriegsfilm "Die Mörder sind unter uns" nahm sich der Filmemacher in "Die seltsamen Abenteuer des Herrn Fridolin B." satirisch der deutschen Bürokratie an. Im Anschluss attackierte er in den beiden DEFA-Filmen "Rotation" (1949) und "Der Untertan" (1951) die Borniertheit des unpolitischen Kleinbürgers in der deutschen Geschichte.
Tobias Röhring/Filmreporter.de - 31. August 2016
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