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Paul Walker auf der Bochumer Premiere

Universal Pictures International

Paul Walker, Sunny-Boy mit Tiefgang
Rasender Forscher auf Abwegen
Paul Walker bedient auf den ersten Blick nahezu jedes Klischee, das mit einem Sunny-Boy in Verbindung gebracht wird. Der Kalifornier ist neben seinem Beruf als Schauspieler leidenschaftlicher Surfer und ein ausgesprochener Autoliebhaber. Überflüssig zu erwähnen, dass Paul Walker blond ist. Ein Blick auf seine Filmographie weist ihn als Hauptdarsteller von drei "Fast & Furious"-Abenteuern aus. Wem das nichts sagt: Die Bleifuß-Action ist im seichten Unterhaltungsbereich angesiedelt - wohlwollend ausgedrückt.
Von  Jassien Kelm/Filmreporter.de,  4.04.2009
Paul Walker mags romantisch

UPI

Unweigerlich drängt sich das Bild eines oberflächlichen Hollywood-Beaus auf. Verstärkt wird dieses, wenn man bei der Bildersuche von google den Namen des Schauspielers eingibt. Eine Auswahl der Ergebnisse: Paul Walker mit nacktem Oberkörper, hüfthoch im Wasser stehend. Paul Walker vor einem Sonnenuntergang blinzelnd, Wassertropfen perlen von seinem muskulösen Körper ab. Ob er nun lässig vor einem tiefer gelegten Auto hockt oder lasziv räkelnd auf einem Heuhaufen liegt - transportiert wird dieselbe Botschaft: Hier ist einer, der sich in seiner Rolle als Sunny-Boy wohl fühlt. Was kann so ein angepasstes Blondchen schon zu bieten haben?


Paul Walker steht zu seiner Distanz zur Fortsetzung

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Walker, der verhinderte Meeresbiologe

Einiges. Wer sich mit Paul Walker näher befasst, wird feststellen, dass der Schauspieler eine vielschichtige Persönlichkeit ist. Nach eigener Aussage ist die Schauspielerei gar nicht seine Passion. Seine wahre Leidenschaft gehöre der Forschung im Ozean, behauptet er im Interview mit Filmreporter.de. "Na klar!", möchte man augenrollend rufen. Walker wäre schließlich nicht der erste Schauspieler, der sich von seinem Beruf distanziert, um einen sympathischen Eindruck zu erwecken: Man wollte ja gar nicht Schauspieler werden, viel lieber wäre man Pilot, Zeichner oder - auch sehr beliebt - Schriftsteller geworden. Walkers Aussage ist jedoch nachvollziehbar. Sein Freund Dr. Michael Domeier ist ein anerkannter Meeresbiologe und Präsident des Marine Conservation Science Institute. Mit ihm betreibt der ehemals praktizierende Mormone Walker Forschungsarbeit im Pazifik. Es kann also vorkommen, dass ein Interview über Walkers neuesten Film in einen Fachvortrag über das Fortpflanzungsverhalten von Weißen Haien ausartet. Als Schauspieler startete der Kalifornier erst durch, nachdem er sich an einem Studium der Meeresbiologie versucht hatte. Ein weiteres Indiz dafür, dass sich hier nicht jemand einfach ein medienwirksames Steckenpferd zugelegt hat.


Vin Diesel und Paul Walker mögen PS-Boliden

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Im Auftrag der Wissenschaft

Den Vorwurf, regelmäßig in seichten Filmen mitzuspielen, pariert der Schauspieler mit entwaffnender Ehrlichkeit. Natürlich würde er lieber Dramen spielen. Er sei eben nicht in der Position, sich seine Filme aussuchen zu können. Und obwohl die Arbeit Spaß mache, habe ein Film wie "Fast & Furious. Neues Modell. Originalteile." nun mal nicht den Anspruch von "Schindlers Liste", so der Vater einer zehnjährigen Tochter zum Thema Oberflächlichkeit. Blockbuster öffnen in diesem Geschäft eben Türen. Diese Aussage macht Walker März 2009 während der Promotionstour für "Fast & Furious". Nicht viele Hollywood-Schauspieler wagen es, derart offen über ihren aktuellen Film zu sprechen. 2003, beim zweiten Teil der Reihe, trieb er das Spiel noch weiter. In aller Öffentlichkeit gab Walker zu Protokoll, dass er freiwillig das Sequel nicht gemacht hätte. Er sei vertraglich dazu verpflichtet gewesen. Unkritisch kann man Walker nicht nennen, angepasst ist anders. So wirkt es in seinem Fall ausnahmsweise glaubhaft, wenn mal wieder ein Hollywoodstar demütig behauptet, durch die Schauspielerei in der glücklichen Lage zu sein, seine wahre Leidenschaft finanzieren zu können. Wobei Walker in Zukunft wohl keine Blockbuster mehr zu drehen bräuchte. Die Filmaufnahmen, die er auf seiner jüngsten Forschungsexpeditionen gemacht hat, sind offenbar so gut, dass der Discovery Channel bei ihm neues Filmmaterial in Auftrag gegeben hat. Die nächste Pazifikexpedition wird also von dem Dokumentarsender finanziert.


Promotour für Fast & Furoius 4: Jordana Brewster und Paul Walker

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Stille Wasser sind tief

Wenn man Paul Walker auf sein zweitliebstes Hobby anspricht, wundert man sich. Es ist ihm sichtlich peinlich, über seine Leidenschaft zu schnellen Autos zu sprechen. "Oh Mann, das ist so oberflächlich. Ich hasse es, dass ich Autos liebe." Er hat merklich Angst, darauf reduziert zu werden. Verständlich. Wer als Hobby "Autos" angibt, läuft Gefahr, als oberflächlich abgestempelt zu werden. Walker ist sich seines Images durchaus bewusst, will das Bild des tumben Sunny-Boys nicht selbst bedienen. Angesprochen auf sein Image als Teenie-Schwarm antwortete er einmal lächelnd: "Ich werde dieses Image nicht für immer haben. Außerdem verschafft es mir gewisse Vorteile: Man erwartet nicht allzu viel von mir." Doch auch bei dem Thema Autos hat der verhinderte Meeresbiologe Substantielles zu bieten. Auf Nachfrage geht Walker in Interviews en Detail auf die Unterschiede zwischen amerikanischen und japanischen Marken ein. Er ist kein Autoprolet, der nur über Chassis und Pferdestärken Bescheid weiß. Wenn man ihm Raum gibt, erfährt man, dass Walker eine eigene Firma hat, die Hochleistungsteile für Spitzenmarken produziert. Mit dem betriebseigenen Rennteam nimmt er regelmäßig an Wettbewerben teil. Doch der 35-jährige Autofreund versteht sehr gut, dass es sich in Zeiten des Klimawandels nicht so gut macht, mit der Passion zu CO2-emmittierenden Benzinschluckern hausieren zu gehen. Egal, was für ein Image der Schauspieler augenscheinlich bedient, egal was für ein Hobby ihn oberflächlich wirken lässt. Wenn man an der Oberfläche kratzt stellt man fest: Auch ein Sunny-Boy kann vielschichtig sein. Paul Walker hat eben ein bisschen mehr zu bieten, als es auf den ersten Blick scheint.
Von  Jassien Kelm/Filmreporter.de,  4.04.2009

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