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Starfeature
Russell Brand in "Männertrip"
Universal Pictures (UPI)

Drogenexzess und Erfolgsrausch

Leben auf Überholspur: Russell Brand

Dass Russell Brand heute zu den erfolgreichsten britischen Komikern, Moderatoren und Schauspielern gehört, grenzt fast an ein Wunder. Schließlich balancierte er lange über dem Abgrund, war Drogen- und Alkoholsüchtig. Doch Brand ist ein Stehaufmännchen. Nach erfolgreicher Therapie geht es mit der Karriere steil bergauf. Sein Ziel: ein Leben zwischen Film und Stand-Up-Comedy - ganz wie sein Vorbild Richard Pryor.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  9. September 2010
Russell Brand
Universal Pictures (UPI)
Russell Brand

Schwierige Kindheit

Russell Brands (nein, er schreibt sich nicht Russel Brand) Aufstieg zum "talentiertesten Comedian dieser Dekade" - wie der Telegraph im Juni 2006 schreibt - einem der kontroversesten Moderatoren des britischen Fernsehens und nun zu einem erfolgreichen Schauspieler, geht ein Leben voller persönlicher Schicksalsschläge und Enttäuschungen voraus. Als er wenige Monate alt ist, verlässt der Vater die Familie und Russell verbringt die ersten Jahre seiner Kindheit mit seiner Mutter und ihrem neuen Lebensgefährten. Zu seinem leiblichen Vater bricht der Kontakt zwar nicht ab, das Verhältnis bleibt aber zwiespältig. "Heute habe ich noch Kontakt zu ihm und ich liebe ihn sehr", sagt Brand in einem Interview mit dem Telegraph im Juni 2006.


Russell Brand
Universal Pictures (UPI)
Russell Brand

Bugsy Malone zieht

Den Wunsch, sich mit seinem komödiantischen und schauspielerischen Potential auf der Bühne zu präsentieren, entwickelt Brand, als er mit 15 Jahren an einer Schulaufführung teilnimmt. "Bugsy Malone" wird ein Schlüsselerlebnis. "Von da an wollte ich nichts anderes mehr machen", bekennt er im Telegraph-Interview. Das unglückliche Kind findet mit dieser Erfahrung seine Berufung. "Das war es also: Ich auf der Bühne angebend und die Leute lachen über mich". Seine Ziele klar vor Augen bleibt Brand dennoch ein Mensch, der nur mühsam lernt, mit sich sorgsam umzugehen.

Als Kind leidet er an Übergewicht und setzt alles daran, sein äußeres Erscheinungsbild zu verändern. Mit elf Jahren erkrankt er an Bulimie, möchte unbedingt schlanker werden. Mit 16 erreicht er sein Ziel, doch die Unsicherheit und die Skepsis sich selbst gegenüber lassen sich damit nicht ausräumen - höchstens betäuben und so kurzzeitig aus dem Bewusstsein verdrängen. Das schafft er mit Drogen und Alkohol. Als Jugendlicher lässt Brand kein Rauschmittel aus. Mit Cannabis, Amphetaminen, LSD, Ecstasy, Kokain, Crack und Heroin setzt er seinen Körper in Dauerbeschuss, um seine seelischen Qualen zu lindern.


Russell Brand
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Russell Brand

Moderner Bohemien

Ein anderer Grund für seine Drogenabhängigkeit ist die gerade erlangte Freiheit des angehenden Schauspielers. Mit 16 verlässt er die Schule und wird kurze Zeit später an der Schauspielschule Italia Conti Academy aufgenommen. Brand und seine Freunde fühlen sich wie moderne Bohemiens, es beginnt ein Leben der Ausschweifung, das Gefühl der uneingeschränkten Freiheit und Missachtung gesellschaftlicher Normen sind Antriebskräfte seines Daseins. "Ich liebte es, weil das ein Punkt war, an dem ich das Gefühl überwunden hatte, fett, unattraktiv und grau zu sein".

Die Ausschweifungen haben jedoch ein Nachspiel, als er wegen Drogenmissbrauchs von der Schule verwiesen wird. Wenige Jahre später versucht er es erneut mit der Schauspielausbildung. Doch auch dem Drama Centre London entgehen seine Eskapaden nicht und so wird er auch hier vor dem Abschluss rausgeschmissen.


Russell Brand
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Russell Brand

Freiheit auch auf der Bühne

Zu dieser Zeit absolviert er seine ersten Auftritte als Stand-Up-Comedian. Dies scheint das richtige Betätigungsfeld für Brand zu sein, wird er doch auf der Bühne für seine anarchische Verhaltensweise bejubelt und nicht bestraft. "Ich fand das Fehlen der Zensur sehr befreiend. Ich liebte es, mich in Schwierigkeiten zu bringen und mich jederzeit wieder daraus befreien zu können", so Brand gegenüber dem Telegraph.

Seinen Durchbruch als Komiker hat er, als er es bei der Hackney Empire New Act of the Year bis ins Finale schafft. Der einsetzende Erfolg geht mit dem Höhepunkt seiner Drogenprobleme einher. "Ich war in einer Decke aus Heroin eingewickelt", äußert er gegenüber dem Observer im Juni 2006. Die Skandale und Eskapaden häufen sich und machen selbst vor seinen Bühnenauftritten nicht halt. "Ich schnitt mich, nahm auf der Bühne Drogen und legte mich mit dem Publikum an", beschreibt er diese Phase seines Lebens gegenüber dem Telegraph.


Russell Brand
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Russell Brand

Provokationen von Osama-Bin-Brand

Zu Eskapaden kommt es auch, als Russell eigene Sendungen in Fernsehen und Radio bekommt. So moderiert er im Jahr 2000 auf dem Musiksender MTV die Dancefloor-Charts. Er wird gefeuert, als er einen Tag nach den Anschlägen vom 11. September im Fernsehstudio in einer Osama-Bin-Laden-Verkleidung erscheint. Heute bereut er diesen Auftritt. "Ich war damals auf eine sehr ungebildete Weise anarchisch", sagt er 2006 dem Observer.

Den Job bei dem Radiosender Xfm verliert er ebenfalls, dieses Mal weil er während der Sendung pornographische Schriften vorliest. Zu dieser Zeit ist seine Karriere auf dem Tiefpunkt angekommen, Brand ist am Boden zerstört. Die Konsequenz ist, dass er sich in eine Rehabilitationsklinik einweisen lässt. "Nachdem sie mich analysiert haben, sagten sie: 'Wenn du nicht aufhörst, Drogen zu nehmen, wirst du innerhalb der nächsten sechs Monaten entweder sterben, in einer Irrenanstalt oder im Gefängnis enden' (zitiert aus: Observer, Juni 2006)


Russell Brand
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Russell Brand

Film und Stand-Up-Comedy

Heute hat Brand seine Sucht unter Kontrolle. Er schaffte es auch, dass es mit seiner Karriere wieder vorwärts geht. Er tritt wieder als Comedian auf und wird 2006 für sein Programm als bester Newcomer bei den British Comedy Awards ausgezeichnet. Auch im Fernsehen und im Radio hat er Erfolg. Er betrachtet diese Medien jedoch als Übergangslösungen. Seine Zukunft sieht er eher als Schauspieler und Stand-up-Comedian - so wie es sein erklärtes Vorbild Richard Pryor. "Ich werde für eine Weile so weiter machen, weil ich es genieße und auch das Geld stimmt, so Brand gegenüber dem Telegraph.

"Aber auf lange Sicht habe ich eine klare Vorstellung von dem, was ich will: eine Karriere wie Richard Pryor, wo man zwischen Filmen und großen Stand-Up-Gigs vor zwei, drei, vier, sieben und zehn tausend Zuschauern pendelt".


Russell Brand
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Wilder Rock-Musiker

Die ersten Versuche in der Filmbranche hat Brand erfolgreich hinter sich. 2006 spielt er an der Seite von Christina Ricci und Reese Witherspoon in "Penelope". Etwas größer ist sein Part schon in "Nie wieder Sex mit der Ex" (2008), wo er die Figur des wilden Rock-Musiker und Frauenhelden Aldous Snow verkörpert. Dieselbe Rolle spielt er auch in der Komödie "Männertrip" (2010), die ganz in "Hangover"-Manier vom abenteuerlichen Trip eines Angestellten einer Plattenfirma und eines kapriziösen Musikers von London nach Los Angeles handelt. Beide Auftritte lassen erkennen, dass Brand mit ironischem Blick die wilden Jahre seines Lebens verarbeitet. Ob er diese Zeit wirklich überwunden hat, wird sich zeigen.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  9. September 2010

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Schauspieler, Produzent, Drehbuchautor. Komödiant, Kolumnist, Vegetarier und Engländer - all das ist Russell Brand. Als Jugendlicher leidet er unter Bulimie und autoaggressivem Verhalten, später wird er Heroin- und Alkoholabhängig. Elf Mal... weiter


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