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© Jean-François Martin/Ricore Text
Pedro Almodóvar in Cannes auf der Premiere von Volver
Im Labyrinth der Leidenschaften
Spaniens Filmmatador
"Es ist ganz schön teuer, authentisch zu sein. Doch in diesen Dingen sollten wir nicht geizig sein, weil wir um so authentischer sind, je ähnlicher wir dem Traum werden, den wir in uns selbst haben." ("Alles über meine Mutter") Diesen Traum hat der spanische Regisseur Pedro Almodóvar ein Leben lang verfolgt und trotz anfänglicher Kritik Recht behalten. Heute gilt er als Sinnbild des spanischen Kinos und als feste Größe des internationalen Films.
Von  Carlo Avventi/Filmreporter.de,  22. Februar 2019
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Pedro Almodóvar und Penélope Cruz
Wer heute seine ersten Filme sieht, mag sich wundern. Schrill, chaotisch, derb: so kommen diese daher. Von der Handschrift eines Meisters scheinbar noch keine Spur. Versetzt man sich jedoch in das Spanien der siebziger Jahre zurück, so erkennt man schnell ihren Wert. Ihre kompromisslose und stets provokative Auseinandersetzung mit umstrittenen Themen wie Sexualität oder die Rolle der Frau hat unbestritten eine große Bedeutung für Spaniens Übergang vom faschistischen Francoregime in die Demokratie.

Pedro Almodóvar wird am 24.09.1951 in einer kleinen Provinzstadt südöstlich von Madrid geboren. Mit 16 zieht er ohne Familie und ohne finanzielle Ressourcen in die Hauptstadt, wo er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält, bis er eine feste Stelle bei einer Telefongesellschaft bekommt. In hunderten von Telefongesprächen, lernt er, verrät der spanische Regisseur Jahre später, die Kunst des Dialogschreibens, um die ihn Hollywood so beneidet. Während er den Tag über bei dem spanischen Telekom-Pendant "Telefónica" verbringt, taucht der Zwanzigjährige nachts in die entstehende Undergroundszene, der Movida Madrileňa ein. In ihrer Schutzatmosphäre versucht sich Almodóvar als Schauspieler, Sänger, verfasst Fotoromane und Kurzgeschichten. In dieser Zeit entstehen auch seine ersten auf Super-8 gedrehten Kurzfilme wie "Zwei Nutten, oder die Liebesgeschichte, die mit einer Hochzeit endet".

Schon sein erster Kinofilm macht ihn über Nacht in ganz Spanien bekannt. In "Pepi, Luci, Bom y otras chicas del montón" aus dem Jahre 1980 kommt bereits seine Vorliebe für Kitsch, Parodie und groteske Komik unmissverständlich zum Ausdruck. Die absolute Ausdrucksfreiheit, die man in diesem schrillen Erstling atmen kann, macht Almodóvar zum Idol der Jugend Madrids und Barcelona. Den professionellen Durchbruch feiert er jedoch erst mit seinem sechsten Film: "Matador" von 1986. Mit ihm freut sich damals auch ein junger, unbekannter Schauspieler namens Antonio Banderas, der gleich anderen spanischen Stars wie Penélope Cruz, Carmen Maura, Cecilia Roth, Victoria Abril und Marisa Paredes seine Karriere dem homosexuellen Regisseur zu verdanken hat.
© Arthaus (Kinowelt)
Alles über meine Mutter
Doch bis dato ist Almodóvars Ruhm auf Spanien beschränkt. Internationales Aufsehen erregt er zwei Jahre später mit "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs". Die schrille und temporeiche Komödie gewinnt den Europäischen Filmpreis und wird für den Oscar nominiert. 1986 gründet Pedro zusammen mit seinem Bruder Augustin die Produktionsfirma El Deseo (Die Begierde) und sichert sich mit der verbundenen ökonomischen auch seine künstlerischen Unabhängigkeit. Neben den eigenen Filmen produziert er auch Werke anderer Regisseure. Filme wie "Aktion Mutante" von Álex de la Iglesia, "Mi nombre es sombra" von Gonzalo Suárez, "El Espinazo del Diablo" von Guillermo del Toro und dem international erfolgreichen "Mein Leben ohne mich" von Isabel Coixet werden von El Deseo produziert.

Almodóvar ist auch als Darsteller aktiv. Neben Gastauftritten in seiner eigenen Filme spielte er auch in "Tiempos de constitución" von Rafael Gordon, "Ein Mann namens Herbstblume" von Pedro Olea sowie in der Dokumentation "In Bed with Madonna" zu sehen. Almodóvars Filme werden im Laufe der Neunziger immer besser. Ohne an Frische und Spritzigkeit zu verlieren, gewinnen sie zunehmend an Stringenz und Durchsichtigkeit. Der internationale Durchbruch ist absehbar. Doch erst Ende der Neunziger ist es soweit. Zwar erregen Filme wie "Fessle mich!", "Kika" und "Mein blühendes Geheimnis" großes Aufsehen bei den Kritikern, doch der Paukenschlag kommt 1999. "Alles über meine Mutter" wird über Monate weltweit in unzähligen Kinos gespielt. Der Oscar ist die logische Konsequenz. Doch Almodóvar ist nicht mehr zu bremsen. Bereits drei Jahre später hält er erneut die begehrte Trophäe in der Hand. Sein Film heißt diesmal "Sprich mit ihr - Hable con ella". Die Geschichte der im Koma liegenden Balletttänzerin bewegt Millionen von Zuschauern und macht Almodóvar endgültig zu einem der ganz großen Regisseure der Filmgeschichte.
Von  Carlo Avventi/Filmreporter.de,  22. Februar 2019

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