Starfeature: Christopher Nolans filmisches Labyrinth | FILMREPORTER.de
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Christopher Nolan (Premiere "Batman Begins")

Christopher Nolan (Premiere "Batman Begins")

Der Coup - Teil 1
Wir schreiben das Jahr 1998. Eine kleine Gruppe von Idealisten hat Großes vor, etwas Bedeutendes. Sie planen einen Coup - ganz auf sich gestellt und unbemerkt vom System. Die Mittel zur Durchführung sind begrenzt. Nichts darf schief laufen. Alles wird vorher minutiös geplant, besprochen, geprobt. Montags bis Freitags gehen sie gewöhnlichen Jobs nach, arbeiten für eine Produktionsfirma, eine Medienagentur, einen Medizinbuchverlag. An den Wochenenden steht das Projekt auf dem Plan.

Chris ist der Boss. Er hat alles durchdacht. Seine Freundin Emma ist ebenfalls mit an Bord. Ein entscheidender Mann fehlt noch. Das Paar tritt an einen gewissen Jeremy heran. Nicht zum ersten Mal. Sie wissen, der junge Mann ist der Richtige für den Job. Jeremy willigt ein. Seine Wohnung in der Iliffe Street im englischen Walworth wird zum wichtigen Standort der Operation. Die Tür seines Apartments wird noch für viel Gesprächsstoff sorgen. Nach einem Jahr harter Arbeit ist es vollbracht. Und doch ist es nur der erste Streich. Chris hat noch viel Größeres vor. Mit den Planungen begann er schon in seiner Kindheit.

Heath Ledger ist der Joker

Heath Ledger ist der Joker

Rückkehr des Dunklen Ritters
Die Spielkarte hatte es bereits angedeutet. Der Joker würde kommen und dank des viel zu früh verstorbenen Heath Ledger ist es eine unvergessliche Vorstellung. Schon mit dem Vorgänger "Batman Begins" hatte Nolan die Messlatte für Comic-Verfilmungen hoch gesetzt. Sein "Dark Knight" von 2008 sollte alle Erwartungen übertreffen. Es hat sich bezahlt gemacht, seinem Bruder Jonathan Nolan einst den Comic zu schenken, schließlich ist dieser für das brillante Drehbuch mitverantwortlich. In erzähltechnischer Hinsicht nimmt der düstere Superhelden-Film, zusammen mit "Insomnia - Schlaflos", eine Ausnahmestellung in Nolans Gesamtwerk ein. Im Gegensatz zu seinen übrigen Filmen verzichtet der Regisseur auf eine verschachtelte Narration.

Die gradlinige Erzählweise hat jedoch auch Methode. Mit Batman und dem Joker stehen sich nicht nur zwei kostümierte Feinde gegenüber. Es ist auch die Konfrontation zweier Ideen. Batman verkörpert die Ordnung, das Vernunft-Prinzip. Der Joker dagegen ist ein Agent des Chaos. Seine Handlungen sind nicht rationalisierbar, er ist nicht auf Geld oder Macht aus. "Manche Menschen wollen die Welt einfach nur brennen sehen", bringt Michael Caines Alfred das Wesen des finsteren Clowns auf den Punkt. Die beiden Prinzipien spiegelt Nolan auch in formaler Hinsicht wider. Während wir auf der Bildebene sehen, wie der Joker die Welt tatsächlich zum Brennen bringt, steht ihr die lineare Erzählweise als ordnender Kontrapunkt gegenüber. Form und Inhalt gehen bei Nolan erneut Hand in Hand. Das Ergebnis kommt beim Publikum gut an. Mit einem Einspiel von über einer Milliarde US-Dollar ist "Dark Knight" der sechst erfolgreichste Film aller Zeiten. Dadurch erhält Nolan die Möglichkeit, ein Großprojekt zu realisieren, von dem er schon lange träumt: "Inception".

Prestige - Die Meister der Magie

Prestige - Die Meister der Magie

Duell der Magier
Bei "Prestige - Die Meister der Magie" aus dem Jahre 2006 lassen sich wesentliche Merkmale von Nolans Erzählkosmos exemplarisch beobachten. Wie schon Bruce Wayne in "Batman Begins", Leonard Shelby in "Memento" und der junge Mann in "Following" sind auch seine beiden rivalisierenden Zauberkünstler Robert Angier und Alfred Borden obsessive Charaktere. Auch Nolans Vorliebe für verschachtelte Erzählstrategien kommt wieder zum Vorschein. Von zentraler Bedeutung ist zudem die immer wieder in seinen Filmen zum Tragen kommende Einheit von Form und Inhalt. Genau wie die Zaubertricks der beiden Protagonisten ist auch Nolans Geschichte in drei Akte gegliedert. Michael Caines Charakter Cutter, dessen Name auf den Schnitt eines Films verweist, erklärt uns die Dreiteilung aus dem Off: "Im ersten Teil wird das Thema vorgestellt. Der Magier zeigt Ihnen etwas ganz Gewöhnliches. In der zweiten Phase geschieht der Effekt. Der Magier nimmt das gewöhnliche Objekt und lässt damit etwas Außergewöhnliches geschehen." Die dritte Phase bezeichnet er als Prestigio, das Finale, in dem der Magier das weggezauberte Objekt wieder zurückbringt.

Das Drehbuch der Nolan-Brüder spiegelt diese Einteilung konsequent und reflektiert dabei die Kinokunst als solche. Auch Film ist Illusion, ein Zaubertrick aus Licht, Ton und Montage, von dem wir uns gerne täuschen lassen. Und doch ergeben die Teile in der Summe mehr. Dabei ist die selbstreferentielle Ebene nicht reine Spielerei. Wie in "Memento" unterstreicht der Regisseur damit den Zustand der Protagonisten. "Prestige" ist nicht nur ein Drama über Rivalitäten, sondern auch über das verzweifelte Streben nach Anerkennung und die Bildung von Identität. So spielen die von Christian Bale und Hugh Jackman gespielten Magier wiederum selbst immer nur Rollen, um ihre Illusionen stets glaubwürdig erscheinen zu lassen. Nach dem Abspann bestätigt uns das auch Radioheads Song "Analyse", wenn Thom Yorke mit wehmütiger Stimme singt: "Du spielst bloß deine Rolle."

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