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Cate Blanchett

Jean-François Martin/Ricore Text

Die Krönung der Cate Blanchett
"Ich mag spitze Ohren"
Vor wenigen Jahren war Cate Blanchett gänzlich unbekannt. Ihr Aufstieg kam plötzlich und verlief fast kometenhaft. Die 38-Jährige heimste schon mit ihren ersten größeren Rollen zahlreiche Preise ein. Mittlerweile zählt sie zu Hollywoods führenden Charakterdarstellerinnen. Doch wie kam die Frau, die Schauspielerinnen mit Bräuten vergleicht, überhaupt auf die Idee, eine Karriere beim Film zu machen? Wie kann es sein, dass sie im Gegensatz zu vielen ihrer Kolleginnen, auch mit dem Erfolg so natürlich und unkompliziert geblieben ist?
Von  Indra Fehse/Filmreporter.de,  10.03.2008
Cate Blanchett präsentiert sich dem Festivalpublikum

Berlinale

Cate Blanchett wurde am 14. Mai 1969 als mittlere von drei Kindern in Australien geboren. Ihren Vater Robert verlor sie schon im Alter von zehn Jahren. Der gebürtige Texaner verstarb an den Folgen eines Herzinfarkts. Mit dem Abitur in der Tasche zog es den gerade mal 18-jährigen Teenager in die Fremde. Sie reiste nach Ägypten, verlebte dort einen Urlaub und lernte das Land kennen. Hier entdeckte sie ihre Begeisterung für die Schauspielerei. Bei einem Aufenthalt in Kairo wurde sie angesprochen, ob sie nicht Interesse hätte, als Statistin in einem Film mitzuwirken. Nur kurze Zeit später fand sie sich am Set wieder. Nach der Rückkehr nach Australien schrieb sie sich am National Institute of Dramatic Art in Sydney ein. Die Schule schloss sie 1992 ab und ging zunächst für einige Jahre ans Theater.

Es ist noch gar nicht lange her, dass Cate in Hollywoods begehrten Star-Himmel aufstieg. Ihre Filmkarriere begann mit einem Paukenschlag. Schon in ihrer ersten bedeutenden Rolle spielte sie 1997 an der Seite zweier etablierter Schauspiel-Größen: Glenn Close und Frances McDormand. Ein Jahr später bekam sie ihre erste Hauptrolle! In Shekhar Kapurs Historiendrama "Elizabeth" porträtierte sie den Aufstieg der englischen Königin. Es wurde zu einer Krönung im doppelten Sinn. Im Film wurde sie zur Königin, für die Rolle mit einer Oscarnominierung gekrönt. Die Kritiker überschlugen sich und lobten Cates "hervorragendes" Spiel.


Elizabeth - Das goldene Königreich

Universal

Als Kapur den zweiten Teil des Historiendramas über Elizabeth I. realisierte, besetzte er die Hauptrolle folgerichtig erneut mit Cate. Zwar wurde sie dieses Mal nicht so viel gelobt, bekam aber wieder recht positive Kritiken.

In beiden "Elizabeth"-Verfilmungen waren die Kostüme die zweiten Hauptdarsteller. Ob in opulenten Kleidern oder in Kampfrüstung - Cate strahlt etwas Majestätisches aus - das gilt auch fürs Leben. Modeschöpfer Giorgio Armani bezeichnete sie 2007 in einem Interview mit der Gala als seine Muse: "Cate Blanchett verkörpert all das, wofür ich designe." Armani schwärmte in den höchsten Maßen von der Schauspielerin, bezeichnete sie sogar als "ideale Armani-Frau". Damit trifft er tatsächlich den Kern ihres Wesens. Sie gehört in Hollywood mittlerweile nicht nur zu den stilistisch sichersten Stars, sie interessiert sich auch privat für Mode und Design. "Ich bin eine sehr ästhetisch orientierte Kreatur, schöne Dinge ziehen mich einfach an", gibt sie 2005 in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung unumwunden zu. Designer sind in ihren Augen Künstler, die mit ihren Models und durch ihre Kreationen Skulpturen erschaffen.


Cate Blanchett auf der Babel Premiere (Cannes 2006)

Jean-François Martin/Ricore Text

Cate stolziert in den prächtigsten Kostümen über die Kinoleinwand, und so hat die Schauspielerei für sie stets mit Schönheit zu tun. Auf die Frage, warum sie sich dazu entschied, die Elbenfürstin Galadriel in Peter Jacksons Fantasy-Trilogie "Der Herr der Ringe" zu verkörpern, antwortete sie gegenüber der britischen Zeitschrift The Guardian im Dezember 2006 ganz offen: "Ehrlich gesagt habe ich die Rolle nur aufgrund der spitzen Ohren angenommen. Ich glaubte, sie würden sehr gut zu meinem Kopf passen." Cate ist sich bewusst, dass viele Augen auf ihr ruhen, sie beobachten und ständig bewerten. Diese Rolle, die sie nicht nur vor der Kamera erfüllt, bezeichnet sie als eine Art andauernde Hochzeit. "Schauspielerinnen sind die Bräute des Kinos. Eine Frau, die sich den Objektiven so vieler Kameras aussetzt und nicht darüber nachdächte, was sie anzieht, wäre dumm," sagte sie im Februar 2007 der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass sie sich durchaus bewusst ist, warum ihr der Ruhm zuteil wurde, nämlich aufgrund einer schauspielerischen Leistung, und nicht aufgrund des Kleidungsstücks.


Cate Blanchett in "I'm Not There"

Tobis

Cate Blanchett ist sich aber nicht zu schade, auch mal eine weniger feminine Seite auf der Leinwand zu mimen. Für Todd Haynes' filmische Biographie des Musikers und Schauspielers Bob Dylan "I'm Not There" schlüpfte sie in die Rolle eines Mannes mit krummen Rücken, kurzen, lockigen Haaren und ständig rauchend. Dieser Mut muss belohnt werden. Zweifach nominiert betritt Cate am 24. Februar 2008 den roten Teppich vor Hollywoods Kodak Theater, um dieses möglicherweise mit einem Oscar wieder zu verlassen. Auch an diesem glamourösen Abend wird sie sich äußerlich von ihren Schauspiel-Kolleginnen abheben. Sie ist hochschwanger und erwartet im April 2008 ihr drittes Kind von Ehemann Andrew Updike. Da Schwangere grundsätzlich schön sind, werden die vielen aufgehübschten Kolleginnen neben ihr verblassen - und das sei Cate gegönnt.

Anders als manch hochnäsige Kollegin nimmt sie ihren Bekanntheitsstatus nämlich nicht für selbstverständlich, er ist ihr sogar etwas unangenehm. "Ruhm riecht streng und fühlt sich im Handumdrehen modrig an." Schon allein für diese Äußerung hätte sie eine Auszeichnung verdient. Bleibt zu hoffen, dass sie diese sympathische Einstellung auch nach einem möglichen zweiten Oscargewinn beibehält.
Von  Indra Fehse/Filmreporter.de,  10.03.2008

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