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Tom Hardy in "Dame, König, As, Spion"

StudioCanal

Konsequent anders

Chamäleon Tom Hardy

Wenn es um die Vorbereitung auf eine Rolle geht, scheut Tom Hardy keine Mühen, um sich den neuen Charakter anzueignen. Ähnlich wie der junge Robert De Niro frisst er sich in kurzer Zeit ein Drittel seines Gewichts an und absolviert dazu ein Training, das wahre Muskelberge auf seinen Körper zaubert. Die Haare werden gefärbt oder zur Glatze geschoren. Und wenn es der Rolle dient, lässt er sich auch einen fürchterlichen Schnauzbart wachsen.

Bronson

Kinowelt Home Entertainment

De Niro oder Brando?

Wie ein nervöser Panther dreht Charles Bronson seine Kreise in seinem engen Käfig. Dabei ist es nicht der echte Charles Bronson, den Regisseur Nicolas Winding Refn für sein Portrait über Englands gefährlichsten Straftäter filmt. Es ist Tom Hardy, der sich für diese Rolle 19 Kilogramm Muskeln antrainiert, eine Glatze geschoren und einen unglaublichen Bart wachsen lassen lässt. Ruft man sich die anderen Filmfiguren des britischen Schauspielers in Erinnerung, scheint es kaum vorstellbar, dass er hinter diesem manischen Muskelberg steckt. Genau das ist es, was Tom Hardy zu einem Vollblutschauspieler macht. Die akribische Vorbereitung auf seine Rollen. Als klar ist, dass er Englands gefährlichsten Gefängnisinsassen spielen soll, nimmt er Kontakt zu dem Mann auf, der sich selbst Charles Bronson nennt. Nach einigen Telefonaten besucht er ihn sogar im Wakefield-Gefängnis, in dem auch der Kanibale Bob Maudseley auf dem Hof seine Runden dreht.

Für Hardy bilden die Stimme und Mimik einer Person den Schlüssel, um die Figur spielen zu können. Also spricht er, wie Bronson sprechen würde, der bürgerlich Michale Peterson heißt. Um ihn glaubhaft darstellen zu können, muss Hardy sich auch dessen Physis aneignen. Innerhalb von fünf Wochen trainiert er sich 19 Kilogramm Muskeln an und nimmt in einer Diät, die diesen Namen nicht verdient, täglich ca. 6.000 Kalorien zu sich. Wer fühlt sich da nicht an Robert De Niro in "Wie ein wilder Stier" erinnert? Wegen Hardys intensivem Spiel werden von der internationalen Filmkritik auch Vergleiche zum jungen Marlon Brando gezogen. Hardy studierte Method Acting am Drama Centre in London.


Tom Hardy und Chris Pine in "Das gibt Ärger"

20th Century Fox

Gebrochene Helden

Meistens ist Hardy in düsteren Filmen der gebrochene Held und dabei meist der Fiesling. Doch er unternimmt gelegentlich auch Ausflüge ins romantische Fach. So war er bereits Heathcliff in der britischen Fernsehproduktion "Sturmhöhe - Wuthering Heights". In "Das gibt Ärger", einer romantischen Actionkomödie, kämpft er gegen Chris Pine um Reese Witherspoon. Es ist ein Film, der aus dem bisherigen Repertoire des Schauspielers heraussticht.

Überhaupt stellt sich angesichts dieses Blockbusters die Frage, warum Hardy nicht schon früher in den Hollywoodhimmel gehoben wurde. Denn wenn man sich die Liste seiner bisherigen Filme ansieht, denkt man, ach, da war er also auch dabei. "Marie Antoinette", "Layer Cake" oder "Rock'N'Rolla" gehören auf diese Liste. Vielleicht liegt es an Hardys Fähigkeit, gleich einem Chamäleon hinter seinen Figuren zu verschwinden. So dauert es etwas länger, bis er sich vom Geheimtipp auf Hollywoods A-Liste spielt.


Inception

Warner Bros.

Christopher Nolan steht auf ihn

Im Juli ist er im Filmereignis des Jahres 2012 unter Christopher Nolans Regie auf der Leinwand zu sehen. In "The Dark Knight Rises" ist er Superschurke Bane. Als bekannt wird, dass Tom Hardy die Rolle von Batmans schlimmsten Widersacher übernehmen wird, macht sich Unmut unter Fledermausfans breit. Viel zu schmächtig sei dieser Hardy, der sich für diese Rolle nur ein Körpergewicht von ungefähr 89 Kilogramm erarbeitet. Banes müsste mindestens 100, wenn nicht gar 180 Kilogramm wiegen, ist in den Fanforen zu lesen. Doch Batman-Regisseur Nolan ist offensichtlich von Hardys schauspielerischen Qualitäten überzeugt. Er besetzt ihn bereits 2010 in "Inception". Da darf Hardy den smarten Fälscher Eames spielen. Bane ist eine Rolle, die ganz nach Hardys Geschmack sein dürfte. Sein Charakter schwankt zwischen Genie und Wahnsinn. Also eine neue Möglichkeit für Hardy, sich auf der Leinwand wieder einmal richtig gehen zu lassen.


Tom Hardy wird zum "Warrior"

Universum Film

Exzessiv

So abwechslungsreich wie seine Rollen, ist auch sein Privatleben. Hardy wird zweimal von der Schule verwiesen. Das erste Mal richtig Ärger gibt es, als er mit 15 Jahren in einem geklauten Auto mit illegalen Waffen aufgegriffen wird. 13-jährig beginnt er Alkohol zu trinken - später folgt Crack. Aus dieser Zeit stammen auch die vielen Tattoos, die seinen Oberkörper zieren. "Ich war 15 Jahre alt, als ich das erste bekam", erzählt der dem britischen Telegraph. "Ich habe viele von ihnen, um mich daran zu erinnern, wo ich war und wo ich nie wieder hin zurückkehren will".

Die Grundsteine für seine Karriere legt er trotzdem in dieser Zeit. Er ergattert eine Rolle in der Miniserie "Band of Brothers - Wir waren wie Brüder" und in Ridley Scotts "Black Hawk Down". In "Star Trek 10: Nemesis" ist er der böse Klon von Jean-Luc Picard. 2003 kommt der Wendepunkt in seinem Leben. Nachdem er auf offener Straße zusammenbricht und in seinem eigenen Erbrochenen aufwacht, macht er eine Entziehungskur und ist seitdem clean. Die Ehe mit Sarah Ward kann er trotzdem nicht retten. 2004 lässt sich das Paar scheiden. Aus einer anderen Beziehung stammt sein 2008 geborener Sohn. Seit den Dreharbeiten zu Wuthering Heights ist er mit Schauspielkollegin Charlotte Riley zusammen, mit der er auch verlobt ist.


Tom Hardy

Warner Bros.

Grandioser Ausblick?

Es sieht aus, als wäre Tom Hardy auf dem besten Weg berühmt zu werden - das war auch das Ziel seiner Filmfigur Bronson. 2012 lässt sich gut an. Das Hardy-Jahr beginnt mit dem Agentenfilm "Dame, König, As, Spion". Im Februar startet die Actionkomödie "Das gibt Ärger", mit der sich der gut aussehende Brite ein neues Fanpublikum erspielen wird. Im Juli folgt der langersehnte dritte Teil von Nolans Batman-Saga "The Dark Knight Rises".

Ebenfalls in 2012 startet "Wettest County" in den Kinos. In dem Prohibitions-Thriller spielt Hardy an der Seite von Shia LaBeouf und Gary Oldman. Außerdem beginnen die Dreharbeiten zu "Mad Max: Fury Road" unter der Regie von "Mad Max"-Regisseur George Miller. In Bezug auf die Vorbereitung für seine neue Rolle klagte er der britischen Zeitung The Guardian: "Mein Haar sieht zur Zeit so fürchterlich aus, wie das von Steven Segal. Ich muss es für Mad Max wachsen lassen. Aber leider habe ich es zwischendurch für ein Theaterstück, das ich in Chicago gespielt habe, färben lassen. Nun habe ich orange Spitzen und einen braunen Haaransatz." Doch eins ist sicher, egal wie Tom Hardys Haare aussehen, wir werden noch viel von ihm hören.

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