Retronews: "Rom, offene Stadt" im Kino | FILMREPORTER.de
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Roberto Rossellini
Das Warten hat ein Ende

"Rom, offene Stadt" im Kino

Roberto Rossellinis "Rom, offene Stadt" feierte seine Premiere in Italien am 27. September 1945. Gleich war sich die Kritik einig: Das schwarzweiße Opus hat ein neues Kapitel in der Filmgeschichte aufgeschlagen. Der Schweizer Kritiker Martin Schlappner deutet den Film als "erstes Zeugnis über den Widerstand des italienischen Volkes gegen die Deutschen und zugleich als erstes Zeugnis einer Filmkunst, die den Namen Neorealismus erhielt und... den Siegeszug in die Welt antrat". 16 Jahre nach seiner Uraufführung wird "Rom, offene Stadt" nun erstmals in Deutschland gezeigt. Das Magazin Der Spiegel zollt diesem langen Weg des Wartens in seiner Ausgabe vom 22. Februar 1961 Respekt.
Von  Tzveta Bozadjieva, Filmreporter.de, 13. Januar 2018

Eine Szene aus Roberto Rossellinis "Rom, offene Stadt".

Eine Szene aus Roberto Rossellinis "Rom, offene Stadt".

Dynamit in friedlichen Zeiten
Rossellinis historisches Epos löste weltweit regelrechte Salven von Begeisterungsstürmen aus. Dieser Siegeszug wurde an der Grenze der Bundesrepublik im Jahre 1950 gestoppt. Die freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) stritt die Qualitäten des kolossalen Dramas nicht ab. Die Kommission befürchtete jedoch, dass der Film eine völkerverhetzende Wirkung haben könnte. Im Interesse der europäischen Völkerverständigung wurden die öffentlichen Vorführungen verboten.

Besonders gefährdet sah man die Beziehungen zwischen Italien und Deutschland. Als im Herbst 1960 der ebenfalls verbotene Billy-Wilder-Film "Stalag 17" zur Vorführung freigegeben wurde, wagten deutsche Verleiher einen erneuten Vorstoß. Sie reichten eine synchronisierte, geringfügig gekürzte Fassung von "Rom, offene Stadt" ein. FSK-Oberkontrolleur Dr. Ernst Krüger kommentiert nun: "Die Darstellung solcher Dinge darf nicht verhindert werden." Gewisse Sorgfalt ist trotzdem geboten. Ein Vorspann bringt Klarheit: "Dieser Film richtet sich nicht gegen das deutsche Volk. Er schildert den Kampf freiheitsliebender Menschen gegen Willkür und Tyrannei".

Rom, offene Stadt

Rom, offene Stadt

Im Sinne der Völkerverständigung
Die FSK konnte den Filmklassiker dem deutschen Publikum nicht länger vorenthalten. Die Freigabe war allerdings an einige Bedingungen gebunden. In einem Vorspann wurden die Zuschauer über die damalige politische Situation aufgeklärt. Außerdem wurde "Rom, offene Stadt" erst ab 16 Jahren freigegeben.

Die Szene, in der ein italienischer Widerstandskämpfer blutverschmiert an einem Folterstuhl angeschnallt ist und zwei SS-Offiziere ihn 'verhören', wurde gekürzt. Die ausgedehnte Martersequenz gehört zu den extremsten Bildern in Rossellinis Film, der mit dem fast dokumentarischen Stil und der Realitätsnähe nichts für sanfte Gemüter ist.
Tzveta Bozadjieva, Filmreporter.de - 13. Januar 2018
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