Sony Pictures
Der Unbeugsame - Director's Cut
Medien profitieren von ihrem Ruhm
Starfeature: Sportler im Rampenlicht
In zahllosen Sportler-Biopics und Dramen geht es um die Rivalitäten zwischen den Giganten des Sports. Die Medien spielen in den Filmen dabei nur eine Nebenrolle. Dabei bestimmen sie längst, wie viele Wettkämpfe und Übertragungen laufen. Sie emotionalisieren den Sport und machen ihn zu einem wichtigen gesellschaftlichen Phänomen. Das Angebot von Privatfernseh- und Radiosender hat den Sport-Journalismus in Deutschland seit den 1980er Jahren noch unterhaltender gemacht.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  4. September 2021
Sony Pictures
Robert Redford in "Der Unbeugsame"
Sportreporter machen Stars
Hier steht die Unterhaltung klar im Vordergrund. Ein Wett-Vergleichsportal hat sich mit diesem Thema erst kürzlich im Detail befasst. Dazu kommen die technischen Möglichkeiten. Eine Zeitlupe alleine reicht längst nicht mehr - es müssen verschiedene Perspektiven sein, die dem Zuschauer den Eindruck ermitteln, hautnah dabei zu sein. Drohnen oder Schwenkkameras erweitern die technischen und ästhetischen Möglichkeiten weiter, immer größere HD- und UHD-Fernseher machen immer kleinere Details dem Zuschauer sichtbar. Nicht zuletzt wird der Fokus vom Sportgeschehen selbst, ins Privatleben der Sportler erweitert. Der Boulevard-Journalismus hat die Spitzensportler längst zum Thema gemacht.

Mit Mercy porträtiert Barry Levinson 1984 in seinem Sportlerdrama "Der Unbeugsame" den Typ des skrupellosen, narzisstischen Reporters, vor dem kein Detail aus dem Privatleben sicher ist und der sich anmaßt, über Wohl und Wehe eines Sportlers zu entscheiden. Max Mercy (Robert Duvall) will mehr sein als Berichterstatter. Er ist stets nahe dran an den Baseball-Teams, er hat es in der Hand, einen neuen Stern aufgehen und ihn auch wieder verschwinden zu lassen. Dem 19-jährigen Roy Hobbs (Robert Redford) sagt der selbst ernannte Königsmacher eine glänzende Karriere voraus. Die endet jäh, als Hobbs von einem Groupie angeschossen wird. Als er 16 Jahre später an die alten Erfolge anknüpfen kann und die Brooklyn Knights von Sieg zu Sieg führt, erkennt ihn Mercy nicht wieder.

Er will den Spieler zu einer exklusiven Medienpartnerschaft überreden, doch der sperrt sich und verweigert jede Auskunft zu seiner Vergangenheit. Mercy nimmt die Zurückweisung persönlich und heftet sich an Hobbs Fersen. Skrupellos berichtet er, als bei Hobbs die bei der Schießerei erlittene Verletzung wieder aufbricht. Im europäischen Fußball mag es ähnliche Beispiele beim Pushen von Spielern durch Boulevardmedien geben. In den Olympischen Sportarten sind solche negativen Beispiele rar - legendär ist dagegen bis heute die Moderation Heinz-Florian Oertels beim Schlussspurts von Marathonläufer Waldemar Cierpinski bei seinem zweiten Olympiasieg in Moskau 1980: "Waldemar ist da. Liebe frisch gebackene Väter, nennen sie ihren Sohn Waldemar".

Die liebevolle Begleitung der halsbrecherischen Sprünge des kurzsichtigen Michael 'Eddie the Eagle' Edward von der Skisprungchance durch die internationale Sportpresse macht den stets auf dem letzten Platz landenden Briten zum großen Star. Über ihn wird in manchen Medien mehr berichtet als über die Sieger. Im Gegensatz zum Hallenser Cierpinski erlebt Eddie seine filmische Auferstehung. Seine Karriere verfilmt Hollywood in "Eddie the Eagle - Alles ist möglich" mit Taron Egerton als ehrgeizigem Selfmademan und Hugh Jackman als Trainer, der ihm die Grundlagen der Technik nahebringen will.
Buena Vista International (Germany)
Cool Runnings
Auch Außenseiter schreiben Sport- und Filmgeschichte
Bei den Olympischen Winterspielen 1988 sorgen vier Jamaikaner für Furore, als sie sich todesmutig im Viererbob die Eisrinne runterstürzen und sich so den Olympischen Traum verwirklichen. Jon Turteltaub zeigt den Weg vom Stand in die Eiseskälte von Kanada in "Cool Runnings". Heute wären solche spektakulären Medien-Karrieren kaum noch möglich. Sportwelt und Berichterstattung haben sich verändert. Die Sportverbände und das IOC beschlossen Qualifikationsregeln, die Außenseiter vom Bildschirm verbannen. Auf der anderen Seite veränderte der Einzug der privaten Fernsehanbieter die Wettkämpfe. So wurden beim Skispringen regelmäßige Pausen zwischen den Springergruppen eingeführt, in denen Werbeblöcke platziert werden können. Auch der traditionelle Samstag-Spieltag der Fußball-Bundesliga wurde gesplittet, damit die Pay-TV-Anbieter jedem Abonnenten das Spiel ihres Klubs zeigen können. Ohne Fernsehgelder wollen die Olympischen Sportverbände nicht überleben und auch der Profifußball hängt am Tropf der weltweiten Einnahmen aus dem Fernsehgeschäft. Wer zahlt, bestimmt, das prägt den Sport nachhaltig.

Die heutigen Ikonen der Sportwelt überzeugen zunächst in Arenen, Schanzen, Tennis-Courts oder dem grünen Rasen - egal ob Usain Bolt, Messi oder Ronaldo. Vielleicht folgt bald der ein oder andere Film, der ihnen und ihrer Leistung ein Denkmal setzt. Gemessen an der Popularität des Fußballs hält sich der Film aber allzu vornehm zurück.
Universum Film
Daniel Brühl in "Rush - Alles für den Sieg"
Wiedersehen mit Sportikonen
In den vergangenen Jahren sind es die Legenden der 1960er- und 70er Jahre, die ins Kino-Rampenlicht rücken. Björn Borgs legendäre Rivalität mit John Mc Enroe in ·"Borg/McEnroe" aus dem Jahr 2017 von Janus Metz mit Shia LaBeouf, Sverrir Gudnason und Stellan Skarsgård. Emma Stone als Billie Jean King, der Vorkämpferin für die Gleichberechtigung von Frauen im Profitennis in "Battle of the Sexes - Gegen jede Regel" oder Julian Waldner als Ski-Champion Franz Klammer in dem österreichischen Biopic "Klammer - Chasing the Line". Und natürlich die Rivalität in der Formel1 zwischen Niki Lauda - gespielt von Daniel Brühl - und James Hunt (Chris Hemsworth) in "Rush". Nicht zuletzt "Ali", Michael Manns Verbeugung vor der Box-Legende, dessen Leben er zwischen seinem Olympiasieg und dem zur Legende gewordenen Rumble-in-the Jungle-Fight 1974 folgt.

In all den Filmen spielt die mediale Aufmerksamkeit eine tragende Nebenrolle - nicht nur, weil die Stars des Sports ihre Arbeitsstätten auch als Entertainment-Bühne entdecken und ihre sportlichen Duelle zu Events machen. Billie Jean King nutzt die Medien und ihre Popularität, um auf ihre Forderung nach gleicher Bezahlung aufmerksam zu machen. Ebenso wie Muhammed Ali, der sich unter die Landsleute einreiht, die die Gleichberechtigung der Schwarzen einforderten.
StudioCanal Germany
Ben Foster als Lance Armstrong in "The Program - Um jeden Preis"
Kritische Auseinandersetzung mit Kommerzialisierung?
Andere wie der eher scheue Björn Borg leiden unter den wachsamen Linsen der Papparazzi. Eiskunstläuferin Tonya Harding neidet ihrer Konkurrentin Nancy Kerrington den sportlichen Erfolg und die mediale Präsenz so sehr, dass sie ein Attentat auf ihre Konkurrentin in Auftrag gibt. Ihre Motivation entblättert "I, Tonya". Der Film erzählt die wahren Begebenheiten im Stile der Auseinandersetzung der Schönen mit dem Biest.

Stephen Frears "The Program - Um jeden Preis" um die Doping-Praktiken des siebenmaligen Tour de France-Siegers Lance Armstrong, dem alle sportlichen Erfolge später aberkannt werden, stellt dagegen die Pervertierung des System durch die Kommerzialisierung in Frage. Im Zentrum steht die Forderung der Medien nach immer spektakuläreren Etappen und dem daraus resultierenden Leistungsdruck auf die Fahrer, den viele nur mit unlauteren Mitteln aushalten. Solch kritischer Blick hinter die Kulissen des Sports ist allerdings selten - in den Medien wie im Film.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  4. September 2021
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