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Robert Stadlober
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Der verantwortungsvolle Rebell

Crazy Robert Stadlober

Nach "Crazy" gilt Robert Stadlober als aufsteigender Stern des deutschen Films. Der Karrierestart geht mit lautem Protest des Jungschauspielers gegen den Mainstream einher. Heute ist der Rebell erwachsener und ruhiger geworden. Kompromisse eingehen will Stadlober trotzdem nicht und sucht seinen Platz konsequent in unabhängigen Projekten - und das als Schauspieler wie als Musiker.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  8. September 2010
Crazy
VCL Communications
Crazy

Junger Rebell

Von den Medien wird Robert Stadlober gerne als Kinorebell stilisiert. Das mag zum einen sicher an den Rollen liegen, die der Schauspieler im Laufe seiner Karriere verkörpert hat, zum anderen an seinem exzentrischen Äußeren sowie seiner unverblümtem Ausdrucksweise. Stadlober hat nie ein Blatt vor den Mund genommen, er legt sich schon mal mit Erfolgs verwöhnten Kollegen wie Til Schweiger an oder rebelliert im Fernsehen gegen die Banalität Stefan Raabs.

Das polarisiert nicht nur die Fans des Entertainers, die Stadlober in seiner Sendung ausbuhen. Auch in seinem Umfeld lernt er nicht nur die helle Seite des Ruhms kennen. So wird er in der Disco schon mal angepöbelt oder auf der Bühne, auf der Stadlober als Sänger und Gitarrist der Band Gary steht, von enttäuschten Fans mit Urin bespritzt.


Marlon Kittel, Tom Schilling, Jessica Schwarz und Robert Stadlober in "Verschwende deine Jugend"
Verschwende deine Jugend
Marlon Kittel, Tom Schilling, Jessica Schwarz und Robert Stadlober in "Verschwende deine Jugend"

Heute schon gesetzt?

Heute gehören die wilden Zeiten eher der Vergangenheit an. Stadlober hat sich zwar nicht angepasst, doch mit dem zunehmenden Abebben des Hypes um seine Person nach seinem Durchstarten mit "Crazy" (2000) ist auch er ruhiger geworden. "Damals haben mich einige regelrecht gehasst", so Stadlober gegenüber dem Stern am 3. August 2007. Heute "gibt es nicht mehr diese Polarisierung. (...) Mittlerweile ist es eher so, dass ich langsam anfange, in einem ausgeglicheneren Segment anzukommen. Man ist da, die Leute können denken, was sie wollen, aber es regt keinen mehr so tierisch auf. Das finde ich eine sehr angenehme Entwicklung".

Stadlober ist ein erwachsener Schauspieler geworden, der mehr Verantwortung für sich und seine Mitmenschen übernimmt. Schließlich ist so mancher von dem Schauspieler, Musiker und Mitbesitzer eines Musiklabels abhängig, eine rebellische Attitüde wäre vor diesem Hintergrund eher egoistisch. Selbst seine Ausfälle gegenüber Schweiger und Raab bereut er heute. "Irgendwelchen 40-Jährigen ans Bein zu pissen, ist einfach größtenteils unfair. (...) Im Nachhinein schäme ich mich für ganz viele Sachen", so Stadlober gegenüber dem Stern


Robert Stadlober auf "Wächter des Tages"-Premiere (Berlin 2006)
20th Century Fox
Robert Stadlober auf "Wächter des Tages"-Premiere (Berlin 2006)

Außenseiter und Unangepasster

Dass Stadlober sich seinen Weg bahnen wird, zeichnet sich früh ab. Als er neun ist, lassen sich seine Eltern scheiden und Robert zieht mit seiner Mutter von Friesach/Kärnten in die pulsierende Metropole Berlin. Im Chaos und der Anonymität der Großstadt muss sich der Junge aus der Provinz seinen Platz finden. Dass diese in der Nische der Außenseiter und Unangepassten sein würde, wird spätestens mit dem Abbruch der Waldorfschule ersichtlich. Die Mutter stemmt sich gegen den Wunsch ihres Sohnes, Schauspieler zu werden, fürchtet um die Zukunft ihres Jungen. Ihre Befürchtungen scheinen sich denn auch zu bewahrheiten.

Trotz zahlreicher Auftritte im Fernsehen und erster Kinorollen lebt Stadlober nicht gerade ein Leben, das man sich von einem Schauspieler vorstellt. Von einer finanziell gesicherten Existenz kann lange keine Rede sein. Im Gegenteil: "Ich habe nicht mal Geld für eine eigene Wohnung. In letzter Zeit habe ich nur in abgeramschten WGs gelebt". Diese Aussage macht Stadlober gegenüber dem Spiegel im Juli 2007. Da hat er bereits Kinoerfolge wie "Sonnenallee" (1999), "Crazy" (2000), "Engel + Joe" (2001) und die internationale Großproduktion "Duell - Enemy at the Gates" (2001) gemacht. Wo sind die Gagen geblieben?


Robert Stadlober
Ricore Text
Robert Stadlober

Qualität vor Mainstream

Die Existenz am Rande des Existenzminimums ist Folge eines kompromisslosen Beharrens auf einem Standpunkt und dieser lautet: Kunst und Qualität vor flachen Maistream. Stadlober hat seine radikale Haltung der Jugendzeit vielleicht aufgegeben, doch für künstlerische Kompromisse, ist er nicht zu haben. Ob er solche Kompromisse auch machen würde, fragt ihn der Stern. Die Antwort: "Vorstellen nicht, aber rational denken kann ich das schon".

Angebote aus Hollywood zwecks Aufbesserung der finanziellen Situation hält Stadlober für unwahrscheinlich. Erstens weil er sowieso nicht davon ausgeht, dass solche Offerten erfolgen würden. Zweitens würde er diese mit Blick auf die Klischeerollen, die einem deutschen Schauspieler üblicherweise dort angeboten werden, wohl auch nicht in Betracht ziehen. Die Alternative wäre das Fernsehen, doch wie sein Freund und Kollege Tom Schilling hält auch Stadlober das deutsche Fernsehen im Gegensatz zum amerikanischen, wo die "spannendsten und berührendsten Geschichten erzählt werden" - so Schilling in einem Glamour-Interview am 16. August 2007 - für uninteressant.


Tom Schilling und Robert Stadlober in: "Verschwende deine Jugend"
Constantin Film
Tom Schilling und Robert Stadlober in: "Verschwende deine Jugend"

Schauspieler oder Musiker?

Stadlober dreht Filme nicht nur leidenschaftlich gern, er macht sie auch, um Geld zu verdienen. Dabei macht er sich nichts vor. Die Passion verbindet er mit Pragmatismus. Schließlich muss ein Künstler auch seine Brötchen verdienen. In seinem Fall gilt zudem, die Existenz als Musiker zu sichern. Seit 2002 spielt und singt Stadlober in der Musikband Gary. Die spielt Indie-Rock. Damit kann man auch nicht die große Knete machen, doch gerade in diesem Bereich äußert sich Stadlobers kompromissloser Standpunkt sowie seine Leidenschaft für die Sache. Die Musik betreibt er mit einer solchen Ernsthaftigkeit, dass die Frage durchaus berechtigt ist, ob er in erster Linie Musiker oder Schauspieler ist.

So überrascht es nicht, dass die Süddeutsche Zeitung Stadlober vor Jahren nicht nur musikalisches Talent attestiert, sondern ihn auch als Musiker bezeichnet, der auch ein "verdammt guter Schauspieler" sei. Stadlober selbst implizierte mehr als einmal, dass die Musik in seinem Leben durchaus eine Vorrangstellung genießt. "Mit der Schauspielerei verdiene ich mein Geld, auch wenn ich sie mit Leidenschaft mache", so Stadlober gegen über dem Spiegel. "Aber vor allem will ich mit unserer Band Gary auf Tour gehen und meinen kleinen Rock'n'Roll-Traum ausleben. Das bringt zwar nicht viel ein, aber das ist egal".


Robert Stadlober in "Zarte Parasiten"
Filmlichter
Robert Stadlober in "Zarte Parasiten"

Auf den Spuren der Berliner Schule

Musik hin oder Film her. Fakt ist, dass Stadlober ein verdammt guter Schauspieler ist, der seinen Beruf mit großer Ernsthaftigkeit betreibt. Die Independent-Szene ist sein Steckenpferd und das deutsche Autorenkino, wie er Filmreporter.de im Interview verrät, hält er für besonders angesagt. Vor allem das Kino der Berliner Schule hat es ihm angetan. Mit Christian Petzold würde er gerne einen Film drehen. Dass dieser Wunsch Wirklichkeit werden könnte, hält Stadlober in seiner bescheidenen Art für unwahrscheinlich. Nach "Zarte Parasiten", Stadlobers neuem Film, der sich auf die formalen und weltanschaulichen Spuren der Berliner Schule begibt, würde er in diese Richtung jedenfalls mehr als hineinpassen.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  8. September 2010

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