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Hilary Swank bei der Premiere von "Amelia" in New York
Personifizierte Bodenständigkeit

Hilary Swank war kein Million Dollar Baby

Sie ist ein besonderer Hollywood-Star. Hilary Swank wird oft als ausgereifte Charakterdarstellerin bezeichnet. Zwei Oscar-Trophäen hat sie bereits bekommen, immer wieder traut sie sich an anspruchsvolle Rollen. Dennoch bleibt die Schauspielerin bodenständig. Sie wächst in einer Wohnwagensiedlung auf, wird in der Schule als Außenseiter behandelt. Gerade weil sie es nicht immer leicht hatte, weiß sie ihr heutiges Glück umso mehr zu schätzen.
Von  Nina Klofac/Filmreporter.de, 13. Juni 2010

Hilary Swank

Hilary Swank

Sensibler Kraftprotz
Wenn Hilary Swank als Kind traurig ist, sind Filme ihr erstes Heilmittel. Einer ihrer Favoriten ist David Lynchs "Der Elefantenmensch". Neben allen Unterschieden haben die charismatische Swank und der Elefantenmensch eines gemeinsam. Beide entscheiden sich, für ihre Traum zu kämpfen. Während John Merrick in Lynchs Drama zu einem angesehenen Bürger Londons aufsteigt, erntet die Schauspielerin Ruhm und Anerkennung in der Traumfabrik.

Swank hat es auf ihrem Weg nach oben nicht leicht. Ihre Eltern trennen sich, als sie noch ein Kind ist. In der Schule gilt sie als Außenseiter. Mit ihrer Mutter zieht sie im Alter von 15 Jahren nach Los Angeles, ihr Traum von der Schauspielerei scheint endlich in greifbarer Nähe. Doch sie weiß, dass viele diesen Traum träumen, ohne je ans Ziel zu gelangen. Talent allein genügt nicht. Hilary ist schon zu Schulzeiten ein ehrgeiziger Teenager, der diszipliniert auf ihre Ziele hinarbeitet. So gewinnt sie mehrfach Preise in verschiedenen Sportarten.

Boys Don't Cry (Cine Project)

Boys Don't Cry (Cine Project)

Fleiß und Glück
Angekommen an der amerikanischen Westküste, spielt Hilary zunächst kleine Nebenrollen. Den Traum von der großen Schauspielkarriere vergisst sie dabei nie. 1997 erhält sie ein Engagement in der beliebten Teenie-Serie "Beverly Hills, 90210", wird dort allerdings schon nach 16 Monaten wieder aus dem Drehbuch geschrieben. Wie sich später herausstellt, ist das keineswegs ein Nachteil. Sie nimmt am Casting für das Independent-Projekt "Boys Don't Cry" (1999) teil und bekommt die Hauptrolle der zwischen den Geschlechtern wandelnden Brandon Teena. Einen Monat lebt Swank mit einer männlichen Identität, um sich auf die Rolle vorzubereiten. Der Fleiß hat sich gelohnt, sie gewinnt den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle und ist den Machern von "Beverly Hills 90210" vermutlich mächtig dankbar.

Sie hat es geschafft und sich ihren Traum im zarten Alter von 23 Jahren erfüllt. 2004 folgt die zweite Oscar-Auszeichnung für ihre Rolle in "Million Dollar Baby". Abermals nimmt sie zur Vorbereitung Einiges auf sich, diesmal absolviert sie ein ausgiebiges Box-Training. Um welche Rolle es auch geht, Hilary Swank stürzt sich mit Besessenheit in die Vorbereitung. Nach den beiden Oscars kann sie sich vor Rollenangeboten kaum retten. Dennoch bleibt sie mit beidem Füßen auf dem Boden.

Hilary Swank als Flugpionierin Amelia

Hilary Swank als Flugpionierin Amelia

Verleihen Oscars Flügel?
Nicht bei Hilary Swank. Durch ihre Herkunft weiß sie ihr jetziges Leben zu schätzen. Als sie mit ihrer Mutter nach Los Angeles kommt, haben die beiden 75 Dollar in der Tasche und schlafen zunächst im Auto. Den Anfang ihrer Kindheit verbringt Hilary in einer Wohnmobilsiedlung. Gerade weil sie selbst Erfahrungen mit Armut gemacht habe und wisse, was es heißt zu träumen, könne sie das, was sie heute hat, umso mehr schätzen, sagt sie im Interview mit Filmreporter.de.

Sie gibt ehrlich zu, sie wisse nicht, was sie außer der Schauspielerei noch machen solle. Sie habe zwar die Möglichkeit aus vielen tollen Rollen auszuwählen, hält sich deshalb dennoch nicht für perfekt und fehlerlos. Sie braucht die Dramatik in ihren Rollen, es sollen nach Möglichkeit starke Charaktere sein - wie sie selbst. Lange versucht Hilary, alles an ihrer Person zu optimieren. Sie braucht lange, um zu erkennen, dass es den perfekten Menschen nicht gibt. In "Amelia" hebt sie als erste weibliche Pilotin von der Startbahn, doch das gilt noch lange nicht für ihr reales Leben. Da behält sie beide Füße auf dem Boden.

Million Dollar Baby - Special Edition

Million Dollar Baby - Special Edition

Sportlich ja, maskulin nein
Was bei Hilary Swank auffällt, ist dass sie immer wieder sportlich-energische Charaktere spielt. Bereits ihr Debüt legt sie im Alter von neun Jahren als Mowgli in einer Bühnenfassung des Dschungelbuchs hin. Für ihre Rolle der Julie in "Karate Kid IV - Die nächste Generation" (1994) wird sie aus tausenden Mitbewerbern ausgewählt. Sie spielt eine aggressive Schülerin, die unter ihrer Pubertät leidet. Nach einem Aufenthalt im Zen-Kloster schützt sie einen Freund vor brutalen Mitschülern.

Ebenso sportlich präsentiert sich Swank in der Oscar-prämierten Rolle der Maggie Fitzgerald in Clint Eastwoods Drama "Million Dollar Baby" (2004). Sie mimt eine ehrgeizige Boxerin, die es mit Hilfe ihres Trainers bis zum WM-Kampf schafft, dort aber tragisch verletzt wird. Hilary jedoch als männlichen Typ zu bezeichnen, wäre falsch. Jeans liebt sie ebenso wie Haute Coture, sie gilt als eine der best angezogensten Damen auf Hollywoods roten Teppichen. Manch einer hält Hilary für maskulin. Ohne Zweifel hat sie breite Wangenknochen und etwas herbe Gesichtszüge. Bei genauerem Hinsehen treten jedoch ihre weiblichen Züge in den Vordergrund. Im realen Leben ist sie eine Grand Dame, die trotz ihres markanten Gesichts viel Feinheit ausstrahlt.

Hilary Swank bei der Premiere von "Amelia" in New York

Hilary Swank bei der Premiere von "Amelia" in New York

E.T. - Der Außerirdische
13 Jahre ist Hilary mit ihrem Lebensgefährten und späteren Ehemann Chad Lowe zusammen. Sie lernt ihn im Alter von 17 Jahren kennen und beteuert noch heute, es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Die beiden sind noch immer befreundet, auch wenn das Vertrauen zwischenzeitlich auf eine harte Probe gestellt wird. Als sie sich 2006 scheiden lassen, erfährt man im Nachhinein, dass der Drogenkonsum von Chad ein Trennungsgrund gewesen sei.

Der neue Mann an Hilarys Seite ist PR-Berater John Campisi. Viel gibt die verschlossene Schauspielerin mit dem freundlichen Lachen nicht von ihrem Privatleben preis, recht hat sie. Worüber sie offen spricht, ist ihre Schlafgewohnheit. Hilary findet es befreiend, ohne Kleidung zu nächtigen. Sei's drum, solange es bequem ist. Schließlich war sie schon immer eine wenig anders. Vielleicht ist deshalb "E.T. - Der Außerirdische" (1982) ein Favorit aus ihrer Filmsammlung.
Nina Klofac/Filmreporter.de - 13. Juni 2010

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